Judith Geiß war zu Gast bei Antenne Mainz und es wartet ein äußerst spannendes Gespräch auf Sie! Frau Geiß berichtet über ihren Werdegang und natürlich die zahlreichen Herausforderungen, die nach einer US-amerikanischen Übernahme auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zukommen.

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Nur kurz vorab, Sie lesen lieber anstatt zu hören? Dann finden Sie unter den Playern das Transkript zum Interview.

Seien Sie gespannt – hier startet die Serie mit Teil 1.

In Teil 2 der Interview Serie mit Volker Pietzsch von Antenne Mainz spricht Judith Geiß unter anderem über ihre schulische Laufbahn und ihre ursprünglichen Ziele.

In diesem 3. Teil der Interview Reihe spricht Judith Geiß über die Zeit nach der Schule, ihre weiteren Pläne und ihre ersten, beruflichen Erfahrungen.

In Teil 4 erzählt Judith Geiß von ihrer Erfahrung, aus der scheinbar sicheren Welt der öffentlichen Wirtschaft in internationale Gefilde zu wechseln und damit gleichzeitig ihre erste Übernahme-Erfahrung zu machen.

Hier geht es weiter mit Teil 5 der Interview Reihe mit Volker Pietzsch von Antenne Mainz, wo Judith Geiß darüber spricht, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Stelle abgebaut wird und wie sie damit umgegangen ist.

In Teil 6 der Interview Reihe spricht Judith Geiß über ihr Buch „Die Übernahme-Formel“ und wie sie überhaupt dazu gekommen ist, über das Thema US-amerikanische Übernahmen ein Buch zu schreiben.

Hier geht es weiter mit dem 7. und damit letzten Teil der Interview Reihe mit Volker Pietzsch von Antenne Mainz. In dieser Episode spricht Judith Geiß über die kulturellen Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen und wo und warum sie dabei viele Vorteile und Chancen sieht.


Transkript der Podcast-Folge:

Volker Pietzsch: [00:00:00] Antenne Mainz. Mein heutiger Gast ist weiblich.

Volker Pietzsch: [00:00:02] Name? 

Judith Geiß: [00:00:03] Judith Geiß.

Volker Pietzsch: [00:00:04] Alter?

Judith Geiß: [00:00:04] 42.

Volker Pietzsch: [00:00:06] Beruf?

Judith Geiß: [00:00:07] Ich bin selbstständige Unternehmensberaterin.

Volker Pietzsch: [00:00:09] Geburtsort? 

Judith Geiß: [00:00:10] Heidelberg.

Volker Pietzsch: [00:00:11] Haben Sie Hobbies? Und wenn ja, welche?

Judith Geiß: [00:00:13] Ja, ich habe Hobbys. Am liebsten lese ich oder verbringe Zeit mit meinen Freunden oder mit meinem Patenkind.

Volker Pietzsch: [00:00:19] Gibt es so etwas wie ein Lebensmotto? Es muss jetzt kein Spruch sein, sondern es kann einfach eine Einstellung sein, wie Sie Sachen anpacken, wie Sie zu den Dingen stehen.

Judith Geiß: [00:00:26] Spontan fällt mir jetzt keins ein.

Volker Pietzsch: [00:00:29] Muss man auch nicht haben. Auch das passiert an dieser Stelle. Und ich finde es auch in Ordnung, weil ich hätte auch keins, muss ich ganz ehrlich zugeben.

Judith Geiß: [00:00:36] Sonst klingt es immer so abgegriffen bei diesen Lebensmottos finde ich immer.

Volker Pietzsch: [00:00:39] Die Menschen, die mit Ihnen zusammenarbeiten. Was meinen Sie? Was sagen die über Sie?

Judith Geiß: [00:00:43] Sie sagen über mich, dass ich ja irgendwie sehr viel Energie habe, dass sie gar nicht wissen, wie ich manche Dinge gleichzeitig mache. Und das andere ist, dass ich sie motiviere, mir zu folgen, um dabei dann sozusagen einfach sich selbst weiterzuentwickeln. Also ich mache es Menschen leicht, an meinem Beispiel sich selbst auch weiterzuentwickeln.

Volker Pietzsch: [00:01:02] Sie sind in einer wunderschönen Stadt geboren, in Heidelberg. Sind Sie dort auch aufgewachsen?

Judith Geiß: [00:01:05] In der Nähe von Heidelberg, in Walldorf, vielen bekannt durch SAP.

Volker Pietzsch: [00:01:09] Das ist eher so kleinstädtisch, oder?

Judith Geiß: [00:01:11] Damals schon noch.

Volker Pietzsch: [00:01:12] Haben Sie dort die ganze Zeit, Kindheit und alles verbracht?

Judith Geiß: [00:01:15] Genau, die Kindheit bis zum Studium. Dann ging es nach Mannheim und dann hatte ich einen kurzen Ausflug nach Villingen-Schwenningen, dann bin ich wieder zurückgekommen, wie es immer so schön heißt. Die Heimat schätzt man am meisten, wenn man mal weg war. Nicht, dass es weit weg war, aber es war doch einschneidend. Und dann ging es nach Südhessen, erst nach Lampertheim und jetzt in Viernheim.

Volker Pietzsch: [00:01:34] So, ich mag aber noch mal zurückgehen. In Walldorf waren halt Jugend und Kindheit, das heißt, auch Schulzeit und alles hat dort statt gefunden.

Judith Geiß: [00:01:40] Genau. Also bis zum Wirtschaftsgymnasium. Das war in Heidelberg, genau. Wirtschaftsgymnasium.

Volker Pietzsch: [00:01:44] Oh, Wirtschaftsgymnasium. Da haben wir schon gleich den Weg, wo es hingeht. Das ist eine Frage, die stelle ich all meinen Gästen: waren Sie eine gute Schülerin?

Judith Geiß: [00:01:50] Ja.

Volker Pietzsch: [00:01:50] Schön. Auch das ist ein bisschen klassisch. Das ist eher so eine weibliche Antwort. Das heißt, Ihnen fiel das Lernen leicht?

Judith Geiß: [00:01:56] Nein. Für mich war es einfach immer im Fokus, was ich erreichen wollte. Und dazu war mir relativ früh klar, dass es gute Schulnoten braucht, um dorthin zu kommen.

Volker Pietzsch: [00:02:07] Oh, das ist aber schon sehr sachlich und klar.

Judith Geiß: [00:02:09] Das war definitiv so, einfach aufgrund der Kindheit. Also ich wusste, dass ich ein anderes Leben führen will, als meine Eltern geführt haben und dazu braucht man einfach Bildung. Das ist nach wie vor meine Überzeugung.

Volker Pietzsch: [00:02:20] Darf ich fragen, aus welchem Haushalt Sie kamen?

Judith Geiß: [00:02:22] Also ich würde sagen ein klassischer Arbeiter-Haushalt, also klassisch Arbeiterkind und damit halt auch gesehen was damit einhergeht, wenn zum Beispiel nur ein Verdiener da ist, wenn dieser Hauptverdiener dann auch gegebenenfalls mal wegen Jobwechsel oder ähnliches ausfällt. Ja, meine Mutter war eine klassische Hausfrau und Mutter, hat nebenbei natürlich auch gearbeitet, aber es war halt, ich habe an diesem Lebensmodell gesehen, dass es einfach nicht meins ist. Ich wollte mich selbst entwickeln, wollte weiter vorangehen, wollte Dinge bewegen und habe einfach gesehen, dass es dazu Bildung braucht. Oder das war meine Idee als Kind, dass es Bildung dazu braucht. Und da haben meine Eltern mich auch unterstützt, dann wirklich nach der Realschule dann weiter zu gehen aufs Wirtschaftsgymnasium und letztendlich dann ein duales Studium in Mannheim zu machen.

Volker Pietzsch: [00:03:08] Wow, was für ein Weitblick! Dieses gesellschaftliche Problem ist ja heute immer noch da. Das heißt, tatsächlich ist es so, dass dieses Schulsystem von Kindern aus Akademiker Haushalten hervorragend genommen wird und immer, sobald das nicht der Fall ist, es Probleme gibt. Da gibt es immer noch diese gläserne Decke, die da da ist und das ist verrückt und dann Respekt, wenn man das in jungen Jahren erkennt und dann es tatsächlich umsetzt.

Judith Geiß: [00:03:31] Vielleicht war es auch aus diesen Kinderaugen gesprochen, im ersten Sinne naiv, weil das war einfach meine Lösung, die ich mir überlegt hatte, wenn ich das jetzt heute schaue, gerade aufgrund der aktuellen Situation mit Homeschooling und so weiter. Ganz ehrlich, unter uns, ich wäre einfach, wie jetzt viele, durchs Raster gefallen, weil meine Mutter oder meine Eltern mich da nicht hätten unterstützen können.

Volker Pietzsch: [00:03:51] Ja, also das ist tatsächlich so. Wir hatten das auch zu Hause und insbesondere meine Frau konnte da sehr viel auffangen. Aber wenn man Kinder dann mit irgendwelchen Aufgaben alleine lässt und das ist passiert, das ist eine Katastrophe.

Judith Geiß: [00:04:02] Also ich habe sogar gestern mit meinem Mann drüber gesprochen, dass ich nicht studiert hätte, wenn es damals Corona gegeben hätte, weil ich es damals noch nicht gekonnt hätte, mich selbst organisieren oder nicht gewusst hätte, wie ich mir damit selbst dann helfen soll.

