Was ändert sich alles nach einem Unternehmensverkauf?

 

 

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Inhalt / Links zu dieser Episode:

Schon in der letzten Woche hat sich Judith Geiß mit Dr. Bernd Geropp über mögliche Fallstricke und Fragen, die beim Verkauf eines Unternehmens aufkommen, unterhalten. In dieser Episode erwartet Sie nun Teil 2 des Gesprächs.

Wer uns beim Gespräch auch gerne live und in Farbe sehen möchte, zum Interview gibt es auch eine Video-Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=DenuzWaWNPc&feature=youtu.be

Wenn Ihnen mein Podcast gefällt, dann freue ich mich riesig über Ihre Bewertung bei Apple Podcasts: https://podcasts.apple.com/de/podcast/%C3%BCbernahme-als-chance/id1535599120

Weitere Informationen zu Dr. Bernd Geropp finden Sie unter folgenden Links:
• Link zur Webseite: https://www.mehr-fuehren.de/
• Link zum Leadership intensive: https://www.mehr-fuehren.de/leadership-intensive/
• Link zur Online-Leadership-Platform: https://www.leadership-platform.de/
• Link zum Podcast „Führung auf den Punkt gebracht“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/f%C3%BChrung-auf-den-punkt-gebracht/id665733012?l=en?l=en
• Link zum YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/c/F%C3%BChrungaufdenPunktgebrachtmitBerndGeropp?sub_confirmation=1

Wem das Interview von Dr. Bernd Geropp und mir gefallen hat dem empfehle ich direkt weiterzuhören. Auch ich war bereits in seinem Podcast zu Gast: https://www.mehr-fuehren.de/amerikanische-unternehmensuebernahme/ Viel Spaß beim reinhören.


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Herzliche Grüße und bis bald,

Ihre Judith Geiß


Transkript der Podcast-Folge:

Übernahme als Chance. Der Podcast von und mit Judith Geiß. Sie und Ihr Unternehmen sind von einer Übernahme betroffen? Dann sind Sie hier genau richtig. Judith Geiß, die Expertin für US-amerikanische Übernahmen im deutschsprachigen Raum, teilt mit ihnen wertvolle Tipps und Tricks und zeigt Ihnen, wie Sie diese Veränderungen für sich und Ihr Unternehmen nutzen können. Ganz nach dem Motto: take the chance.

[00:00:25] – Judith Geiß
Hallo und herzlich willkommen zum Übernahme als Chance Podcast und damit zum zweiten Teil meines Interviews mit Dr. Bernd Geropp. Ich freue mich, dass sie wieder eingeschaltet haben und wünsche Ihnen nun viel Spaß.
Wir gehen jetzt mal davon aus, du hast verkauft. Der erste Tag. Du gehst wie ganz normal in deiner ursprünglichen Rolle ins Büro. Aber was ändert sich dann?

