Judith Geiß zu Gast bei Christian Kastner und “Führung am Freitag”: Kultur als Stolperstein in der Post Merger-Integration nach einer amerikanischen Übernahme

 

 

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Inhalt / Links zu dieser Episode:

Es ist soweit – die Sommerpause ist vorbei und Judith Geiß ist zurück! Gleich zu Beginn hat Sie wieder ein interessantes Gespräch im Gepäck, diesmal mit Christian Kastner. Zusammen mit ihm spricht Sie über so manche Hürden, die einem im Rahmen einer US-amerikanischen Übernahme begegnen können, über kulturelle Unterschiede und natürlich über ihr Buch „Die Übernahmeformel“

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Ihre Judith Geiß


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Speaker1: [00:00:00] Übernahme als Chance. Der Podcast von und mit Judith Geiß. Sie und Ihr Unternehmen sind von einer Übernahme betroffen? Dann sind Sie hier genau richtig. Judith Geiß ist die Expertin für US-amerikanische Übernamen im deutschsprachigen Raum und teilt mit Ihnen wertvolle Tipps und Tricks und zeigt Ihnen, wie Sie diese Veränderung für sich und Ihr Unternehmen nutzen können. Ganz nach dem Motto: take the chance.

Judith Geiß: [00:00:24] Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Episode des Übername als Chance-Podcast. Heute geht es Back to Business. Die Sommerpause ist rum und ja, das nächste oder das restliche Jahr ist vollgepackt mit neuen Inspirationen im Podcast. Soviel sei verraten: Es werden viele Gäste dabei sein und neue Ideen nach außen gebracht werden. Und ja, als ich mir so das restliche Jahr angeschaut habe, ist mir eins aufgefallen, nämlich dass es ganz schön viel zum Feiern gibt. Und da freue ich mich, dass Sie mit mir, lieber Podcast-Hörer und liebe Hörerinnen, dann auch mitfeiern.

Zu Gast bei Christian Kastner und “Führung am Freitag” 

Heute melde ich mich nach der Sommerpause zurück mit einem Gespräch. Und zwar ein Gespräch, das ich noch kurz vor der Sommerpause geführt habe mit meinem geschätzten Netzwerkpartner Christian Kastner. Er hat mich eingeladen in seiner YouTube-Sendung „Führung am Freitag“, und wir haben natürlich über die Übernahme-Formel gesprochen, was mich dazu bewegt hat. Und mit Christian habe ich dann auch gleich ausgeheckt, dass er mich in diesem Jahr noch im Podcast als Gast besuchen wird. Daher, seien Sie darauf gespannt, denn es wird nicht mehr lange dauern, dann hört man wieder etwas von Christian.

Ich wünsche Ihnen jetzt viel Spaß mit dem Ausschnitt aus unserer gemeinsamen Sendung „Führung am Freitag“ und freue mich natürlich wie immer, etwaige Fragen, die Sie umtreiben zum Thema Übername an Podcast@theBridge-Online.com, gesendet zu bekommen, damit ich Ihre Fragen in einer der nächsten Episoden beantworten kann. Ja, ich hoffe, Sie hatten auch einen schönen Sommer. Und ja, jetzt geht’s los mit Christian Kastner. Viel Spaß dabei!

Übernahmen unter dem Radar der Medien

Christian Kastner: [00:02:14] Hallo und herzlich willkommen zu der heutigen “Führung am Freitag”-Sendung. Ihr wisst ja, ich nehme mir von Zeit zu Zeit spannende Gäste in die Sendung, und wir sind jetzt mitten in der Corona-Krise. Und in dieser Krise ist es eben auch so, dass gerade in so einer Situation immer mehr Firmen in Schwierigkeiten kommen und damit so potenziellen Übernahmekandidaten werden. Meistens erfährt man in der Presse das eigentlich nur dann, wenn die bösen Chinesen wieder eine deutsche Firma aufkaufen.

Aber so ganz unbewusst unten drunter sind auch viele amerikanische Firmen, die deutsche Mittelständler sehr, sehr attraktiv finden. Und ich habe mir gedacht, zu diesem Thema könnte man ja mal eine Sendung machen. Und da hat es sich grad prima ergeben, dass ich eine Expertin heute bei mir hab, die liebe Judith Geiß. Die hat den großen Vorteil zu vielen anderen Experten, dass sie das am eigenen Leibe schon mal erfahren hat und deswegen aus ihrer eigenen Erfahrung reden kann. Daneben hat sie diese Erfahrung in eine eigene Firma gepackt und macht es jetzt seit über 10 Jahren erfolgreich, Menschen und Firmen vor, während und nach der Übernahme durch eine amerikanische Mutter zu begleiten. Herzlich willkommen, liebe Judith,

Judith Geiß: [00:03:28] Lieber Christian, schön, dass ich da sein kann und über mein Lieblingsthema erzählen kann.

Aus einer sicheren Position in den Übernahme-Prozess

Christian Kastner: [00:03:33] Ja, das ist auch super. Und du hast ja neben dieser Sendung auch ein Buch geschrieben. “Die Übernahme-Formel” von Judith Geiß ist ein Praxis-Leitfaden für die Post Merger-Integration nach einer amerikanischen Übernahme. Judith möchtest du vielleicht ein bisschen was erzählen, wie das für dich war, wo deine ehemalige Firma von einer amerikanischen Firma übernommen worden ist.