Volker Pietzsch: [00:04:16] Und das ist das, wo wir, glaube ich, jetzt auch in der Nachbereitung der letzten zwei Jahre draufschauen müssen und es so gut als möglich versuchen auszugleichen mit allen Mitteln, die wir haben, also mit der gleichen Energie, die wir jetzt dort reingesteckt haben, Corona zu bekämpfen. Mit den gleichen finanziellen Mitteln müssten wir auch diese Schäden bekämpfen. Das ist noch nicht mal mehr bekämpfen, aufholen müssen wir das. Bekämpfen ist da in dem Sinne ein blödes Wort.

Judith Geiß: [00:04:38] Genau. Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel und das wird nicht besser werden dadurch. Also ich kenne sehr viele, die ein Studium angefangen haben, abgebrochen haben, die dann zwar andere Dinge jetzt tun, aber letztendlich, Corona hat halt viel damit gebracht. Auch wenn man jetzt mal Branchen sieht wie Gastronomie, Hotellerie, da wird der Nachwuchs in Zukunft fehlen. Warum sollte jemand in den Bereich gehen, wenn er so anfällig ist?

Volker Pietzsch: [00:05:00] Ja, ich kenne viele Menschen aus der Event Branche, die haben ganz viele Mitarbeiter, die handwerklich geschickt waren verloren, weil die haben festgestellt, es gibt auch einen Arbeitsmarkt, wo man von 09:00 bis 17:00 Uhr arbeiten kann und nicht um 22:30 auf ner Traverse rum krabbeln muss. Und auch solche Dinge passieren. Und das heißt, jetzt müssen wir wieder Menschen dafür begeistern, diesen Job zu machen, damit wir tolle Erlebnisse haben.

Judith Geiß: [00:05:25] So ist es.

Volker Pietzsch: [00:05:27] War die Wirtschaftsschule für Sie noch einmal so eine Veränderung, was das Schulsystem betrifft? So war es bei mir. Ich war auch am Schluss auf einer Wirtschaftsschule und da fiel mir das witzigerweise alles viel leichter.

Judith Geiß: [00:05:39] Es war bei mir nicht der Fall. Also für mich war es erst mal so, dass nach der Realschule für mich nicht Schluss sein sollte. Das war mir relativ früh klar. Da gab es damals noch die Grundschul-Empfehlung und die war auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Und Gymnasium wäre damals zu dem Zeitpunkt nicht das Richtige für mich gewesen. Also lieber eine gute Realschülerin als schlecht auf dem Gymnasium.

Volker Pietzsch: [00:06:01] Wir haben dann witzigerweise ein parallelen Weg. Also ich komme auch aus der Realschule und dann war es, ich bin ein bisschen älter und dann war es dann damals üblich, dass man eine Banklehre machte. Das war so, habe ich aber für mich auch ausgeschlossen.

Judith Geiß: [00:06:12] Genau. Bei uns war es dann Industriekaufmann oder ähnliches. Banken waren da nicht mehr so hipp. Da ging es schon in die Richtung, dass es nicht mehr so hipp war. Und für mich war es dann: auf welche weiterführende Schule gehe ich dann? Und dann gab es das technische Gymnasium, ernährungswissenschaftliches Gymnasium… Und ich sage immer: Wirtschaftsgymnasium war für mich das kleinste Übel, um meinen Weg zu erreichen. Weil, ganz eigentlich wollte ich was mit Sprachen machen und zwar in dem Bereich Dolmetschen in Englisch. Ich hatte damals schon Französisch, hatte dann auf dem Wirtschaftsgymnasium noch Russisch genommen und das war eigentlich mein Ziel, bis ich meine Englischlehrerin traf auf dem Wirtschaftsgymnasium, die mir, nennen wir es ein wenig, die Illusion nahm und ich mir dann überlegt habe, okay, will ich das? Und gerade heute betrachtet, wenn man diesen ganzen Übersetzungs-Dolmetscher Markt anschaut, der ist rein wirtschaftlich nicht die beste Entscheidung gewesen, diesen Weg dann weiterzugehen.

Volker Pietzsch: [00:07:03] Russisch wäre jetzt blöd. Da sind die Möglichkeiten ein bisschen eingeschränkt worden, jetzt erst mal.

Judith Geiß: [00:07:07] Definitiv. Aber es gab Zeiten, da war genau das Gegenteil der Fall. Und das ist halt einfach auch Wirtschaft. Was heute vielleicht hochgelobt wird, oder hoch im Thema ist, ist es morgen nicht mehr und da gibt es verschiedene Gründe dafür. Also ich werde auch immer wieder gefragt, ja, die Amerikaner, warum hast du dich darauf so spezialisiert oder ähnliches? Warum nicht auf die Chinesen? Weil’s einfach so ist. Es lag einfach nahe vom Weg.

Volker Pietzsch: [00:07:29] Naja, und man trifft ja manchmal auch eine Entscheidung ohne die Folgen in jedem Detail. Und ich glaube, es wird auch immer schwieriger in unserer komplexen Welt. Sagen Sie mir mal, was hat Ihnen denn die Englischlehrerin mit auf den Weg gegeben?

Judith Geiß: [00:07:39] Also sehr deutlich hat sie gesagt, dass ich meinen Berufswunsch dringend überdenken sollte, weil ich einfach gemerkt habe und da kommen wir zum Ursprung zurück, diese Stufe – von Realschule auf Wirtschaftsgymnasium – hat rein was Englisch angeht, eine Differenz von was weiß ich was, 20.000 – 30.000 Worte, ob man auf dem Gymnasium war oder auf der Realschule. Und diese Gap, heute habe ich sie sicherlich mehr als überwunden, aber damals war die nicht zu überwinden.

Volker Pietzsch: [00:08:03] So eine nüchterne Einschätzung. Manchmal ist es ganz gut, wenn man Dinge gar nicht kennt.

Judith Geiß: [00:08:07] Das stimmt. Und es hätte ja zwei Antworten drauf gegeben. Jetzt erst recht. Ihr zeige ich’s. Oder einfach zu sagen, okay, was will sie mir damit sagen? Und dann bin ich zu meiner alten Lehrerin von der Realschule, mit der ich noch guten Kontakt hatte. Und sie hat halt, nenne ich es jetzt mal, nicht die Einschätzung geteilt, aber sie hat mir geholfen, darüber nachzudenken, wie es denn dann in Zukunft aussehen soll. Und sie war dann eher die, die gesagt hat, ja, das bedeutet für dich Dolmetschen, je nachdem. Damals dachte man ja nicht, dass man das online oder so alles machen kann, du bist viel in der Welt unterwegs ist, es ist nicht der best bezahlteste Job nach dem Studium, dann weißt du nicht, wie es weitergeht. Übersetzer gibt es genug. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Und heute wissen wir, wer was schnell übersetzen muss, nutzt Google Translate, Leo oder wie sie alle heißen. Das heißt, letztendlich, hat mir die Antwort gefallen? Nein. Hat sie mir geholfen? Definitiv. Weil jetzt arbeite ich ja viel auch mit Übersetzerinnen oder Englisch-Trainerinnen oder was auch immer zusammen. Und da merke ich, ich wollte nicht tauschen. Also eine gute Entscheidung, aber damals war das natürlich nicht so.

Volker Pietzsch: [00:09:05] Also ich bewundere heute, wenn ich so junge Menschen sehe, die strotzen sehr oft vor Selbstwert und Selbstbewusstsein. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hatte das in dieser Zeit so mit 18, 20 überhaupt nicht. Und das heißt, ich hätte genauso reagiert. Hätte mir das jemand ausgeredet, dann hätte ich mich nach was anderem umgeschaut. Irgendwann ist es gekippt und wenn jemand gesagt hat, das geht nicht, dann habe ich gesagt, das gucke ich mir erst mal genau an. Alles zu seiner Zeit.

Judith Geiß: [00:09:27] Also es gab auch Situationen, wo es natürlich dann auch den Trotz hervorgerufen hätte, auch das hatte ich damals. Die andere Sache ist, mein Ziel war ja, ein anderes Leben zu führen. Und letztendlich hat man mir gesagt, also in meinem damaligen Verständnis, ich würde ein anderes Leben führen, aber vielleicht wirtschaftlich nicht wirklich sehr viel besser.

Volker Pietzsch: [00:09:46] Und insofern, es war ja ein großes Ziel und gar nicht so im Detail auf den Beruf fixiert. Insofern passt es natürlich auch, dass man dann auf so was hört, weil es passt natürlich in die Agenda, die man vorhat.

Judith Geiß: [00:09:56] Das Andere war natürlich, auf dem Wirtschaftsgymnasium hatte ich dann folgendes Erlebnis: mir ist dieses komische Rechnungswesen leicht gefallen. Also ich war relativ schnell diejenige, die wirklich diese Logik verstanden hat. Irgendwie war mir die leicht zugängig.


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Volker Pietzsch: [00:10:12] Jetzt haben Sie das einzige Fach erwischt, in dem ich mich schwergetan habe. Aber das Schöne ist, man hat hinten gesehen, ob man richtig war oder nicht, und konnte dann noch ganz schnell sagen, okay, da muss ich noch mal gucken.

Judith Geiß: [00:10:21] Genau. Ein anderes Learning ist dabei immer: es heißt ja immer von der Mathematik her, Null ist keine Zahl. Im Rechnungswesen ist das die wichtigste Zahl. Da weiß man, dass man alles richtig gemacht hat.

Volker Pietzsch: [00:10:31] Ja, klar. Und Rechnungswesen hilft tatsächlich auch, ich sag mal, wahrscheinlich haben Sie auch T-Konten machen müssen. Das heißt, dieses T-Konto in dem Sinne begegnet uns ja heute nicht, aber das Verständnis, das dafür da ist, ist natürlich elementar. Also ich bin heute froh, dass ich all diese Dinge verstehe und weiß, was das bedeutet, wenn es auf der oder der Seite steht.