[00:00:48] – Dr. Bernd Geropp
Also erstmal, wenn du das Ding verkauft hast, der erste Tag ist wahrscheinlich bei jedem ein Hochgefühl. Also erstmal, diese ganze Verkaufsphase ist ja wie so eine Achterbahnfahrt. Es geht hoch und dann geht’s wieder runter. Und der erste Tag ist wahrscheinlich ein Hochgefühl, weil man hat alles hinter sich und jetzt – schauen wir mal. Aber dann wird dem Unternehmer wahrscheinlich immer stärker bewusst, was gerade passiert ist oder was passiert ist vor wenigen Wochen oder Monaten. Er hat nämlich seine Rolle verändert. Er ist nicht mehr der Unternehmer, er ist nicht mehr der Herr im Haus ist. Auf einmal reden andere mit, auf einmal ist er abhängig beschäftigt. Andere sind ihm jetzt weisungsbefugt. Das ist eine Sache, wenn wie ich damals, ein junger Spund, nach 5 Jahren in Großkonzernen, das war für mein Ego noch nicht so schlimm. So richtig Unternehmer in dem Sinne, wie jemand, der das 30 Jahre aufgebaut hat, war ich ja gar nicht. Aber jemand der da mit 50 jetzt sagen wir oder 55 das macht und dann noch drei Jahre durch so ein Earn-out in dem großen Unternehmen dann ist und auf einmal sich was sagen lassen muss, das kann der sich vorher gar nicht richtig vorstellen was das bedeutet. Selbst wenn er sagt, ja damit komme ich schon klar, ist es verdammt schwierig. Das hat verschiedene Facetten glaube ich. Alleine so Selbstverständlichkeiten sind dann nicht mehr klar: natürlich fahre ich zu dem Kongress. Moment – da gibt es eine Reisekostenverordnung. Eine was? Aber ich bring doch den Profit! Nein, nein, nein. Wir haben hier klare Prozesse. Wenn sie neues IT-System wollen – das müssen wir aber konzernweit einführen dass können sie jetzt nicht einfach machen und by the way – ihr altes ERP-System – da machen wir jetzt SAP. Viel Spaß damit. Das heißt, der Unternehmer beschäftigt sich auf einmal mit ganz vielen Sachen, die Entscheidungen dauern alle viel länger als er das gewohnt war bisher. Das wird ihm zwar vorher gesagt, dass das so ist, aber jetzt erfährt er wirklich, was das bedeutet. Und jetzt ist halt dieses Glücksgefühl am ersten Tag was du hast, das lässt jetzt so langsam ein bisschen nach. Und jetzt ist die Phase – entweder er kriegt es hin, dass er sagt, gut ich kann mich da anpassen, oder das funktioniert nicht. Also ich war in meiner Zeit bei Schaeffler auch mit dabei, wie wir mehrere Firmen für das Servicegeschäft gekauft haben, wo wir immer auch solche Earn-outs mit dabei hatten, wo wir also den Unternehmer, dass waren ja meistens auch so 30-40 Mann kleine Unternehmen, mit dabei haben wollten. Und es ist uns nie gelungen, dass der nach 2 Jahren noch mit dabei war. Die meisten waren so frustriert von dieser Zusammenkunft von, bisher war ich habe ich rum gemangelt, das war mein Unternehmen, ich habe diese Sachen gemacht und jetzt auf einmal muss ich mich mit langfristigen Prozessen, mit der internen Politik auseinandersetzen. Das hat die alle mürbe gemacht. Das ist nachvollziehbar und das muss man sich vorher überlegen. Und in dem Zusammenhang – ich hatte auch so einen Earn-out Prozess bei mir – und ich erinnere mich noch, dass mein Berater damals gesagt hat: Herr Geropp, wenn Sie den Kaufpreis taxieren, überlegen Sie: das was sicher ist, ist der Kaufpreis am ersten Tag. Also die Earn-out-Phase, nach drei oder fünf Jahren, das kann funktionieren. Aber rechnen Sie nicht damit. Und da hat er recht. Was da dann passiert, welche Umorganisationen passieren, sodass die ganzen Ergebnisse, die man da vereinbart hat, das ist alles nicht, das heißt, das wichtige ist eigentlich der Kaufpreis am Anfang. Das andere ist, damit ich noch als Unternehmer dabei bin. Aber ob das dann auch wirklich so funktionieren wird, nach 2 oder 3 Jahren im Unternehmen hat sich dann so viel verändert, Ergebnisse und was weiß ich. Darauf sollte man nicht so zielen. Und all das spielt dann in so einem Unternehmer mit, der ja mit Herzblut sein Unternehmen 30 Jahre aufgebaut hat und der sieht jetzt – da passieren auf einmal auch Veränderungen, wo er sagt, das geht in die falsche Richtung. Die Strategie ist falsch, ihr habt doch gesagt… Ja, ja, aber der Markt hat sich geändert. Wir müssen jetzt… Nee, nee, nee, Moment… Jetzt kann er nicht mehr mitreden.Das frustriert ihn und da sieht man dann halt häufig, dass das dann nicht mehr funktioniert. Und dann geht der Unternehmer vielleicht sogar frustriert, früher auch aus dem Earn-out raus, weil er sagt, das tue ich mir nicht an.