Judith Geiß: [00:03:58] Ja, natürlich, gerne. Für mich war es damals so, dass ich dabei war zu wechseln. Aus der vermeintlich sicheren, öffentlichen Wirtschaft in die internationale Welt hat es mich hingezogen. Der Vertrag war unterzeichnet, Die Freude war groß, bis vier Wochen später mich damals noch ganz, nenn ich es mal altmodisch, ein Anruf ereilte vom CFO, der mir erzählt hat, wir wurden jetzt verkauft. Und das war so der Moment, wo ich gedacht hab: Oh, was passiert hier jetzt? Nicht unbedingt das, was man bei so einem Wechsel gerade aus der vermeintlich sicheren Umgebung dann erwartet. Und was mich dann erwartet hat, das konnte man sich vorher nicht ausmalen, sozusagen. Aber es war eine sehr bereichernde Zeit. Und letztendlich, so wie du sagst, führte es jetzt zu über zehn Jahren Begleitung meiner Kunden, aber auch dazu, dass ich aus der Übernahme für mich, würde ich sagen, das Beste rausgenommen habe und das heute teile.

Und wie du auch schon gesagt hast, eine Expertin, die es selbst erlebt hat, und das muss man ganz einfach auch sagen aufgrund des Kunden-Feedbacks, das ja wirklich da ist. „Ja, du weißt, wovon du sprichst, weil du es erlebt hast“. Weil von außen betrachtet kann man ja sagen, das kriegst du schon hin und was passiert da schon groß? Aber diese Gefühlswelt und das für mich, obwohl ich eine Zahlen-Person bin, hat mich schon damals sehr beschäftigt, weil darum ging es irgendwie nicht.

Der Mensch verschwindet plötzlich hinter seiner Funktion

Christian Kastner: [00:05:23] Ja, ich fand es sehr interessant, du hast ja in dem Buch beschrieben, wie du da in diesem Konferenzsaal gesessen hast, wo dann diese Slides, diese Slideshow über dich ergangen ist, und ich konnte das so richtig mitfühlen, wie das dann wohl war, wo dann eben auch dein Name auf der Liste dann hoch gepoppt ist. Wo du dann gewusst hast, okay, es geht mir an den Kragen.

Judith Geiß: [00:05:46] Na also, eigentlich war nicht mein Name da. So schlimm war es nicht ganz. Aber es war meine Funktion und die gab es nur einmal in Deutschland. Das Thema war, da man sich mit den Menschen da nicht zu intensiv genug beschäftigt hat, war das niemandem bewusst, dass es eins zu eins übertragbar war. Und ich habe eigentlich damit dann geschockt, dass ich in die Aktion gegangen bin und gesagt habe, da ich das bin, können wir jetzt mal reden und eine Lösung für mich suchen. Also ich habe quasi mit dem Anfang begonnen, du jetzt mit dem Ende. Aber letztendlich hat daraufhin dann auch was Neues, Positives angefangen.

Der große Irrtum: eine gemeinsame Kultur

Christian Kastner: [00:06:17] Ja, also ich habe ja auch einen relativ großen Background mit Arbeit mit Amerikanern und eine Sache, was mir immer wieder auffällt ist, dass wir doch recht blauäugig an die Zusammenarbeit rangehen, weil wir eben denken, okay, die meisten von uns, es ist ein dummes Vorurteil, aber wir sind weiß, wir sind aus dem gleichen Kulturkreis. Und die Amerikaner sind alle so locker und man geht dann ziemlich unbedarft an das Ganze hin. Ist das auch deine Erfahrung?

Judith Geiß: [00:06:43] Definitiv. Gerade in der Region, in der ich aufgewachsen bin, Heidelberg und Mannheim, ist mit Amerikanern zu tun zu haben das Normalste auf der Welt gewesen. Das Thema ist, man unterschätzt, dass die Amerikaner, ich sag immer salopp, die man abends in der unteren Straße in Heidelberg trifft, nicht die Amerikaner auf geschäftlichem Level sind, und dass man da schnell die Situation auch übersehen kann, wenn es eigentlich brenzlig wird. Ja, und damit es erst gar nicht brenzlig wird, ist es natürlich ganz wichtig, dass man sich mit dem Thema wirklich beschäftigt und nicht sagt, okay, ich gehe davon aus, ich weiß alles. Aber wie wir wissen, keiner weiß alles. Und gerade im Vorfeld hast du ja ein tolles Buch auch noch erwähnt, wo es wirklich darum geht, beschäftige dich damit, was da passiert, mit deinem vermeintlichen Wissen darüber, vielleicht ist es noch nicht alles.

Der lockere Freizeittyp zeigt im Business Kante

Christian Kastner: [00:07:31] Ja, genau. Und ich würde das Buch unten verlinken. Da geht es darum, über diese zwischenmenschlichen Feinheiten zwischen US-Amerikanern und Leuten aus dem Ausland, speziell aber auch in Europa. Und es ist eben so, dass vieles, was wir kennen, doch aus amerikanischen Filmen ist, so der lockere Typ, wie du beschrieben hast, den man dann abends mal in der Bar trifft, der dann gleich beim Vornamen ist und alles so locker und ungezwungen. Und wenn man dann mal so die ersten Meetings mitgemacht hat mit Amerikanern, merkt man auch, da sind noch ganz, ganz starke Unterschiede, gerade im geschäftlichen Bereich.