Judith Geiß: [00:10:52] Genau. Bei mir war es damals die VWL, die habe ich nie verstanden. Irgendwelche Modelle, die dann doch nicht eintreffen. Aber irgendjemand sagt mir doch vorher, es wird sich so und so entwickeln. Das war für mich alles so schwammig.

Volker Pietzsch: [00:11:04] Nun, das ist es ja bis heute. 

Judith Geiß: [00:11:05] Genau. Aber es gab da wirklich die Leute, die da bei uns wirklich drauf, nenne ich es jetzt mal, abgefahren sind. Das war deren Welt, irgendwelche Modelle und so weiter. Und ich habe dann immer. gesagt, ja, aber ich weiß doch vorher, dass es nicht stimmt. Warum?

Volker Pietzsch: [00:11:16] Also das ist ein spannendes Feld, weil da habe ich auch immer geschaut. Bis heute ist ja keines dieser theoretischen Modelle in Wirklichkeit eingetroffen und trotzdem wird immer an diesen Modellen festgehalten. Das ist sehr spannend. Leben ist dann doch immer ganz anders. Nach der Schule, das heißt nach dem Abitur, wo ging es hin? Was war der Plan?

Judith Geiß: [00:11:34] Ja, mein Plan war, zu studieren. Das war ja die ganze Zeit der Plan dahinter. Und es musste eine Lösung gefunden werden, wie ich dabei auch noch Geld verdiene.

Volker Pietzsch: [00:11:42] Also selbst finanzieren?

Judith Geiß: [00:11:43] Genau. Aber ich wollte halt. Meine Großeltern hatten selbst Gastronomie. Ich habe mich nicht gesehen, bis abends, keine Ahnung, 22:00 Uhr in der Gastro zu arbeiten oder ähnliches. Das heißt, es musste irgendwie beim Studium mit dabei sein. Und so kam es, dass ich über, ich glaube damals über das Arbeitsamt, die haben damals gesagt, das ist doch gar kein Problem, Sie können studieren und Geld verdienen. Ich sagte, ja, wunderbar, dann möchte ich gern mehr wissen. Und so kam ich auf die Duale Hochschule, heute, damals noch Berufsakademie. Und da gab es dann auch wieder die eine Seite, die von mir gesagt hat, ich würde gerne was Richtung Marketing oder so was machen. Da war aber die Berufsakademie in Villingen Schwenningen, aber für BWL, für Wirtschaft war sie in Mannheim. Also: Walldorf – Mannheim kann ich pendeln. Brauche ich sonst nix. Aber ich kann Geld verdienen. So, und dann habe ich mich natürlich erst mal näher mit dem Ganzen auseinandergesetzt, habe dann gemerkt, okay, da gibt es Arbeitgeber, die stellen dich dann ein, es ist quasi wie eine Ausbildung und du kannst dann im Wechsel, im dreimonatigen Wechsel kannst du dann studieren und arbeiten, weil Praxis wollte ich auch haben, weil von der Schule hat man dann eh irgendwann mal genug und man will ja auch was machen. Ja und so kam ich dann zur Stadt Heidelberg, weil meine Idee war, Stadt Heidelberg ist ja super, weil die haben ja ganz viele Firmen und Beteiligungen und da habe ich ja die Möglichkeit, vieles zu sehen, also nicht nur eins zu sehen. Und so kam es dann zum dualen Studiengang „Öffentliche Wirtschaft“ in Mannheim.

Volker Pietzsch: [00:13:01] Wobei ich überlege jetzt, ist öffentliche Wirtschaft letztendlich zu vergleichen mit Privatwirtschaft?

Judith Geiß: [00:13:07] Nein. 

Volker Pietzsch: [00:13:07] Ich habe es befürchtet. Das heißt, das war dann doch doch sehr speziell, dieser Einblick?

Judith Geiß: [00:13:11] Er war speziell. Vor allem, ich habe in der Probezeit gemerkt, dass ich einem Irrglauben aufgesessen bin.

Volker Pietzsch: [00:13:16] Und das war welcher?

Judith Geiß: [00:13:19] Dass ich genau diese Einblicke bekomme. Das Problem war aber, sage ich jetzt mal, dass wir kulturell nicht so gut zusammengepasst haben. Also ich kam dann auf so Ideen, ja, wir haben ja auch Partnerstädte. Ich würde gern nach Cambridge fahren und dort eine Praxis-Phase machen, weil ich wusste von meiner ersten Ausbilderin dort, die auch noch Dozentin an der BA war, dass sie das damals gemacht hat. Und dann kam ich und dann hieß es erst mal: nein, haben wir noch nie gemacht. Und dann meinte ich: dann wäre es ja Zeit. Das macht ja Sinn, warum denn nicht? Also dafür hat man doch Partnerstädte. Ja, letztendlich war ich dann auch während der Zeit in Cambridge für vier Wochen. Zumindest hatte man mir es dann erlaubt.

Volker Pietzsch: [00:13:54] Also durchgesetzt.

Judith Geiß: [00:13:55] Ja, durchgesetzt. Aber letztendlich war es kulturell kein Fit. Das heißt, ich war dann zwei Praxis-Phasen im Tiergarten in Heidelberg, was an sich sehr interessant war, weil jedes Mal, wenn ich heute wieder hingehe, weiß ich, wie es hinter den Kulissen aussieht. Dann war ich bei der Stadtbücherei. Also begonnen habe ich damals beim Amt für Abfallwirtschaft. Dann war ich irgendwann mal in der Zentrale, richtig im Rathaus drin, da wo das Herz schlägt, Personal- und Organisationsamt. Also heute muss ich darüber auch schmunzeln. Und dann aber war es so, dass mein Studium ja irgendwann vorbei war und da habe ich gesagt, na ja, ich möchte jetzt mal ein richtiges Unternehmen in Anführungsstrichen haben. Und dann bin ich zu den Stadtwerken, meinem dann späteren Arbeitgeber.

Volker Pietzsch: [00:14:34] Aber Stadtwerke, ich glaube, das ist der Bereich, wo es dann tatsächlich so ein bisschen wirtschaftsorientierter wird, weil da entstehen Kosten, da sind Einnahmen und da wird, glaube ich, anders gearbeitet als in wirklich sehr stadtnahen Gesellschaften.

Judith Geiß: [00:14:47] Genau. Beim Tiergarten war natürlich das Thema, es sollte schön sein, aber durfte nichts kosten. Bedeutet, die haben damals sehr viel gebaut. Das heißt, ich habe dieses Bau-Controlling aufgebaut, um erst mal überhaupt zu verfolgen, was kaufen wir ein und was wird letztendlich in Rechnung gestellt? Und ja, bei den Stadtwerken war es dann so, es war auch eine sehr spannende Zeit, weil da letztendlich das Thema Liberalisierung des Energiemarktes aufkam, also Trennung von Netz und Vertrieb. Also auch wieder was, wo ich irgendwie schalten und walten konnte und letztendlich dann dazu geführt hat, dass ich diejenige im Bereich Betriebswirtschaft und Controlling war, die dann die Netznutzungs-Entgelte für Strom und Gas ermittelt hat. Und dann war es wirklich Wirtschaft, aber dummerweise national. Und das war dann der nächste Dorn in meinem Auge, sozusagen, dass ich gesagt habe, nein, dann kommen wir wieder zu Sprachen. Warum habe ich denn so viele Sprachen gelernt, wenn ich sie jetzt nicht benutze?

Volker Pietzsch: [00:15:38] Mir fällt gerade ein, ich bin sehr dankbar. Ich musste ein Schulpraktikum machen und bin dort damals auch bei der Stadtverwaltung in Mainz in irgend so einer Abteilung gelandet. Und das war so schlimm, dass ich alles, was mit öffentlichem Dienst oder sonst was zu tun hatte, kategorisch ab diesem Zeitpunkt für mich ausgeschlossen habe. Insofern, da kommen gerade so Erinnerungen hoch, wenn ich so manche Sachen höre, aber auf der anderen Seite ist es eine Erfahrung und ich glaube, sie ist im Weg nachher auch wertvoll. Ich finde jede Station, wo man sagt, ups, das ist nichts, was ich mein ganzes Leben lang machen möchte, ist eine wertvolle Station.

Judith Geiß: [00:16:10] Definitiv. Erinnert mich an mein Schüler-Praktikum. Das habe ich damals im Holiday Inn gemacht und ich hatte das Glück, muss man wirklich sagen, die haben mich richtig eingesetzt. Also ich durfte dann in den 14 Tagen früh, spät, alles Mögliche arbeiten, in allen möglichen Bereichen. Und deshalb hatte ich dann ja während dem Studium kategorisch ausgeschlossen, dass ich in so einem Bereich nebenbei arbeiten will, neben dem Studium.

Volker Pietzsch: [00:16:30] Ja, das ist richtig, richtig harte Arbeit. Ich bewundere die Menschen, die das machen und die ihren Job da lieben. Und sie machen uns hier, wenn wir in so ein Hotel gehen oder sonst was, sie machen uns einen tollen Abend, eine tolle Nacht und das ist so zu bewundern, weil da steckt so viel Arbeit dahinter.

Judith Geiß: [00:16:44] Also definitiv.

Volker Pietzsch: [00:16:48] Wie lange ging es im öffentlichen Bereich?