[00:05:45] – Judith Geiß
Also ich will mir das sozusagen nicht angucken, was da mit meinem Unternehmen passiert. Ist ja mittlerweile gar nicht mehr erstens seins und zweitens in was anderes aufgegangen ist und in deren Strategie kann es ja durchaus richtig sein.

[00:05:58] – Dr. Bernd Geropp
Also ich will das gar nicht bewerten. Es sind zwei Systeme. Das eine System war bisher das Unternehmen des Unternehmers, der hat aber das Unternehmen jetzt verkauft. Und jetzt wird das integriert in dieses andere System. Das andere System hat eine andere Kultur und hat andere Ziele, andere Leute, die damit arbeiten und beides hat seine Berechtigung. Ich muss verstehen, dass ich als Unternehmer mein Unternehmen verkauft habe und jetzt nur noch bedingt da vielleicht beratend mitreden kann. Aber die letzte Entscheidung habe ich nicht mehr. Ich will das mal an einem kleinen, kulturellen Beispiel klarmachen, was das bedeutet. Ein Unternehmer, der 30 Jahre lang sein Unternehmen aufgebaut hat, der ist durch Höhen und Tiefen gegangen. Natürlich, allein von der Sprache, wie er spricht, wenn du dich mit so jemanden unterhältst und er ist ehrlich, sagt er natürlich: ja klar habe ich Angst gehabt. Da gab es Zeiten, da wusste ich nicht, wie ich die Löhne zahlen kann. Der Begriff Angst kommt ihm auch einfach so über den Mund. Natürlich war ich ängstlich und natürlich habe ich auch mal schlecht geschlafen und alles. Das wird der so sagen. Ein angestellter Manager wird nicht sagen, er hat Angst. Er wird davon sprechen, dass er befürchtet, dass ihm das und das passieren könnte. Er ist ein angestellter Manager und es ist ihm wichtig. Und es sollte ihm wichtig sein, damit überhaupt überleben kann in einem Konzern, wie er von anderen gesehen wird. jetzt kann man das gut oder schlecht finden, aber so ist es. Das gleiche ist wie mit, ein Unternehmer sagt: ja, ich habe hier ein Problem. Unsere Software funktioniert nicht richtig, das und das. Der Manager würde sagen: Ich habe kein Problem, ich habe eine Herausforderung. Also das sind so banale, wo man drüber schmunzeln kann, Aber auch die Kultur ist da unterschiedlich und je nachdem, wie die, wie der Konzern aufgebaut ist,] wenn es ein Konzern ist, als Beispiel, es kann auch ein mittleres Unternehmen, schon ein bisschen größer sein, was Konzern-Denke in der Art hat – da habe ich es viel mehr mit Politik zu tun.Das heißt, ich bin aber 30 Jahre lang anders aufgetreten. Gut, ich habe mit Kunden verhandelt, aber das ist was anderes wenn ich jetzt intern mit Leuten, die Entscheidungen laufen länger, ich muss genau wissen, die Hidden Agenda, was tut man, was tut man nicht. Und da darf ich nicht meine bisherige Sachen anlegen, „aber das macht doch keinen Sinn!“. Ja, häufig, außenstehend, ergibt das keinen Sinn. Es hat aber einen bestimmten Grund, warum das so ist. Und wenn ich mich nicht an diese Sachen halte, verliere ich einfach. Das sagt mir aber auch keiner. Weil auch die wiederum ihre schwarzen Flecken haben, über die sie gar nicht nachdenken. Sowie der Unternehmer nicht drüber nachdenkt. Also noch mal: es ist nicht gut und schlecht, sondern es sind einfach zwei unterschiedliche Systeme. Und ich bewege mich jetzt als Unternehmer in ein anderes System und muss mich dort anpassen – und das fällt verständlicherweise schwer, wenn ich 30 Jahre lang in ganz anderem Umfeld für mich unterwegs war, in einem anderen System.