Judith Geiß: [00:08:03] Ja, definitiv. Also ich habe da immer eine Geschichte, die nicht so Positives erzählt, aber wo wir Besuch hatten aus den USA weil es, nennen wir es mal, ein wenig eskaliert ist. Oder der Amerikaner hatte das Gefühl, es sei eskaliert. Aus unserer Sicht war das nicht so. Aber da gab es eins, zwei, nenne ich es jetzt mal, Miss-Kommunikationen.

Und dann war plötzlich jemand da, der gar nicht da sein sollte, und auch unangekündigt, stand halt einfach vor der Tür. Und dann gab es ein großes Meeting und der amerikanische Kollege wollte natürlich auch seinen Job gut machen und kommunizierte dann in die Richtung, ja, so, wir müssen ja jetzt an einem Strang ziehen. So weit, so gut. Aber wenn das hier nicht funktioniert, dann wird irgendjemand ein rotes Licht auf der Stirn haben. Wow. Das war ein Wort. Vor allem als verstanden wurde, was es bedeutet, letztendlich auf gut Deutsch, irgendeinen wird es dann treffen, und wir werden denjenigen dann auch finden. Was natürlich mit einer zuvor, würde ich sagen, gut motivierten Mannschaft für uns etwas extremen Aufräum-Bedarf danach hatte, weil die, als es dann verstanden wurde, natürlich dann, nennen wir es mal nett, zu mehr als Unmut geführt hat.

Judith Geiß: [00:09:13] Wie kann er denn nur? Aus seiner Warte, wie wir alle wissen, ist es trotzdem so. Er will ja nur seinen Job machen und er macht ihn auf seine Art und Weise. Und vielleicht gefällt uns die Art und Weise nicht, aber wir haben die Möglichkeit uns anzupassen oder aber zu sagen, okay, das ist nicht mehr meine Kultur, das ist nicht das, wie ich das machen will. Aber auch dieses viel Unterschätzte: Er kam dann auch rein, hat sich erst mal beim Vornamen vorgestellt und Familie und Frau und Kinder, so ganz salopp. Dann denkt man ja, da kann ja jetzt nix passieren. Ein bisschen Tschacka Tschacka-Rede. Ja und die drehte sich dann so zum Schluss. Und da war noch ein anderer Kollege dabei, also wer der Bad Boy war, wussten wir jetzt. Und dann kam der Good Guy und sagte, ja, aber ich bin jetzt regelmäßig da, damit ich euch helfe, das ihr es doch schafft. Und dachte dann halt, es so dann gut verarbeitet zu haben. Und ja. Aber nichtsdestotrotz war doch das einer meiner einschlägigsten Erfahrungen, die ich gemacht habe, einfach da dabei zu sein und so – das hat er jetzt nicht wirklich gemacht.

Wenn sich nach einer Konfrontation Lager bilden

Christian Kastner: [00:10:16] Ja und das ist ja, was du beschreibst, ist ja so ein bisschen so eine Lagerbildung. Und es heißt ja dann oft auch right or wrong, my country. Und das trifft ja ganz sicherlich auf die Amerikaner zu, aber ganz sicher auch auf uns Deutsche. Und speziell wenn du jetzt also wie ich dein ganzes Leben in so einem behäbigen, schwäbischen Mittelstand gearbeitet hast. Und da kommt dann jemand so hemdsärmelig, Hawaiihemd und übertrieben gesagt jetzt, dann prallen doch zwei Kulturen aufeinander, wo man eigentlich nicht so erwartet.

An einem Tag in der Woche sind wir gerne “amerikanisch”

Judith Geiß: [00:10:42] Wobei es da auch natürlich noch so ist, gerade wenn du das Hawaiihemd nimmst, dass das durchaus auch die deutschen Kollegen als unhöflich oder respektlos empfinden können. Gerade, wir nehmen jetzt auch an einem Freitag auf, du wirst an einem Freitag veröffentlichen, wenn der Kollege einfach Casual Friday lebt und das, was einen dann am Anfang irritiert, also ich muss sagen, das Kultur-Merkmal schlechthin, was am schnellsten adaptiert wird, ist Casual Friday. Und ich mache das heute noch und es ist mein Lieblings-Merkmal. Da bin ich gerne amerikanisch.

Christian Kastner: [00:11:12] Ja, super. Und es ist ja dann auch so, dass wenn zwei Kulturen aufeinanderprallen, jeder fühlt sich ein bisschen unsicher. Aber ich denke, wir in Europa sind doch eher daran gewöhnt, uns auf andere Kulturen einzustellen, sei es allein durch den Urlaub oder einfach, weil wir jetzt eben in Europa leben, wo man dran gewöhnt ist, einen gewissen Kompromiss zu finden. Während Amerikaner haben ja im Prinzip einen Kontinent für sich alleine und sind von Haus aus nicht gewöhnt, dass wenn man sechs Stunden fährt, schon am anderen Ende vom Kontinent ist. Da sind die immer noch in ihrem eigenen Land. Also dieses Verständnis, ich muss mich auf jemand anders einstellen, ist nicht so ausgeprägt wie bei uns.