Judith Geiß: [00:16:51] Also ich bin dann erst mal intern abgeworben worden vom Projekt-Controlling, dann eben zu dem Thema Netznutzungs-Entgelte und habe dann nebenbei was angefangen, nämlich ich habe den Bilanz-Buchhalter IHK gemacht. Da schmunzeln diejenigen sicherlich, die jetzt zuhören, die auch mal dachten, das macht man so nebenbei. Ich habe das damals im Schnellverfahren gemacht. Also es gab von der Steuer Fachschule Endres die Möglichkeit, anstatt drei Jahre bei der IHK, ein Jahr bei ihnen und das mit Einsatz von Samstagen. Das heißt, damals, wann habe ich da angefangen, mit 23,24 den Bilanz-Buchhalter zu machen. Da gab es eigentlich ganz viele, die gesagt haben, also ich kann mit meinen Samstagen was anderes anfangen. Oder besser gesagt, die Freitagabende kann ich anders verbringen.

Volker Pietzsch: [00:17:31] Also Menschen, die dann so irgendwann sagen, sie holen den Schulabschluss in der Abendschule nach, ich habe da so hohen Respekt davor, weil das ist wirklich so ein heftiger Einsatz, also deswegen Respekt. Warum haben Sie das gemacht? War das schon so das Gefühl, ich muss hier irgendetwas Selbstständiges machen? War das schon?

Judith Geiß: [00:17:50] Also die Selbstständigkeit war definitiv, zumindest dachte ich das, also meine Wahrnehmung war, die Selbstständigkeit ist ganz, ganz weit weg. Wie gesagt, meine Großeltern hatten Gastronomie. Ich wusste, wie es ist 24/7 zu arbeiten. So habe ich es bei meinen Großeltern gesehen. Deshalb war das gar nicht mein Ziel. Fragt man mein Umfeld, hört sich das anders an.

Volker Pietzsch: [00:18:07] Ja, manchmal sieht das Umfeld mehr.

Judith Geiß: [00:18:10] So ist es.

Volker Pietzsch: [00:18:10] Na ja, weil ich höre ja schon eine enorme Energie. Wenn ich bereit bin, Freizeit neben der Arbeit, neben Dingen noch zu opfern, um etwas dazuzulernen, naja, unbewusst läuft da ja was.

Judith Geiß: [00:18:21] Definitiv. Also es ging dann auch, dass ich relativ schnell festgestellt habe, Buchhaltung ist sehr gut, aber ich möchte, also ich war damals in Betriebswirtschaft und Controlling, nicht klassisch im Rechnungswesen der Stadtwerke, Buchhaltung ist schon gut, aber ich möchte ja nicht irgendwie, nicht despektierlich, aber ich möchte nicht Debitoren/Kreditoren Buchhalterin werden, sondern ich möchte ein Team leiten oder eine Abteilung leiten und zumindest damals ging das eigentlich nicht unter dem Bilanz Buchhalter Titel. Und auch mein Studium hätte mir da nicht geholfen, weil man eben spezifisch eben diesen Titel haben wollte.

Volker Pietzsch: [00:18:53] Okay, dann war das schon so auch strategische Karriereplanung.

Judith Geiß: [00:18:57] Sagt man im Nachhinein immer. Aber damals war es nicht so, es war einfach immer dieses Ziel. Wie komme ich jetzt weiter? Also ich will niemandem zu nahe treten, aber man kann sich vorstellen, im öffentlichen Dienst gehört man jetzt nicht zu den Top Verdienern.

Volker Pietzsch: [00:19:08] Ich glaube, es gibt ja unterschiedliche Menschentypen und ich glaube auch, wenn man nicht der Menschentyp dafür ist, dann wird man auch nicht glücklich in diesem Bereich. Und ich finde, da muss man auch auf sich hören und das ist auch gar nichts Schlimmes. Ich finde, wir haben ja das Schöne, wir haben eine riesengroße Möglichkeit in unserer Gesellschaft und es ist halt schade, wenn man am falschen Platz ist.

Judith Geiß: [00:19:25] Definitiv. Da sehe ich genügend Menschen, gerade in der jetzigen Zeit, in meinen Projekten, bei meinen Kunden, wo ich dann auch sage, Leute, ich wünsche euch und da sind wir wieder, die anderen zu motivieren, selbst auch was zu verändern, dazu braucht es Leute, die das einfach erzählen und selbst gemacht haben. Weil dann kommt natürlich der Punkt, wo man hoffentlich denkt, wenn die es geschafft haben, dann schaffe ich das auch.

Volker Pietzsch: [00:19:46] Ich kann immer nur sagen, wenn man jeden Tag acht Stunden irgendwo hingeht, wo man sich nicht wohlfühlt, dann ist das viel, viel vertane Lebenszeit.

Judith Geiß: [00:19:55] So ist es.

Volker Pietzsch: [00:19:56] Auch, wenn das vielleicht manchmal, wie Sie jetzt sagen, dann wirklich den Kraftakt, ich mach da in einem Jahr, manche dann vielleicht in drei Jahren, irgendetwas nebenbei, um das zu verändern. Auf ein ganzes Leben gesehen ist das ein gutes Investment, auch wenn es anstrengend ist.

Judith Geiß: [00:20:09] Aber auch da wieder hatte ich mich mit den richtigen Menschen ausgetauscht, die mir nämlich genau gesagt haben, die den Bilanz-Buchhalter dann erst mit 35, mit über 40, mit keine Ahnung, knapp 50 gemacht haben. Und alle haben mir gesagt, hätte ich es nur früher gemacht und zwar relativ schnell nach meiner eigentlichen Ausbildung, weil da bist du noch im Lernen drin und bei so Prüfungen ist es halt manchmal so, na ja, es wird halt Theorie abgefragt und du bist dann durch die Praxis, nenne ich jetzt mal so, versaut. Du machst die Dinge einfach, du weißt aber nicht mehr, warum du sie im Zweifel machst. Und wenn dann das Theoretische abgefragt wird, dann ist es einfach unwesentlich schwerer. Und ich muss sagen, ich mache drei Kreuze wirklich für mich. Ich mache viel Weiterbildung nach wie vor. Aber wenn ich mir jetzt vorstellen würde, in meinem jetzigen Alter, was nicht alt ist, aber jeden Samstag dafür ein Jahr irgendwo hinzugehen und die Vorbereitung und so – nein!

Volker Pietzsch: [00:20:57] Ja, aber ich glaube, es ist okay. Also insbesondere, ich glaube, so schätze ich sie ein, Sie haben auch einen anderen Blick auf Dinge und Sie nehmen sehr viel schneller auf heute und sehen auch am Verhalten von anderen, wo man lernen kann, das verändert sich ja auch. Jetzt war der Bilanz-Buchhalter da. Bilanz-Buchhalterin. Das hat dann was bewirkt?

Judith Geiß: [00:21:19] Dass ich gesagt habe, wenn ich jetzt hierbleibe, dann hätte ich es nicht machen brauchen. Also bin ich gegangen. 

Volker Pietzsch: [00:21:23] Okay. Und wohin?

Judith Geiß: [00:21:24] Ich bin zu einem Unternehmen nach Mannheim gegangen. Und da klingt jetzt der nächste Weg schon ein bisschen an, zu einem amerikanischen Konzern. Und ich habe den Vertrag unterschrieben, gekündigt und vier Wochen später, nach der Kündigung, aber noch nicht vor Beginn, weil im öffentlichen Dienst natürlich die Kündigungsfrist schon eingehalten werden musste, hat man mir erzählt: es ist schön, dass Sie kommen, aber wenn Sie kommen, heißen wir nicht mehr so und so, sondern wir heißen jetzt anders.

Volker Pietzsch: [00:21:48] Okay.

 

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Judith Geiß: [00:21:49] Damals hat man noch richtig klassisch angerufen. Und ich weiß noch genau, wie der CFO mich angerufen hat und mir in dem Moment 1000 Gedanken im Kopf herumgegangen sind, aus dieser scheinbaren, sicheren Welt der öffentlichen Wirtschaft in die internationale Welt zu gehen. Und dann wackelte das Ganze schon vor dem Start.

Volker Pietzsch: [00:22:06] Also das ist ein Unternehmen, das quasi von einem amerikanischen Unternehmen gekauft wurde?

Judith Geiß: [00:22:09] Genau.

Volker Pietzsch: [00:22:10] Und das sind Welten.

Judith Geiß: [00:22:11] Genau. Aber es war ein amerikanisches Unternehmen, das von einem anderen amerikanischen Unternehmen gekauft wurde. So herum ist es richtig. Und alle haben gedacht, da verändert sich nichts.

Volker Pietzsch: [00:22:20] Das war ein Fehler.

Judith Geiß: [00:22:21] Ja.

Volker Pietzsch: [00:22:21] Also ich glaube, da muss man so ein bisschen in die Tiefe gehen, also ich hatte mal tatsächlich auch eine Geschäftsbeziehung, da ging es um Musik-Rechte mit einem amerikanischen Unternehmen und es sind Welten. Es hat nichts mit dem zu tun, wie ein deutsches Unternehmen agiert und wie man die Einstellungen hat. Das ist schon sehr kapitalistisch geprägt, was mich erschreckt hat. Aber erzählen Sie mal von Ihren Erfahrungen.