[00:09:19] – Judith Geiß
Im Endeffekt hat der Unternehmer dann sozusagen einen Kulturschock, um es mal so zu sagen. Und vielleicht auch die andere Kultur, die geschockt wird dadurch, dass da jemand vielleicht ganz anders auftritt. Du hattest es im Vorgespräch schön gesagt, wenn der dann zu oft über Probleme redet, dann wird er vielleicht ganz schnell ein Problem.

[00:09:35] – Dr. Bernd Geropp
Genau. Weil das tut man nicht. Es ist nur ein kleines Beispiel, das können ganz noch ganz andere Sachen sein. Häufig kriegt der Unternehmer erst wenn, der dann ausgeschieden ist aus den Sachen mit, dass er sagt: jetzt verstehe ich wie die ticken. Jetzt verstehe ich was das ist. Ja, da bin ich ja voll in die Fettnäpfchen rein. Ja genau, das kann da passieren, wenn man sich nicht schnell genug anpasst. Aber häufig will man sich auch gar nicht anpassen und denkt, warum soll ich mich da… das habe ich gar nicht nötig…, also solche Sachen kommen ja dann im Kopf hoch. Und deswegen knallt es da und deswegen ist das häufig nach 2 oder 3 Jahren auch so, dass derjenige sagt, also, man kann sich auch im Guten trennen und denken: mich macht das wahnsinnig, ich kann das nicht.

[00:10:23] – Judith Geiß
Also, wie du es auch sagst, mit dem, dass es knallt – dann ist es ja manchmal, dass es relativ schnell knallt. Das heißt, der Unternehmer ist dann relativ schnell in der Situation, also ich meine, zwischen dass es knallt und dass er das Unternehmen dann vielleicht auch direkt verlässt, geht ja meistens schnell und da ist dir sicherlich – und mir ist es zum Teil auch auf schon aufgefallen – dass der Unternehmer für dann eigentlich keinen Plan hat. Weil er will dann weg von dieser Situation. Aber den Plan B sozusagen – was mache ich jetzt, weil dann bin ich vielleicht erst 60, bin natürlich noch der Macher, der ich immer war und der ich auch sein will, der mich auch ausmacht. Und da haben wir dann festgestellt, dass die gar nicht so recht wissen, was machen sie jetzt, weil sie gehen erstmal weg. Und ich weiß es noch genau, bei einem meiner letzten Kunden, das wurde dann richtig zelebriert, wie er dann gegangen, als er noch mal durch die Reihen, noch mal seinen Unmut geäußert hat, hat dann seine privaten Möbel herausholen lassen, so der klassische große Schreibtisch, so wie man das halt so kennt. Aber letztendlich gehöre ich noch dazu, zu sagen: okay, aber wo ist jetzt der Plan von der Personen? Wie nimmst du das wahr? Gibts da Pläne?