Es ist selten zu früh für Vereinbarungen und Regeln

Judith Geiß: [00:11:52] Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber auch da gilt Kommunikation als das wichtigste Instrument, nämlich schlicht und ergreifend bestimmte Richtlinien oder Vereinbarungen mit den neuen Kollegen zu treffen. Weil neben der sechs Stunden und wo man sich dann befindet oder nicht, ist es natürlich auch so, bei sechs Stunden fällt mir spontan natürlich auch die Zeitverschiebung ein, nämlich dass der andere vielleicht gerade überhaupt nicht auf dem Schirm hat, dass er mir eine Einladung für nachts um zwölf geschickt hat. Und wie mit jeder Einladung kann man die auch ablehnen. Man muss nur wissen, wie und wie man es dann rüberbringt und dann halt auch, sage ich jetzt mal, eine Lösung findet.

Weil wie ich in dem Buch auch beschreibe, ist das Ganze ein Marathon und kein Sprint. Das heißt, natürlich kann ich heute möglich machen, heute Nacht um zwölf zu telefonieren. Die Frage ist: Will ich das die nächsten drei bis fünf Jahre tun? Und wenn ich dann nein sage, dann muss ich frühzeitig handeln, weil, wie soll der andere dann verstehen, dass es mal ging und jetzt nicht mehr?

Christian Kastner: [00:12:45] Wo wir schon bei den konkreten Vorschlägen sind. Du hast ja einige sehr gute Tipps in dem Buch ausgearbeitet. Zum Beispiel, was mir gut gefallen hat, war die sogenannte Übernahme-Formel. Da hast du einen 3 Punkte-Plan präsentiert. Vielleicht kannst du den mal kurz unseren Zuhörern vorstellen.

Der Erfolgskreislauf: Abstimmen, Anpassen, Abgleichen

Judith Geiß: [00:13:02] Ja, also erst mal ging es darum natürlich, wie kann ich das Ganze irgendwie ganz einfach fassen? Das war gar nicht so einfach. Nichtsdestotrotz liegt ja in der Einfachheit meistens das, dass man es gut adaptieren kann. Das heißt, es geht erst mal darum, ich stimme mich ab. Unser Beispiel zielt darauf ab, was wollen die Amerikaner von mir? Erwartet er, dass ich nachts um zwölf da bin? Oder hat er einfach vergessen, dass die Zeitverschiebung da ist? Und dann wirklich zu sagen, okay, er möchte einfach gerne abends spät Meetings machen. Nehmen wir das jetzt einfach mal, dann muss ich natürlich mein Leben anpassen. Das heißt, nicht weiter, vielleicht, wie es sonst war, morgens um sieben auf die Arbeit gehen. Dann gehe ich vielleicht erst um zehn oder elf, dann ist der Tag nicht so lang. Das heißt, ich kann mich dann anpassen. Wenn ich dann aber merke, ich habe mich jetzt angepasst und dann? Mal abgleichen, okay, sind wir jetzt alle noch in der Situation, passt es so für uns und wenn es nicht passt, dann fängt die Schleife sozusagen wieder von vorne an.

Und das an dem Beispiel, glaube ich, mit einfach nur Meeting-Struktur, ist schon mal einleuchtend, wie wichtig das ist, weil wir suggerieren ja oft, dass wir wissen, was der andere von uns will, aber haben ihn nie gefragt. Und durch diese Formel ist dann letztendlich natürlich anpassbar auf jede Situation und brauchte dann im weiteren Verlauf natürlich die verschiedenen Bausteine, die sich für mich so herausgearbeitet haben, wo es einfach zwicken kann. Und da werde ich oft gefragt, warum sind es denn Bausteine und keine Schritte? Das Tückische an der Sache ist, dass wenn man diese, nenne ich es jetzt mal, Bausteine außer Acht lässt, dann sind die plötzlich alle auf einmal da. Und was passiert, wenn plötzlich was auf einmal da ist? Dann ist es natürlich Stress für die Beteiligten, weil man dann nicht nur sich um eine Baustelle kümmern muss, sondern um ganz viel.

Christian Kastner: [00:14:44] Ja, da wird es auch viel persönlicher. Oder gleich persönlich, also dann ist nicht mehr die Sache im Vordergrund, sondern da heißt es, die sind alle doof, die passen sich nicht an, während es im Prinzip nur eine kleine Abstimmungssache ist.

Judith Geiß: [00:14:56] Genau. Und das andere ist neben dem, das wir natürlich gerne hätten, dass sich sowieso immer die anderen anpassen, ist glaube ich wichtig, die Bereitschaft zu sagen, auch ich muss mich anpassen. Und wenn ich das nicht mehr möchte, was ja absolut okay ist, dann muss ich auch Entscheidungen treffen.