Judith Geiß: [00:22:45] Ja, was bei mir damals noch war, ich kam ja aus der öffentlichen Wirtschaft in die freie Wirtschaft, das war ja schon mal mein Kulturschock, nenne ich es jetzt mal. Und dann erzählte er mir das und ich dachte mir, wieso kauft jemand, also es war für mich, da sind wir wieder bei dem Thema Logik, es war mir nicht logisch begreifbar, dass jemand etwas kauft und nichts ändern soll. Und dann habe ich angefangen dort und erstmal sah es so aus, als würde sich wirklich nichts verändern. Aber was sich verändert hat, war meine Sicht. Ich hatte nämlich toller Weise den Bilanz-Buchhalter national damals oder damals hieß es Bilanz-Buchhalter. Das war aber nur nationale Rechnungslegung. Dann war ich aber beim Amerikaner, wo ich natürlich internationale Rechnungslegung gebraucht habe und ich dachte, war ja jetzt schlau, aber jetzt stehst du da und musst das irgendwie sozusagen hinkriegen. Und dann habe ich nebenbei den Bilanz-Buchhalter international gemacht, damit ich halt meine eigentliche neue Arbeit quasi besser machen kann. Und nach so einem 3/4 Jahr hat sich das amerikanische Unternehmen erinnert, dass sie das andere amerikanische Unternehmen gekauft haben.

Volker Pietzsch: [00:23:45] Da war was.

Judith Geiß: [00:23:46] Also ich muss sagen, das ist ein bisschen ketzerisch, man muss halt so überlegen, wir reden in dem Fall, um es vielleicht mit Namen zu nennen, von einer Firma wie Johnson Controls. Die übernehmen halt nicht nur ein Unternehmen weltweit zu einer Zeit, sondern einfach mehrere. Und dieses 3/4 Jahr muss man sich so vorstellen, dass man sich so ein bisschen, also ich mich durch die Weiterbildung natürlich fachlich gerüstet habe, aber letztendlich das Unternehmen an sich, das gekauft wurde, damals die Jörg Deutschland GmbH, ich weiß nicht, ob sie es nicht verstanden haben, dass es nicht sein kann, dass sich nichts ändert. Aber man hat sich darauf nicht vorbereitet, sondern es war eher die Haltung, oh, da ist es ja so schön ruhig, wir machen jetzt mal nix, dann merkt ja keiner, dass wir da sind.

Volker Pietzsch: [00:24:22] Ich denke mal, die haben natürlich eine strategische Entscheidung getroffen. Ich kaufe jetzt das Unternehmen, weil es passt zu mir. Und dann brauchen die natürlich auch eine gewisse Zeit um zu gucken, wo brauchen wir vielleicht eine Abteilung nicht, weil das haben wir irgendwo schon. Das braucht auch ein paar Monate.

Judith Geiß: [00:24:37] Genau. Und was aber dann das Problem ist, also ich war ja dann im Bereich Buchhaltung, wo ja jeder denkt, ah, nine to five oder so, also dieser klassische Buchhalter, den man sich so vorstellt, der sich so im Kämmerlein einschließt und dann da die Buchungen macht. Und letztendlich war es dann so, dass das Unternehmen dann festgestellt hat, oh, die ganzen Monats-Abschlüsse, die wir jetzt haben, das ist ja gar nicht in unserer Rechnungslegung bzw. schon in der Rechnungslegung, aber nicht in unserem Reporting-Format. Und dann hieß es, ist ja schön, dass ihr jetzt da seid. Wir hätten gerne alles umgestrickt, und zwar die letzten neun Monate.

Volker Pietzsch: [00:25:10] Und sofort!

Judith Geiß: [00:25:10] Und damit brannte die Hütte, sagt man heutzutage, glaube ich. Und vorher war schon nichts mit nine to five, aber dann erst recht nicht mehr. Und so ist uns dann quasi die Übernahme passiert. Und bevor die Frage kommt: das gipfelte letztendlich darin, dass ich irgendwann gegenüber im Hotel saß und auf einem Slide gesehen habe, wer so abgebaut wird und da meine Position gefunden habe.

Volker Pietzsch: [00:25:36] Das ist nicht schön.

Judith Geiß: [00:25:38] Also damals fand ich das auch nicht schön, aber ich hatte ja einen Vorteil. Ich wusste, dass es mich trifft. Alle anderen hatten nicht so eine klare Aussage und zwar ist bei mir schlicht und ergreifend ein Fehler passiert. Man hat nicht bedacht, dass diese Position in Deutschland bei dem Unternehmen nur einmal vorkommt und deshalb wusste ich, dass ich es bin. Bei den anderen stand, dass sie drei Buchhalter oder so abbauen und das kann ja jeder sein. Und im Zweifel bin das ja sowieso nicht ich.

Volker Pietzsch: [00:26:03] Na ja, okay, da sagt man, oh Mist, hier passiert was. Aber vielleicht habe ich Glück.

Judith Geiß: [00:26:06] Genau.

Volker Pietzsch: [00:26:07] Aber auf der anderen Seite, ich finde, Klarheit ist auch im Leben oft hilfreich.

Judith Geiß: [00:26:11] Das war für mich auch so.

Volker Pietzsch: [00:26:11] Was mir gerade noch einfällt zur Zusammenarbeit: es ist ja ein amerikanisches Unternehmen. Und wenn da die Zentrale in den USA sitzt, das heißt, die erwarten auch durchaus, dass man zu den Zeiten, wo in den USA gearbeitet wird, auch erreichbar ist, oder?

Judith Geiß: [00:26:24] Damals war ich nicht in der Funktion, dass ich da so direkt dran war. Ist es heute so aus der Sicht von heute? Es kommt darauf an, wie immer im Leben. Es gibt ganz tolle Erfahrungen aus meinen Projekten, wo es so ist, dass die Amerikaner sich auch angleichen. Also im letzten Projekt war es zum Beispiel so, da ist der CFO in USA morgens um vier aufgestanden, um mit mir in Deutschland einen call zu haben. Und das war für ihn ganz normal, weil er meinte, ich habe mich dafür entschieden, Europa zu betreuen oder diese internationale Rolle zu machen, also gebe ich auch meinen Teil dazu bei.

Volker Pietzsch: [00:26:56] Was eine tolle Geste. Und er ist dann auch in der Position, dass er das natürlich an anderer Stelle auch andersrum durchaus mal einfordern kann, ohne dass es unangenehm für die Beteiligten wirkt. Weil das ist dann ein Nehmen und Geben.

Judith Geiß: [00:27:08] Aber es gibt auch die Fälle, die ich in Projekten hatte, wo dann das ganze Team nachts um zwölf, also wurde mir erzählt, da war ich nicht selbst dabei, nachts um zwölf im call war mit dem CFO, der dann irgendwie gesagt hat, er geht jetzt erst mal Mittagessen und die Kollegen mögen doch bitte warten. Er kommt in eins zwei Stunden wieder. Er meldet sich dann.

Volker Pietzsch: [00:27:25] Echte Wertschätzung.

Judith Geiß: [00:27:27] Definitiv. Oder aber, um es deutlich zu sagen, komplettes Versagen des deutschen CFO, dass er das überhaupt zulässt.

Volker Pietzsch: [00:27:35] Ja, weil das finde ich, wenn ich schon weiß, die bleiben für mich da, dann halte ich das so kurz als möglich. Und dann sag ich mal, eine Stunde später essen ist dann auch nicht das Thema. Wie ist das kulturell, in amerikanischen oder in amerikanisch beherrschten Unternehmen? Ist das eine andere Welt?

Judith Geiß: [00:27:51] Definitiv.

Volker Pietzsch: [00:27:52] Wie unterscheidet sich das? Ist das nüchterner? Ist das etwas härter oder oder wie muss ich das einschätzen?

Judith Geiß: [00:27:58] Also mit Sicherheit, wenn Sie diejenigen fragen, die es gerade getroffen hat: natürlich ist es härter. Aber es ist auch viel klarer, weil es wird nicht, ich sag jetzt mal, nicht lange drum herumgeredet, sondern klar, das ist das, was ich brauche, ich brauche es bis dort und dort. Und dann erwarte ich auch, dass du mir die Sachen dann lieferst, wenn ich sie brauche. Und ich persönlich muss sagen, Klarheit ist für mich persönlich wichtig und gut. Damit konnte ich dann irgendwann auch ganz gut damit umgehen.

Volker Pietzsch: [00:28:25] Es gibt ja so internationale Vergleiche, es gibt ja Länder, da gibt es dann Empfehlungen in Verhandlungen, da redest du erst mal drei Stunden über die Familie, bevor du überhaupt zum Wesentlichen kommst. Jetzt sind die Deutschen ja an sich schon sehr klar und sehr schnell im Geschäftlichen. Ich glaube, die Amerikaner haben auch so ein paar Regeln, wie man das macht. Aber mein Eindruck, immer wenn ich das erlebt habe, ist, dass das schon, wenn es dann geschäftlich ist, sehr, sehr, sehr nüchtern und klar abläuft.

Judith Geiß: [00:28:47] Ja, aber ob die Deutschen wirklich schnell sind? Ich glaube, da könnte man auch mal noch mal ansetzen. Fragt man einen Amerikaner, dann sicherlich nicht. Also nehmen wir mal die E-Mail Kommunikation, die deutsche E-Mail ausgedruckt: zwei, drei Seiten. Die amerikanische Antwort dazu: ein Satz.

Volker Pietzsch: [00:29:03] Ja, das kenne ich. Ich mache das auch manchmal, wenn mir irgendjemand eine Email schreibt, so und so lang, irgendwie eine DIN A4 Seite lang, es beinhaltet aber eigentlich nur eine Frage, dann mache ich mir oft den Spaß, dass ich dann halt einfach ja oder nein antworte. Ja, wie? Was jetzt? Das ist schon spannend. Das ist schon ein kleiner Schock, wenn man sieht, ich werde jetzt hier abgebaut. Was geht dann im Kopf los?