[00:11:31] – Dr. Bernd Geropp
Du hast genau das Problem schön beschrieben: Es gibt zwei Arten von Unternehmer. Es gibt Unternehmer, die sich darauf vorbereitet haben oder bereits z.B. ein Hobby haben oder sie haben sich engagiert irgendwo parallel und die sagen auch, gut ist nicht schlimm. Und die nehmen die Energie, die sie haben und die haben die, die haben die auch noch mit 80. Wenn ich 30 Jahre lang so ein Ding aufgebaut habe, habe ich die auch noch später. Ich muss diese Energie irgendwo hinlenken. Und wenn ich mir da nicht überlegt habe, was mache ich eigentlich? Was mache ich, wenn das Unternehmen nicht mehr da ist? Oder wenn ich halt auch als Angestellter da dann auf einmal weg bin? Da muss ich mir rechtzeitig vorher überlegen, dass es nicht ausreichen wird, dass ich jetzt wie bei Loriot für die Familie einkaufen werde. Das wird nicht gehen. Ich muss mir was anderes überlegen. Ich muss vorab schon überlegen: was mache ich dann? Reicht es mir auch, einfach nur Golf oder Tennis zu spielen oder engagiere ich mich oder baue ich vielleicht noch mal ein neues Unternehmen, gehe nach Afrika und helfe dort Leuten? Ich habe keine Ahnung. Aber irgendeine Vision, irgendein Ziel, irgendwas, was mich begeistert, wo ich sage, da tue ich meine Energie rein, muss ich haben. Ansonsten gibt es einen Knall. Und das ist übrigens nicht nur bei Unternehmern so, dass kann auch einem angestellten Manager passieren, der sehr engagiert dabei ist, mit 65 oder 67 in Anführungsstrichen, geht er in die Rente und sagt: so, jetzt mache ich endlich das, was ich einmal machen wollte. Nämlich zu Hause gehe ich in den Keller, räum da mal richtig auf, der Garten wird auf Vordermann gebracht und nach drei Monaten denkt er: ja und jetzt? Der fällt in eine richtige Depression, weil er ist ja ein Macher gewesen. Der Unternehmer, wie auch dieser angestellte Manager, der sich sehr engagiert hat – und auf einmal Ist alles weg. Und ich habe Leute gesehen, die nach einem Jahr gestorben sind deswegen. Weil ihnen die Aufgabe gefehlt hat. Zu erkennen als Unternehmer, in dem Moment wo ich das Unternehmen verkaufe, dass ich schon überlege: ja, ich bin da zwar jetzt noch zwei Jahre in dieser Übergangsphase und so weiter, aber was mache ich danach? Und zwar nicht nur: ja, das überlege ich mir dann oder dann spiele ich Golf oder sowas. Sondern ich muss mich wirklich intensiv damit beschäftigt haben. Auch da ist es wichtig, glaube ich, dass man da jemanden hat, mit dem man da drüber spricht. Ein Berater oder sonst was, der einen da auch immer wieder drauf hin weist: was machst du dann? Erzähl mir das. Und der rein horcht, ob das nur so dahingesagt ist oder ob da wirklich Herzblut drin steckt.

[00:14:11] – Judith Geiß
Der Klassiker ist ja wirklich, ich mache dann mal zu Hause alles in Ordnung, den Garten und dann habe ich auch mehr Zeit mit der Frau oder was auch immer, mit der Familie, Enkelkinder was auch immer. Aber die Enkelkinder sind im Zweifel in der Schule, da habe ich schon mal die Zeit bis mittags oder was auch immer. Also da sind ja viele Dinge dabei und das andere ist, glaube ich, was da auch wichtig ist: gerade wenn ich schon verkauft habe, dass ich dann aber auch vielleicht noch mehr Loslösungsprozess mache, indem ich diese Aktivitäten schon mal starte, bevor es dann so weit ist. Dass ich dann fließend so gehen kann. Also das fand ich bei dem Gedanken mit der Altersteilzeit, mit diesen Blockzeiten, finde ich ganz, also jetzt gerade im Umfeld, bei denen ich das höre, die die merken dann schon: oh, jetzt habe ich mal alles gemacht – okay, was mache ich jetzt? Und dann ist es langsamer und man gleitet so rein. Und ich meine, das wäre ja natürlich auch einem Unternehmer zu wünschen und ich meine, wir beide wissen und die Zuhörer sicherlich auch, da ist ja so viel Herzblut, soviel Wissen und wenn es wirklich ist, dass man es an junge Menschen weitergibt. Also die Arten wie man das alles nach außen bringen sind vielfältig. Du kannst ja alles Mögliche heutzutage machen. Ich meine, im Zweifel brauchst du nur einen Internetanschluss und kannst eh alles machen.

[00:15:21] – Dr. Bernd Geropp
Aber da kommt noch ein wichtiger Punkt dazu: es ist günstig, wenn du das schon vorher anfängst nebenher, ein Hobby oder sonst was zu machen. Wenn du sagst: ja, dann werde ich Mentor für andere Unternehmer oder sonst was und du fängst damit erst an, wenn die Sache vorbei ist, dann fällst du in ein unheimliches Loch. Da kommen mehrere Sachen dazu. Denn auf einmal, das klingt hart, aber du bist ja niemand mehr. Vorher warst du noch der Geschäftsführer oder der Unternehmensinhaber XX. Jetzt bist du nichts mehr. Du bist Pensionär, wenn du es so willst, hart formuliert. Und jetzt fängst du wieder von Null an und das kann dann schnell aufs Ego schlagen. Deswegen ist es wichtig, dass vorher schon anzufangen und das zu erkennen: wie sieht das denn aus? Oder ich bin schon im Lions Club, habe da meine Netzwerke und hab aber schon die Aufgabe, die ich eigentlich nachher übernehmen will, nur kann ich es jetzt noch viel verstärkter machen. Dann wird glaube ich der Übergang glatter.