Drei kleine Buchstaben als Abkürzung ins Chaos

Christian Kastner: [00:15:11] Ja, ich habe auch gemerkt, also die Vorstellung von Geschwindigkeit ist etwas ganz anderes zwischen Amerikanern und Deutschen. Ich hatte mal jemanden, der dann immer am Freitagmittag geschrieben FYA, for your attention. So haben wir es wahrgenommen und er hat gemeint „for your action“ und hat dann aber gemeint, dass dann das ganze Wochenende durchgearbeitet wird, am Montagmorgen dann der fertige Plan da ist. Und wir haben es einfach abgelegt und haben gedacht, ja schön, ich habe mich informiert. Alles gut. Niemand hat nachgefragt, ob das verstanden wurde. Und dann gab es große Augen am Montagmorgen, weil eben die Präsentation nicht da war.

Judith Geiß: [00:15:44] Genau da sprichst du noch einen anderen Punkt an: die Abkürzungen, die unser Leben dann plötzlich bestimmen. Und ich musste eben nur deshalb schon mal grinsen, bei mir war es damals „For your Information“ als Abkürzung zu den Zeiten, wo es nicht so üblich war, dass man alles im Internet zum Beispiel findet. Und dann habe ich mich geoutet, hab gefragt, Leute, was heißt denn dieses FYI? Was heißt es denn? Ja, das ist nur, du musst nichts machen, du musst es nur wissen. Und wenn du dann darüber nachdenkst, gerade beim Lesen, okay, muss ich da jetzt wirklich nichts tun? Da bleibt so ein leiser Zweifel. Oder auch da dann wirklich den Mut zu haben, auch nachzufragen. Also, was erwartest du denn jetzt damit? Weil der andere weiß ja genau, was er vielleicht im Kopf hat, aber hat vielleicht gerade schnell keine Zeit und dann for your action so. Ja, die werden schon wissen, was sie jetzt tun müssen.

Und das andere ist natürlich, wenn bei uns Freitagnachmittag ist, ist es  bei denen Freitag früh. Das heißt, da ist auch nicht irgendwie das Verständnis, dass das jetzt vielleicht ein bisschen knapp ist, übers Wochenende einzuplanen, dass man da jetzt was Größeres machen soll und nicht das, dass man keine Bereitschaft dafür hätte. Aber man hätte es vielleicht auch gerne schon ein, zwei Tage früher gewusst.

Freie Tage müssen kein Dauerthema zwischen Deutschen und Amerikanern sein

Christian Kastner: [00:16:47] Ja, das ist eben auch ein ganz anderes Zeitverständnis. Also auch wenn es in Richtung Urlaub geht, dass man zwei Wochen oder drei Wochen am Stück Urlaub nimmt, das ist für einen Amerikaner eher undenkbar. Die denken da dann eher an Tage. Ich nehme mal über einen Feiertag, noch mal einen Tag hinten, ein Tag vorne und das ist dann mein Jahresurlaub. Also ein ganz anderes Verständnis von Freizeit, Arbeit in der Freizeit und dann auch, wie schnell kann man auch irgendwas bewegen.

Judith Geiß: [00:17:09] Ja, also da definitiv auch dieses, was uns oft begegnet ist: Wie Du gehst schon wieder in Urlaub? Weil wir einfach mehr Urlaubstage an sich haben. Das andere ist aber, was ich gern als Beispiel anführe: Grad neben dem Urlaub haben wir ja auch immer die Feiertags-Diskussion, gerade mit unseren in Anführungsstrichen vielen Feiertagen. Aber wer weiß, wenn er mit Amerikanern arbeitet, der 4. Juli und Thanksgiving, das ist heilig. Und da stellen sich natürlich viele die Frage, warum ist unser erster Mai nicht heilig oder unser 3. Oktober? Um es jetzt mal in vergleichbaren Feiertagen zu fassen. Und das ist dann auch dieses Unverständnis. Und dann sage ich ganz oft: “Okay, also ihr möchtet Verständnis für die Feiertage haben, das ist mir klar. Aber habt ihr denn überhaupt mal gesagt, wann die Feiertage sind? Habt ihr denn im Vorfeld gesagt, da sind die Feiertage, wir brauchen da eine andere Lösung?” – “Ja, nee, das haben wir nicht. Das müssen die doch wissen. Die müssen sich doch mit uns und unseren Kulturen und unseren Feiertagen beschäftigen.” Und da die klare Ansage: wenn du willst, dass der andere Rücksicht nimmt, dann musst du eben schon sagen, auf was er Rücksicht nehmen muss.

Gute Kommunikation bedeutet Erwartungsmanagement

Christian Kastner: [00:18:08] In deinem Buch hast du auch noch mal ein zweites, wo ich finde, sehr gutes Tool gemacht, wo es um Kommunikation geht, weil wir haben jetzt ja die letzten paar Minuten darüber geredet, dass ganz viel eher unterschwellig da ist, aber vielleicht nicht angesprochen wird von beiden Seiten. Du hast das so ein Rad gemacht, neun Bausteine zur Kommunikation. Kannst du da noch ein paar Takte dazu sagen?