Judith Geiß: [00:29:25] Also für mich war es natürlich ein Schock, aber ich hatte es ja die ganze Zeit erwartet, wenn wir wieder ein paar Minuten zurückgehen. Als ich dorthin gewechselt bin, war ich ja diejenige, die noch gar nicht da war, als es passiert ist. Und ich hatte damals ja schon quasi, oder andersrum, ich war die ganze Zeit auf der Hut. Das heißt, ich war sehr aufmerksam, was so passiert. Und als es dann passiert war, habe ich mir überlegt, okay, was mache ich jetzt? Weil „wird abgebaut“ war nicht sehr konkret, damit konnte ich nicht gut umgehen.

Volker Pietzsch: [00:29:53] Das heißt, da ist kein Zeitrahmen drin.

Judith Geiß: [00:29:55] Es war einfach nur „die Positionen, die bauen wir ab“. Und dann habe ich gedacht, also nee. Also warten, bis irgendwann mal jemand bei mir an der Tür steht und sagt, jetzt ist es so weit. Nee. Und die Personalleiterin war zu dem Zeitpunkt nicht mehr im Unternehmen, sondern ein Interim Manager.

Volker Pietzsch: [00:30:11] Das heißt, da hat man auch schon gemerkt, was passiert.

Judith Geiß: [00:30:13] Ja, natürlich. Sie hatte mich eingestellt. Also ihr wäre es nicht passiert, dass meine Position da stehen würde, weil sie natürlich genau gewusst hätte, dass das eins zu eins dann klar ist. Und dann habe ich mir einen Termin bei dem geben lassen. Und der erste Unterschied war natürlich, der wusste gar nicht, wer ich eigentlich bin. Und dann habe ich gesagt, wunderbar, ich habe das da letzte Woche gesehen. Ich würde gerne über die Modalitäten dazu sprechen, wie man sich das denn vorstellt. Und dann war er etwas überfragt. Erst mal, weil aus der ganzen Liste kein anderer auf ihn zugekommen ist deswegen. Und ja, dann hat er mir gesagt, was er mir anbieten kann und wir haben eine Vereinbarung getroffen,  wie wir das Ganze ja heute würde man sagen, abwickeln.

Volker Pietzsch: [00:30:55] Aber ich glaube, in dem Bereich proaktiv zu werden ist nicht das Schlechteste, weil man geht dann mit etwas raus und wird nicht irgendwann einfach nach Hause geschickt.

Judith Geiß: [00:31:02] Ja, also es ist nicht so, dass ich Kündigungen im Nachgang nicht mal erfahren hätte, aber ich muss sagen, das war der für mich beste Weg. Also ich wusste ja, ich bin es. Das wussten, wie gesagt, viele anderen nicht. Und ich wusste, was ich in der Zeit geleistet habe, als ich in dem Unternehmen war. Also es war ein Zeitfenster von anderthalb Jahren, wie ich gesagt habe. Erst mal habe ich natürlich eine weitere Weiterbildung gemacht. Ich habe neben der Weiterbildung immens viele Überstunden angesammelt und habe viel dazu beigetragen, dass die Integration in dem Bereich erfolgreich war und habe gesagt, okay, und jetzt hätte ich halt gerne ein Return on Invest.

Volker Pietzsch: [00:31:38] Jetzt weiß ich ja, was Sie heute machen. Und jetzt könnte man natürlich sagen, ich mache so eine blöde Erfahrung. Bleib mir weg mit amerikanischen Unternehmen, könnte eine Antwort darauf sein.

Judith Geiß: [00:31:48] Das war meine Antwort.

Volker Pietzsch: [00:31:49] Okay.

Judith Geiß: [00:31:50] Als ich damals das Gebäude verlassen habe, war das genau das, was ich mir gesagt habe.

Volker Pietzsch: [00:31:55] Aber es ist ein bisschen anders gekommen.

Judith Geiß: [00:31:56] Ein bisschen.


Das Buch „DIE ÜBERNAHME-FORMEL“ von Judith Geiß

Ihr Praxis Leitfaden, um eine US-Übernahme zu meistern.


Volker Pietzsch: [00:31:58] Wie ist denn diese Idee, dass da auch was drinsteckt in diesem Thema, wie ist die gekommen?

Judith Geiß: [00:32:03] Die kam eigentlich gar nicht erst mal, weil sie ja so weit weg war. Also erst mal ging es darum, diese Zeit auch zu verarbeiten. Es gab dann noch drei andere Stationen und letztendlich war ich dann wieder in einem Büro gesessen, aber da war ich nicht vorgewarnt. Also ich hatte ein Bauchgefühl, aber ich konnte es nicht zuordnen. Und an diesem Tag wurden damals in diesem Unternehmen sechs Leute entlassen. Und wie man sich denken kann, war das reiner Zufall, dass diese sechs diejenigen waren, die den Betriebsrat gründen wollten. Und dann stand ich da. Und in dem Sommer davor hatte ich für mein damaligen Freund einen Businessplan geschrieben, weil er zu mir gesagt hat, du hast ja BWL gemacht, du kannst das ja. Und dann saß ich in diesem Büro, ging raus, habe meiner Freundin, die ich damals bei dem amerikanischen Unternehmen kennengelernt habe, gesagt, ja, das ist hier vorbei. Und dann sagt sie so, ja, dann hoffe ich mal, dass du es verstehst, was das Ganze dir jetzt sagen will. Und dann habe ich nur so überlegt und gesagt, Christina, was willst du mir damit jetzt sagen? Dann sagt sie, naja, damals war es so, jetzt ist es wieder so, da entscheidet einfach jemand über deinen Kopf. Das magst du sowieso nicht so gerne.

Judith Geiß: [00:33:06] Wäre es jetzt nicht an der Zeit, dass du dich selbstständig machst? Da war es wieder, das Umfeld, das vielleicht viel früher was gesehen hat. Und dann habe ich mich tatsächlich selbstständig gemacht. Und nach so anderthalb Jahren der Selbstständigkeit kam, also erst mal, ich habe viele Anfragen von amerikanischen Unternehmen bekommen in der Zeit natürlich, auch schon, als ich selbstständig war. Und ich habe alle abgelehnt, aus dem Grund, ich will mit denen nichts mehr zu tun haben. Und nach anderthalb Jahren in dieser Selbstständigkeit kam mein ehemaliger Arbeitgeber mit einer Anfrage, also über einen Dritten. Aber da kam die Anfrage und sie hätten ja gesehen, ich hätte Johnson Controls Hintergrund und es wäre ja förderlich und so weiter. Also rief ich wieder meine Freundin an und hab gesagt: stell dir mal vor! Und das war eigentlich der Knackpunkt, der uns dazu führt, dass ich dann ja meinen Blickwinkel geändert habe, also aus der ganzen Sache auch eine Chance nehmen wollte. Weil meine Freunde hat folgendes gesagt: überleg dir mal, wenn wir damals jemanden gehabt hätten, der uns geholfen hätte mit dem Wissen, was wir jetzt gesammelt haben, wie viel leichter wäre es für uns gewesen? Und andersrum gesagt: wie egoistisch bist du denn, dass du diesen Menschen nicht hilfst?

Volker Pietzsch: [00:34:10] Ja, jetzt erzählen Sie mal, was ist daraus entstanden?

Judith Geiß: [00:34:13] Ja, daraus ist entstanden, dass ich mich noch ein bisschen gewindet habe, nämlich noch weitere anderthalb Jahre, bis ich mich dazu entschlossen habe, mich genau darauf zu spezialisieren, nämlich deutsche Unternehmen und deren Mitarbeiter zu unterstützen, wenn sie von Amerikanern gekauft werden.

Volker Pietzsch: [00:34:26] Das kommt wie häufig vor?

Judith Geiß: [00:34:27] Im Jahr zwischen 140 und 150 mal deutschlandweit.

Judith Geiß: [00:34:31] Und man muss dazu sagen, dass es vielleicht jetzt wegen Corona kurzzeitig auch mal ein bisschen niedriger gegangen ist. Aber wir werden ein massives Hoch bekommen, was die Übernahmen angeht, in den nächsten Jahren.

Volker Pietzsch: [00:34:45] Wir haben das ja in vielen Bereichen. Das heißt, auch chinesische Unternehmen sind ja sehr stark. Gerade in der Robotertechnik sieht man immer wieder, dass es da Übernahmen gibt, auch von Spitzen-Unternehmen, was zum Teil halt auch schon erschreckend ist manchmal, finde ich. Was machen Sie da heute genau? Das heißt, Sie helfen dann dem deutschen Teil, dass das reibungsloser läuft? Ich denke, es ist so ein bisschen auch Übersetzung? Also da sind wir auch wieder beim Thema Übersetzung der Sprache. Wenn der eine was sagt, kommt es ja vielleicht beim anderen gar nicht so an, wie er es meint.

Judith Geiß: [00:35:13] Also vielleicht fangen wir erst mal damit an, wie das Unternehmen heißt. Die Firma heißt nämlich „The Bridge“ und damit ist, glaube ich, schon viel gesagt. Also letztendlich bin ich der Brückenbauer zwischen den Kulturen, bzw. die Brückenbauerin zwischen den Kulturen, um letztendlich eben es genau so wie Sie sagten, reibungsloser zu gestalten, diesen Wechsel. Und der ist ja auf vielen Ebenen. Und viele Dinge, die man auch erst mal gar nicht so auf dem Blick hat. Nur wie bei allem, wenn man was öfters macht, dann sieht man Dinge, die andere nicht sehen und kann dadurch dann unterstützen.