[00:16:24] – Judith Geiß
Man hat halt diesen Apparat im Hintergrund nicht. Also, wenn man so sieht, ja und dann bin ich dort Vorstand, dann bin ich dort Vorstand. Ja, aber die Sekretariat Assistenz, wie auch immer man das bezeichnen will, macht das ganze Administrative. Und jetzt sitze ich plötzlich daheim und soll plötzlich selbst die Einladungen schreiben und wie geht das eigentlich noch mal mit dem Internet? Also um es jetzt mal sehr plastisch zu sagen. Ich finde es halt einfach wirklich wichtig, dass man daheim einfach seinen Weg findet und sucht. Und ich glaube, dass was uns wirklich durch das ganze Gespräch hin begleitet, man muss es auch, obwohl man der Geschäftsführer, der Inhaber ist, Gesellschafter, Geschäftsführer wie auch immer, man muss es nicht alleine machen. Also was wir mit Sicherheit beide jedem ans Herz legen sollten, wollen, wir auch immer, ist, an den Positionen, an den Stationen, vor allem auf die richtigen Leute zu finden. Wer begleitet mich da durch den Prozess? Ich habe nicht sofort jemanden, dem ich dann auch vertraue. Und vielleicht auch meine Ängste, also was passiert mit meinem Unternehmen danach? Kann ich mich danach noch auf die Straße trauen oder ähnliches. Richtig. Kann ich dann noch mit denen ein Bier trinken?

[00:17:40] – Dr. Bernd Geropp
Genau. Also alle Sachen zu berücksichtigen für sich selbst und mal gemeinsam quasi in die Zukunft zu reisen: was ist dann? Worauf legst du eigentlich wirklich Wert? Wie muss es in 10 Jahren aussehen, wenn du zurückschaust? Was muss gelaufen sein? Was darf um Gottes Willen nicht passieren? Sich darüber wirklich Gedanken zu machen. Und diese Gedanken, die kriegt man nur schwer selber in den Griff. Da braucht man meistens jemanden, einen counterpart, der dumme Fragen stellt, ich formuliere es mal so.

[00:18:14] – Judith Geiß
Aus der eigenen Erfahrung, aber letztendlich sag ich, da gewinnen ja dann alle. Und im Zweifel, wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass der ursprüngliche Inhaber des Unternehmens dann zu einem Mentor wird und anderen auf deren Weg wiederum begleitet, dann kann man ja auch dieses wieder, also ich find’s immer wichtig wieder was zurückzugeben, jemandem anders vielleicht zu helfen und man muss es ja dann vielleicht nicht mehr selber sein, der Macher. Wobei viele auch noch mal später gründen und dann sagen: jetzt mach ich endlich mal das, was mir nur Spaß macht.

[00:18:40] – Dr. Bernd Geropp
Aber weißt du Judith, das ist genau der Unterschied. Es wird Leute geben, die das genauso sehen wie du, die sagen, ich möchte ja noch mal was weitergeben an andere. Und das ist vollkommen okay. Und es gibt andere, die sagen – ganz ehrlich, da hängt jetzt nicht mein Herz dran, aber ich möchte noch mal gestalten. Ich möchte noch was anderes machen. Sich bewusst klarzumachen es gibt nicht den einen Weg. Ich muss meinen Weg hier finden. Aber es muss eine Aufgabe für mich sein. Und die Aufgabe muss nicht sein, dass ich jetzt, weil ich 30 Jahre das gemacht habe, mich jetzt zurückziehen muss und ich muss mehr so diese Mentoren-Rolle einnehmen. Nein, du musst nicht. Vielleicht werd ich Künstler.