Judith Geiß: [00:18:30] Im Endeffekt, so banal es wieder klingt, es geht vieles, was in der Übernahme schief gehen kann, auf nicht oder nicht richtige Kommunikation zurück. Wenn man zum Beispiel eine Bestandsaufnahme macht oder andersherum, wenn man zum Beispiel gefragt wird, wie sind denn eure Prozesse? Dann wird jetzt gedacht, oh Gott, jetzt müssen wir so viel, ein großes Projekt machen. Aber keiner kommt auf die Idee, mal zu gucken, was haben wir denn? Wir haben eine ISO Zertifizierung. Das könnten wir als Anhaltspunkt nehmen. Und dann, sorry, kommt die deutsche Gründlichkeit. Ja, aber das ist vielleicht nicht ganz das, was die wollen. Ja, ist es vielleicht nicht, aber es ist ein Startpunkt.

Und da kommen wir noch mal auf einen Unterschied raus, nämlich das, was für uns ein Startpunkt ist und vielleicht noch nicht präsentabel ist, ist vielleicht für den anderen schon mal gut genug, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Also muss ich mich da mehr drum kümmern. Und so gibt es in diesen neun Bausteinen viele Dinge, die man dann in der Abstimmung einfach hat.

Oder zum Beispiel das Thema Human Resources. Weiß meine deutsche Personalabteilung, dass das Recruiting für einen amerikanischen Konzern anders ist als für einen deutschen? Das für einen Amerikaner eine Bewerbung sein muss wie ein Verkaufsprospekt? Und bei uns muss er lückenlos sein im Vergleich. Und da kommt es natürlich auch da wieder, die deutsche Personalabteilung tut, was sie kann und immer getan hat. Aber der Amerikaner ist unzufrieden, weil er sagt, was bekomme ich denn hier? Ich brauche eine Vorauswahl. Ich brauch Leute, die das Unternehmen vielleicht auch mitgestalten wollen. Und das will ich in den Unterlagen sehen.

Christian Kastner: [00:19:58] Ja, das sind einfach dann solche unterschiedlichen Erwartungen da, die da die verschiedenen Abteilungen voneinander haben.

Judith Geiß: [00:20:04] Definitiv. Also gutes Erwartungsmanagement, gerade in der Zeit unabdingbar.

Englischkenntnisse werden regelmäßig unterbewertet

Christian Kastner: [00:20:09] Am Schluss von unserer Sendung habe ich noch ein paar Fragen und zwar, einmal ist es ja so, wenn jetzt jemand in der Situation ist, wo die Firma übernommen wird und eigentlich noch nie so Interaktion mit Leuten aus dem Ausland hatte, vielleicht das Englisch auch schlecht ist, du sprichst das ja auch an einem Buch ab. So eine deutsche Person, was kann die machen, um eine gewisse Wohlfühlatmosphäre in dem Gespräch zu schaffen, wo sich der Amerikaner auch angenommen und verstanden fühlt?

Judith Geiß: [00:20:34] Ja, das eine, gerade wenn du die Sprache ansprichst, ist es eigentlich ja das meist Unterschätzte, aber doch das Wichtigste, damit das gelingen kann. Das heißt, ich empfehle meinen Kunden da auch entsprechend Englisch-Kurse, Trainings anzubieten, um da eine Hilfe zu geben und das selbe auch im interkulturellen Bereich.

Ich habe für mich immer eine Leiterin Buchhaltung im Kopf, die ich in meiner Karriere quasi kennengelernt habe, die nach 30 Jahren das Unternehmen verlassen musste, weil sie kein Englisch sprach. Aber viel wichtiger war, was davor passiert ist. Nämlich sie hat den Azubi mitbekommen, der in den Calls dann übersetzen sollte. Du kannst dir vorstellen und auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, was das mit dieser Person gemacht hat. 30 Jahre im Unternehmen quasi groß geworden und muss sich quasi in der Situation mit einem Azubi nähern und muss trotzdem natürlich auch stark bleiben.

Und das war für mich so nachhaltig, wo ich immer denke, Leute, wirklich so ein Englisch-Training, das ist das leichteste, was es gibt. Es gibt Trainer, die können das, die können wirklich in schnellster Zeit Leute zumindest auf einem gewissen Maße auch fit machen, dass man dann zwar vielleicht einleitet, ich bin nicht so sicher in der englischen Kommunikation, aber seht es mir nach. Ja, und dass man dann natürlich auf der Seite der Amerikaner sieht, die will wirklich.

Und gerade die interkulturellen Themen, da gibt es viele Angebote. Wir bieten das natürlich auch an, aber wirklich zu sagen, es gibt so viele Unterstützungen, Hilfsmöglichkeiten. Sucht die, findet die. Auf der anderen Seite, was du ansprichst, ich erfahre ganz oft, dass die Mitarbeiter davon ausgehen, das Unternehmen hat dafür zu sorgen, dass wir … Und da gerne auch Eigeninitiative. Also bei mir war es damals so, ich habe den Bilanzbuchhalter National damals fertig gemacht gehabt und mir war klar, für den internationalen Bereich brauchte ich mehr. Bin ich dann zu meinem Arbeitgeber gegangen? Nein. Ich bin zum selben Anbieter gegangen, habe gesagt, was habt ihr für internationale Themen im Angebot, und habe mich da dann aus eigenem Interesse einfach da auch dann in dem Bereich weitergebildet. Und natürlich war das parallel dazu viel Arbeit. Aber letztendlich, böse Zungen würden sagen: am Ende hat es dir eh nichts genutzt. Aber auf lange Sicht ist das, was wir alle ja als Mitarbeiter haben, nämlich unser Wissen und das, wie wir es entwickeln. Und deshalb lohnt sich da eine Investition in immenser Weise.