Volker Pietzsch: [00:35:43] Sie haben das ja sehr schön geschildert. Das heißt, in dem Moment, wo ich sage, ich übernehme ein Unternehmen, dann gliedere ich das bei mir in die Organisation ein. Ich brauche einige Menschen nicht mehr, weil ich habe es doppelt besetzt. Aber es ist ja dann auch eine Frage, wie ich das mache und vor allen Dingen möglichst wenig Frust bei den verbleibenden Mitarbeitern hinzubekommen, weil ich will mit denen ja gut weiterarbeiten.

Judith Geiß: [00:36:04] Was ja anklingelt ist so ein bisschen auch das Thema hire and fire. Dazu kann ich nur sagen: natürlich ist es in Amerika einfach so, dass hire and fire ist. Trotzdem gelten natürlich in einem deutschen Tochterunternehmen eines amerikanischen Konzerns nach wie vor deutsche Regelungen. Das heißt, so schnell mit „Wir setzen die Leute mal vor die Tür“, auch wenn sich manchmal Amerikaner das so denken, geht es schon mal nicht. Das ist erst mal das Wichtigste. Das andere ist die Funktion, die jemand vielleicht hatte. Also ich nehme jetzt die Funktion Rechnungswesen/Marketing. Vielleicht gibt es das jetzt doppelt, aber vielleicht gibt es ja ganz andere, neue Bereiche, die dieses neue Unternehmen für mich parat hält, die mir mein altes, mittelständisch orientiertes Unternehmen gar nicht gegeben hätte. Und da gilt es jetzt einfach von der deutschen Perspektive zu sehen, okay, welche Chancen sind denn für mich drin oder für das Unternehmen drin, als jetzt deutsches Tochterunternehmen eines amerikanischen Konzerns? Also diesen Blick dann auch in Richtung der Chance, anstatt dann, wie ich damals, zu sagen, also ich habe auch meine Chance genutzt, aber es ging halt nicht so aus, dass ich sage, das war jetzt gut, was jetzt passiert ist, nennen wir es jetzt mal so, zumindest damals, zu diesem Zeitpunkt.

Volker Pietzsch: [00:37:08] Wir haben diese kulturelle oder interkulturelle Ebene, aber wir haben natürlich bei diesen Geschichten mit den Unternehmen auch diese komplette Sachebene. Sie haben sich ja nicht umsonst in verschiedenen Bereichen fortgebildet. Auch die Buchhaltung – das sind unterschiedliche Welten.

Judith Geiß: [00:37:22] Genau. Aber wie es ist mit allen unterschiedlichen Welten. Es gibt nichts, was man nicht lernen kann, wenn man dazu bereit ist.

Volker Pietzsch: [00:37:28] Das heißt aber, wir wollen jetzt hier nicht tief in die Buchhaltung einsteigen, aber wo liegen denn da die massiven Unterschiede? Das heißt, wir machen das nach dem Handelsgesetzbuch, vermute ich mal, nach HGB, so eine standard Bilanz und die ist dann bei einem größeren Unternehmen wahrscheinlich schon gar nicht mehr genügend.

Judith Geiß: [00:37:43] Also vielleicht fangen wir ja erst mal an, wann machen wir denn unsere Abschlüsse? Das klassische deutsche Unternehmen macht es am 25. des Folgemonats. Da beginnt der Monatsabschluss beim Amerikaner für den Monat, in dem wir sind. Das bedeutet, rein strukturell verändert sich vieles. Also wann muss ich Dinge liefern, wann muss ich Dinge reporten? Gerade wenn die neue amerikanische Mutter an der Börse notiert ist, gibt es ganz strenge Zeitfenster, die man einfach einhalten muss. Und das ändert sich schon mal, also die Geschwindigkeit, die man braucht. Jetzt sagt man, ja, aber bei Ihnen damals war es ja trotzdem ein amerikanischen Unternehmen und da galt das ja auch so, da hatten sie es sehr viel leichter. Aber da kommt es dann wieder, ja, wie reporte ich denn? Also wie muss das aufbereitet werden? Natürlich, die Amerikaner bilanzieren nach US-GAAP. Diese Rechnungslegung muss gemacht werden und verstanden werden. Das heißt, man muss erst mal gucken, okay, was sind denn die Unterschiede jetzt zwischen diesen Rechnungswesen-Welten? Aber letztendlich, was das Ganze eint, ist, egal was sie Neues lernen, unter Zeitdruck ist es nicht immer das Einfachste.

Volker Pietzsch: [00:38:42] Sind die Amerikaner mehr zahlengetrieben?

Judith Geiß: [00:38:44] Definitiv.

Volker Pietzsch: [00:38:45] Und Börse bedeutet dann noch mal einen obendrauf.

Judith Geiß: [00:38:47] So ist es.

Volker Pietzsch: [00:38:48] Spannendes Thema. Und Sie haben ein ganzes Buch darüber geschrieben.

Judith Geiß: [00:38:51] Über die ganze Situation nach einer Übernahme, genau. Wie macht man es denn optimalerweise besser als damals und findet so auch letztendlich am Ende des Tages auch die für sich persönlich beste Lösung durch diesen Übernahme-Prozess.

Volker Pietzsch: [00:39:05] Und dieses Buch ist dann, ich sage mal, für den betroffenen Menschen so was wie ein „Hier hole ich mir Rat, wie gehe ich jetzt mit der Situation um? Was mache ich jetzt am besten, damit ich eine gute Entscheidung treffe, wie ich jetzt persönlich fortfahre“?

Judith Geiß: [00:39:19] Also letztendlich ist das Buch das Buch, das ich damals gerne gehabt hätte, das es aber nicht gab. Und dann dachte ich mir so nach nach 15 Jahren, jetzt müsste es ja so ein Buch geben. Und da habe ich recherchiert und dann gab es das Buch immer noch nicht. Da habe ich gedacht, na ja, da sind wir wieder bei ehrgeizigen Zielen, wenn es das nicht gibt, dann schreibe ich es halt. Und letztendlich geht es wirklich darum, wie man auch als Unternehmen, als Geschäftsführer, als Mitarbeiter, als Führungskraft erst mal dieses Bewusstsein, es ist eben nicht so, dass sich nichts ändert, weil, wenn ich das nach außen kommuniziere, ist das eines der größten Enttäuschungen, die Mitarbeiter erleben können. Weil die haben uns doch gesagt, es ändert sich nichts und jetzt steppt hier der Bär. So, und dann wirklich zu sagen, wie muss ich das Ganze verstehen, was kommt da auf mich zu und was brauche ich, damit ich da am besten durchkomme? Und da in diesem Zusammenhang ist dann einmal die Übernahme-Formel entstanden und in der Formel quasi, welche Bausteine können denn gleichzeitig das Thema sein des Ganzen? Weil, ich hatte mir dann überlegt, am besten so was wie „fünf Schritte durch die Übernahme“ und so und dann habe ich gedacht, na ja, aber Schritte macht man ja nacheinander und nicht gleichzeitig, dass wird dann ein bisschen schwierig und dadurch wurden es dann halt, wie gesagt, die Bausteine, die dann letztendlich mit dem Kern bei der Übernahme-Formel, der Kommunikation, kombiniert werden und dann hoffentlich dafür sorgt, andere Erfahrungen zu machen wie wir damals.

Volker Pietzsch: [00:40:41] Was immer besser ist. Ich glaube, je mehr Menschen man mitnimmt, umso schöner ist das. Dieses Buch, ist das denn eher was für den einzelnen Arbeitnehmer oder sollte das vielleicht auch der Chef, der das ganze durchführen muss, sollte der das auch gelesen haben?

Judith Geiß: [00:40:54] Der Chef sollte meiner Meinung nach das Buch definitiv lesen. Dann weiß er nämlich, was auf ihn zukommt, weil im Zweifel, man sagt ja immer so, im Zweifel hat er die Kreditkarte, um das zu bezahlen, was man dafür braucht. Und dann wird nämlich schnell klar werden: mit der bestehenden Mannschaft kann ich das alleine nicht schaffen. Und gerade bei mir sind diese Anrufe irgendwie „fünf nach zwölf, die Hölle brennt hier, wir brauchen jetzt dringend was“ die, die am meisten sind. Einfach weil, wie man so schön dann sagt in Gesprächen, wir haben es nicht kommen sehen.

Volker Pietzsch: [00:41:22] Es ist ja auch eine verrückte Situation, was Sie da gerade gesagt haben. Das passiert dann vielleicht 150 Mal im Jahr, das ist oft genug, aber es ist nicht so oft, dass es jeder in seiner beruflichen Laufbahn schon mal auf dem Schirm hatte.

Judith Geiß: [00:41:34] Genau. Aber interessanterweise ist, das irgendwie jeder diese Geschichten kennt, wo das jemandem passiert ist und wo das ganz schlimm war. Oder dass man aus Filmen irgendwie „Up in the Air“ mit George Clooney zum Beispiel, der ja durch die Gegend fliegt und die Leute entlässt, das sind wir wieder bei hire and fire. Also eigentlich weiß man, dass da was ist. Aber wirklich noch mal drauf zu stupsen und zu sagen, hey, du musst dich jetzt echt vorbereiten und letztendlich das Unternehmen. Und meiner Meinung nach ist das die Aufgabe eines Geschäftsführers, ein Unternehmen für die Zukunft dann auch aufzustellen.

Volker Pietzsch: [00:42:03] Sie haben bestimmt auch mit Spannung diese Entwicklung um das Tesla Werk in Brandenburg verfolgt. Ich finde es ist ein schönes Beispiel, weil es passt in diesen Rahmen. Es gab so viele Unstimmigkeiten im Vorfeld zwischen deutschem Planungsrecht und amerikanischer Vorstellung einer Bauweise.