Eigeninitiative zählt – und wird von Amerikanern erwartet

Christian Kastner: [00:22:51] Du sprichst einen ganz großen kulturellen Unterschied auch an. Wir erwarten ja oft auch, dass die Firma uns was zu tun hat. Also die Firma trägt es an uns. Während die Amerikaner eigentlich schon vom Kindergarten eingebläut bekommen: Eigeninitiative! So der lone ranger reitet alleine in den Sonnenuntergang. Du musst was machen, dass du weiterkommst. Ich denken, das ist ein ganz fundamentaler Unterschied.

Judith Geiß: [00:23:11] Da gebe ich dir recht. Und das ist natürlich dann auch schwer. Der Amerikaner wird nicht verstehen wenn, ich sag jetzt mal übertrieben, da dann jemand jammert: Und die bezahlen mir aber mein Englisch-Training nicht. Der denkt sich dann, ja warum machst du es dann nicht so?

Christian Kastner: [00:23:23] Ja.

Judith Geiß: [00:23:27] Das ist dann halt auch schwierig, bei dem anderen Verständnis so zu bekommen, weil er halt in seiner Weltsicht natürlich ganz anders drauf schaut.

Christian Kastner: [00:23:34] Ja, also um das zusammenzufassen, ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass dann Eigeninitiative immer gern gesehen war. Also nach dem Motto ich habe jetzt vielleicht nur 50 Prozent, aber das ist, was ich dir sofort geben kann und das Wunder, also die restlichen 50 Prozent, die dauern etwas länger, aber ich habe es bis dann und dann auf der Reihe. Und da waren die meisten irgendwie zufrieden damit.

Judith Geiß: [00:23:52] Das ist aber natürlich gerade für uns Deutsche schwierig, mal zuzugeben, dass wir nicht 100 Prozent oder 150 Prozent sind. Und der Amerikaner sagt dann, oh cool, er hat 50 Prozent und wir denken, oh, ich habe nur 50 Prozent.

Und das andere ist, was ganz, ganz wichtig ist für den Amerikaner, dass du den Willen hast, die 100 Prozent zu erreichen. Und wie du das dann erreichst, auch das überlässt er dir. Das heißt, oft erwarten die deutschen Kollegen, dass man sie an die Hand nimmt. Zu einem gewissen Maß wird das auch erfolgen, aber es wird nicht, wir tätscheln dir dabei noch die Hand und reichen dir noch einen warmen Kaffee, sondern da dann wirklich auch diese Initiative, ja, diesen Biss letztendlich, setzen sie schlicht und ergreifend voraus. Und ich kann das gut oder schlecht finden. Auch das ist meine Entscheidung. Aber wenn ich in Anführungsstrichen überleben will, dann bleibt mir nur eins.

Christian Kastner: [00:24:40] Ja, und das ist ja auch was. Wir sind daran gewöhnt, dass die anderen sich anpassen an unsere Kultur. Und es gibt da das schöne Sprichwort: Wer die Musik bezahlt, gibt an, was gespielt wird. Und da muss man sich dann dran gewöhnen, egal ob das jetzt eine amerikanische, eine asiatische Firma ist, wo uns kauft und die Firma die deutsche Firma kauft. Man muss sich dann eben an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Zu viel Druck ist auf keiner Seite förderlich 

Judith Geiß: [00:24:59] Und das andere, was wir immer vergessen, weil wir sehr auf uns und auf unseren Job fixiert sind: auch diese Kollegen, die Integration aus USA begleiten, auch die haben einen Job, auch die haben Sorgen und Ängste, dass das nicht klappt. Das heißt, der Druck auch auf der anderen Seite ist da und wie wir wissen, auf beiden Seiten. Druck führt nicht immer zu den besten Lösungen.

Christian Kastner: [00:25:16] Ja, genau. Und die sind natürlich wesentlich weniger weich gebettet als wir, falls die ihren Job nicht richtig machen können.

Judith Geiß: [00:25:22] Ja, so ist es.

Christian Kastner: [00:25:24] Okay, dann noch eine Frage. Oft ist es ja so, wir leben ja in einer Kultur, wo man sich nicht traut, Fehler zuzugeben. Und was würdest du sagen, wenn zum Beispiel die Amerikaner von dir möchten, dass du ein Projekt machst, und du weißt, ich kann ihnen das Projekt so nicht liefern? Wie würdest du den Leuten empfehlen, dass sie das ansprechen? Also, so sagen, jawohl, ich möchte dir gern helfen, aber ich kann jetzt ohne Rücksprache oder ohne das Okay von irgendjemand anderem das nicht so liefern, wie du das möchtest.