Judith Geiß: [00:42:18] Ja, aber letztendlich, also unter uns gesagt, Elon Musk hatte recht. Ist mir egal, was ihr alles von mir wollt. Ihr kriegt alles, aber ich werde dieses Werk bauen und ich werde es in der Geschwindigkeit bauen, wie ich das für richtig halte. Und teilweise hat er ja gebaut, ohne die Genehmigung zu haben.

Volker Pietzsch: [00:42:30] Das heißt, er hat gepokert.

Judith Geiß: [00:42:31] Natürlich, aber letztendlich…

Volker Pietzsch: [00:42:33] Hat funktioniert. Aber ich finde, das ist ein ganz offensichtliches Beispiel, wie unterschiedliche Kulturen aufeinander prasseln. Und das ist, glaube ich, auch ein Sonderfall, weil da so viel Geld im Spiel ist, was ja nicht immer der Fall ist. Es ist ja nicht immer jemand da, der unbegrenzt, kann man ja fast so sagen, Kapital hat. Dem ist letztendlich eine Strafe für eine nicht erteilte Genehmigung egal.

Judith Geiß: [00:42:55] Genau. Aber es zeigt viel. Also hätte man den klassisch deutsch denkenden Menschen gefragt, hätte er geantwortet: das schafft er nie im Leben. Mir war klar, dass er das schafft. Und das ist auch was, was in meinen Projekten oft der Fall ist. Na ja, also da brauchen wir erst mal das und dann dauert das. Und überhaupt und überhaupt, das kriegen wir nicht schnell hin. Und dann sitzt man vier Wochen später da und hat es gemacht. Und es ging ja doch schneller. Hm, wie ging das jetzt? Ja, es ist einfach. Wenn es eine Priorität hat und mit, nenne ich es jetzt mal, Vehemenz durchgesetzt wird, dann ist es so.

Volker Pietzsch: [00:43:25] Ich glaube, das ist auch so so ein Unterschied zwischen Amerikanern und Deutschen. Wir haben diese Regelwerke und wir gucken immer, wie geht etwas nicht. Und ich glaube, der Amerikaner guckt immer, wie geht es doch? 

Judith Geiß: [00:43:36] Den Amerikaner interessiert es nicht, ob es geht oder nicht, es hat zu gehen und wenn es nicht geht, dann treffe ich einfach eine neue Entscheidung, weil er probiert es einfach aus und wenn es halt nichts war, dann trifft er eine neue Entscheidung und dann war es halt so.

Volker Pietzsch: [00:43:47] Okay, das ist, glaube ich, kulturell ein Riesenunterschied.

Judith Geiß: [00:43:50] Definitiv.

Volker Pietzsch: [00:43:51] Und ich glaube, da sollte man drauf eingestellt sein.

Judith Geiß: [00:43:54] Das sollte man definitiv. Aber was der Vorteil an dem Ganzen ist, wenn wir nochmal in Richtung Chance gehen. Ich habe es oft, dass meine Kunden meinen, ja, das habe ich jetzt schon Jahre probiert und das haben wir nie durchbekommen. Ja und dann kommt der neue Eigentümer und findet die Idee ganz gut. Und plötzlich ist es von heut auf morgen umgesetzt und man braucht nicht irgendwie 1000 Sitzungen, wo man das wie früher zu Tode gekaut hat, sondern da sitzt dann einfach jemand und sagt, ja, das machen wir. Und dann gibt es keine Diskussion mehr, dann wird es einfach gemacht.

Volker Pietzsch: [00:44:22] Es ist ein spannender Einblick. Das Buch, das hatten Sie gesagt, die Übernahme-Formel.

Judith Geiß: [00:44:26] Genau.

Volker Pietzsch: [00:44:26] Das heißt, da steckt auch schon ein bisschen Strategie dahinter. Das heißt, da laufen klare Prozesse ab, die auch immer ähnlich sind. Und man kann dann so was wie eine Formel erkennen und sagen, okay, das sieht zwar jetzt ein bisschen anders aus, aber das und das wird passieren.

Judith Geiß: [00:44:39] Genau. Letztendlich ist es so, wie immer im Leben lernt man aus den Fehlern am besten. Optimalerweise die, die man selbst gemacht hat oder wo man bei anderen gesehen hat, oh, das will ich aber nicht so machen und letztendlich ist es darauf aufgebaut. Also was passiert da alles gleichzeitig, womit ich gar nicht rechnen kann, weil ich mir es gar nicht vorstellen kann, dass jemand in Anführungsstrichen so verrückt ist, dass er irgendwie alle Themen auch auf einmal macht? Weil wir Deutschen würden schön die Schritte, einen Schritt, dann den nächsten machen. Aber der Amerikaner sagt, ich habe einen Vertrieb, den will ich neu aufstellen, dann habe ich aber die Buchhaltung, die muss da auch mitkommen. Und von der will ich auch noch die Sachen alle schneller und dann will ich das. Und der Einkauf soll natürlich dem ganzen Wachstum, was wir mit der Produktion erreichen wollen, da braucht man die ganze Ware dazu. Also der sagt nicht, wir machen jetzt eine Abteilung nach der nächsten, sondern der sieht das große Ganze und wie dann die einzelnen Bereiche reinspielen sollen. Das führt halt dazu, dass das Unternehmen, ganz klar gesagt, es gar nicht mehr alleine schaffen kann, diese Taktzahl auch zu haben, dann zusätzliche Mitarbeiter auch braucht. Das darf man überhaupt gar nicht vergessen, wie viele neue Mitarbeiter in so einer Phase auch kommen. Weil man hatte immer dieses hire and fire, die Leute, die gehen, aber es kommen auch viele, die vielleicht ganz andere Qualifikationen haben, als die, die man vorher gebraucht hat. 

Volker Pietzsch: [00:45:53] Ich höre die Chance raus. Das heißt, wenn ich als Mitarbeiter auch bereit bin zu der Veränderung, dann habe ich natürlich in so einer Situation auch eine Riesenchance.

Judith Geiß: [00:46:01] Definitiv, wenn ich sie nutze. Und ich sage immer, die, die sie nutzen, das sind mir noch die Liebsten. Dann gibt es die, die erst mal abwarten, das ist auch in Ordnung, aber die Schlimmsten sind die, die eigentlich wissen, dass sie das nicht mittragen. Aber sie finden gerade keinen neuen Job mit dem Gehalt, oder es gibt 1000 andere Gründe, warum es bequem ist, dort zu bleiben und die dann wirklich sich durch die Gänge, Flure und Küchen jammern, wie schlimm das Leben doch ist.

Volker Pietzsch: [00:46:26] Es ist ja nicht ergebnisorientiert. Es wird dann leider irgendwann enden, weil es wird nicht funktionieren.

Judith Geiß: [00:46:31] Es wird nicht funktionieren, das kann schon sein. Aber die Zeit bis es dann nicht funktioniert ist für alle nicht schön. Nennen wir es so.

Volker Pietzsch: [00:46:38] Ja, aber dann vielleicht auch reingucken. Und ich sage mal, wenn eine Situation sich nicht ändern wird, weil es einfach so ist, wenn das jemand gekauft hat, wird er die Regeln bestimmen. Das glaube ich, kann man so sagen. Dann weiß ich auch, ich kann jetzt mich da vielleicht noch ein paar Monate halten oder vielleicht auch ein Jahr, aber es wird halt nicht mehr so, wie es war.

Judith Geiß: [00:46:55] Das wird es definitiv nicht. Aber ich hatte vor ein paar Jahren einen alten Kunden von mir, der ja quasi schon Jahre durch den Prozess gegangen war, mit einem aktuellen Kunden zusammengebracht, weil sie einfach von der Branche sehr gut gepasst haben. Und da ist es doch mit Perspektiven immer sehr interessant, als der alte Kunde erzählt hat, wie smooth das doch damals lief und wie toll das doch alles war und welche Chancen sie jetzt alle haben. Und ich saß nur da und dachte so, was sage ich jetzt dazu? Und dann die eine oder andere Spitze konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Echt, so einfach war das damals? Das ist ja super. Und das ist ja das, wenn man es dann mal geschafft hat, wenn man sich an das Neue gewöhnt hat oder wenn plötzlich in jedem zweiten Satz ein englischer Begriff reinkommt und so weiter, wo man dann merkt, man assimiliert diese neue Kultur auch, dann ist es ja geschafft und dann sieht man es auch anders. Aber es war so wertvoll für diesen anderen Kunden zu sehen, okay, die haben’s geschafft. Das heißt, wir müssen da jetzt durch und danach wird es wieder besser. Weil diesen massiven Impact hat es in den ersten ein, zwei Jahren und dann wird es nicht ruhig, aber definitiv ruhiger.

Volker Pietzsch: [00:47:58] Ich glaube, wir Menschen sind da alle ähnlich und Veränderungen sind erst mal etwas, das wir unangenehm finden, das uns erst mal stört, aber letztendlich sich dagegen zu sträuben macht keinen Sinn. Das Leben ist immer Veränderung. Ich fand das eine tolle Geschichte, wie letztendlich aus einer richtig schlechten beruflichen Erfahrung dann so etwas wird, dass man sagt, nee, ich nehme das in die Hand und mache was draus. Das finde ich spannend. Wen das Thema jetzt interessiert, wie findet man Sie denn?

Judith Geiß: [00:48:24] Am besten über Google. Einfach Judith Geiß eingeben, da findet man ganz viel dazu. Und natürlich auf der Homepage the www.thebridge-online.com

Volker Pietzsch: [00:48:32] Ich bedanke mich für das Gespräch.

Judith Geiß: [00:48:34] Sehr gerne.

 

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