Judith Geiß: [00:25:51] Es ist ganz interessant. Ich hatte heute Morgen ein Interview mit den Moderatorinnen der Fuck Up Nights in Mannheim, wo wir ganz intensiv über das Thema Fehlerkultur gesprochen haben. Das eine ist, es ist vielleicht auch gar kein Fehler, sondern einfach zu sagen: hey, ich will, das ist das Wichtigste, das erstes Signal, ich will. Aber ich weiß vielleicht noch nicht wie und lass uns da vielleicht noch mal näher in den Austausch gehen, damit ich besser verstehen kann, was du jetzt von mir brauchst. Und ich kann dir dann den Einblick geben, was ich auf deutscher Seite noch quasi als, ja, vielleicht Stolpersteine sehe, wo ich einfach auch noch aus dem Weg räumen muss. Und ja, ich werde es aus dem Weg räumen. Ich brauche dazu nicht deine Hilfe, aber dein Verständnis, dass dann die Stolpersteine nicht so sind, dass sie so kritisch sind, sondern dass man einfach darauf aufmerksam macht, um eben Schnellschüsse wie, er setzt sich in den Flieger und steht am nächsten Morgen da, einfach zu vermeiden.

Weil diese Sicherheit und das muss man mal sehen, wir sind ja weit entfernt. Das heißt, diese Sicherheit auf die Entfernung auch dauerhaft aufrechtzuerhalten, das ist einer der größten Herausforderungen im Rahmen einer Integration. Um einfach Schnellschüsse und das auf beiden Seiten, also jeder kennt den Mitarbeiter, der sagt, jetzt reicht’s mir, ich packe mein Zeug und ich gehe. Meistens ist es der, der bis zum Schluss dabei bleibt, weil die, die wirklich gehen wollen, die kommunizieren das so nicht.

Christian Kastner: [00:27:05] Ja, die Lunte bei den Amerikanern ist meistens viel kürzer als bei uns, weil eben die Zeitabschnitte, in denen gedacht wird, viel kürzer sind.

Judith Geiß: [00:27:11] Ja, nach wie vor. Und das andere ist, man muss immer sehen, wenn wir dann ins Bett gehen, ist bei denen mittags, sage ich jetzt mal im übertragenen Sinne. Das heißt, die haben noch viel Zeit zum Denken und Nachdenken und vor allem um auf falsche Schlüsse zu kommen. Und da können sie nicht zurückfragen, und ich kann es nicht richtigstellen und bekomme dann vielleicht morgens eine E-Mail, wo ich denke: Was ist da jetzt eigentlich passiert? Und wenn ich das dann aber retten will, dann muss ich sechs bis neun Stunden warten, um da gegebenenfalls meinem Gesprächspartner wieder das Gefühl zu geben, was ich will. Und da können wir noch lange sprechen. Wirklich, von Missverständnissen, Telefonkonferenzen, die dann einfach, sag ich jetzt mal, zu Sachen geführt haben, wo du dann denkst, oh mein Gott.

Oder wir in Deutschland was ausführen mussten, zum Beispiel eine Inventur, wir hätten eine amerikanische Entscheidung gebraucht. Dann heißt es, ja, du musst die jetzt schnell anrufen. Bei uns ist 9 Uhr, bei denen ist jetzt nachts um drei. Ich kann gerade niemanden anrufen. Das heißt, wir müssen jetzt einen Plan B fahren. Und wenn wir Glück haben, haben wir den richtigen Weg gefahren. Aber wir können jetzt nicht bis heut Mittag gar nichts machen.

Christian Kastner: [00:28:09] Gut, wir könnten sicherlich noch ne Stunde weiterreden. Du hast dieses Buches rausgebracht. Das gibt es natürlich bei Amazon oder im Buchhandel des Vertrauens, des Hörers oder des Zuschauers. Unten in den Shownotes würde ich den Link zu Amazon natürlich rein machen. Und dann bleibt nur zu sagen: vielen Dank für das tolle Gespräch. Herzlichen Dank an alle, die zugeschaut haben und ich wünsche dir einfach, dass es dann ein toller Erfolg wird für dich, zum richtigen Bestseller.

Judith Geiß: [00:28:35] Genau. Mein Erfolg ist der Erfolg der Leser und Leserinnen letztendlich, weil ich hätte mir damals die Übernahme-Formel gewünscht und bin froh, dass ich sie in die Welt gebracht habe. In dem Sinne, danke dir für die Möglichkeit, dass noch mehr Menschen davon erfahren, dass es diese Lösung jetzt gibt. Weil manchmal denkt man, es gibt keine Lösung und sie ist doch näher als man denkt. In dem Sinne, ich sage vielen, vielen Dank an dich, an die Zuschauerinnen und Zuschauer und freue mich, einfach weiter im Austausch mit dir zu sein.

Christian Kastner: [00:29:01] Herzlichen Dank liebe Judith und herzlichen Dank an alle, die zugeschaut haben. Tschüss! Bis zum nächsten Mal.

Judith Geiß: [00:29:08] Meistern Sie jetzt mit der Übernahme-Formel Ihren Arbeitsalltag während der Integration in einen US-amerikanischen Mutterkonzern. Das Buch unterstützt Sie mit einem klaren System, vielen Praxisbeispielen und Tipps. Mehr dazu unter www.thebridge-online.com/uebernahme-formel. Den Link dazu finden Sie natürlich auch in den Shownotes.

 

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