[00:19:19] – Judith Geiß
Weiß der Teufel was, keine Ahnung. Bei dir fällt mir spontan ein, dein Hobby ist ja auch in der Band zu spielen, also vielleicht mache ich dann das und jamme mit meinen Jungs, wie auch immer. Also was auch immer dir Spaß macht. Und es muss nicht immer Arbeit sein, ich glaube, das ist auch noch mal wichtig.

[00:19:36] – Dr. Bernd Geropp
Wobei du häufig bei diesen Leuten hast, die so engagieret die ganze Zeit dabei waren, das ist selten so, dass die auf einmal den switch rum legen – und jetzt spiele ich nur noch Golf, jetzt spiele ich nur noch, mache ich nur noch Musik. Da fehlt dieses Unternehmer-Sein. „Ich muss doch auch noch was tun…“. Deswegen, sich das klarzumachen und ehrlich mit sich da zu sein, das glaube ich, ist da ganz entscheidend.

[00:20:05] – Judith Geiß
Ich denke, das ist auch dann ein guter Schluss. Ich denke, die Hörer haben mitgenommen, dass man nicht einfach so ein Unternehmen verkauft, das vielleicht einfach mal so eben am Küchentisch entscheidet, vielleicht entscheidet man es dort, aber man sollte von dort aus dann vorbereitende Maßnahmen ergreifen und sich dann auch letztendlich begleiten lassen. Du begleitest ja auch in deinem Leadership-Intensiv-Programm Unternehmer.

[00:20:24] – Dr. Bernd Geropp
Ja, wobei es mir da weniger um diesen Unternehmensverkauf geht, sondern da geht es mir hauptsächlich darum, diese Phase, die ich vorhin angesprochen habe, das Unternehmer ein Unternehmen aufbauen und irgendwann sich wiederfinden nach 20 Jahren z.B. und sagen: ich bin so stark im Operativen zuständig, ich würde gerne entweder weniger tun, mehr mit der Familie tun, oder ich würde gerne einfach mehr mich um Strategie kümmern aber ich bin ja hier ständig mit Einzelheiten beschäftigt, ich werde wegen jeder Sache gefragt. Diesen Unternehmern zu helfen, aus diesem selbstgebauten Hamsterrad raus zu kommen und ein Unternehmen zu haben wo sie zwar noch am Unternehmen dann arbeiten aber bei weitem nicht mehr so stark im Unternehmen involviert sind. Das nenne ich Leadership-Intensiv, genau. Wer da Interesse hat, soll gerne auf meine Seite gehen oder einfach per E-Mail Kontakt mit mir aufnehmen.

[00:21:25] – Judith Geiß
Genau, wie bei der Einführung besprochen, ob Sie lieber Videos anschauen, ob Sie lieber lesen oder ob Sie lieber hören, sowie jetzt den Podcast, Bernd hat da verschiedene Dinge vorbereitet und ich gehe davon aus in diesem Programm ist es ja auch so, dass man sich dann erstmal austauscht, ob man zusammenpasst. Die Chemie ist sehr wichtig in solchen Themen. Also von dem her darf ich Ihnen das wärmstens ans Herz legen.

[00:21:48] – Judith Geiß
Jetzt ist die Zeit schon wieder rum sozusagen für heute lieber Bernd. Ich sage vielen, vielen Dank, dass du heute dabei warst, dass du dein Wissen mit uns geteilt hast und freue mich natürlich auch, weil wir werden dieses Jahr noch mal sprechen wenn mein Buch dann rauskommt. Von dem her also: vielen Dank! Auch, dass du sozusagen schon in den Anfängen hier zu Besuch bist und was für mich mit ein Grund war, warum du sozusagen der Erste warst, den ich hier interviewe, du hast mir damals die Chance gegeben, das erste Podcast-Interview zu führen. Also auch in dem Sinne noch mal vielen, vielen Dank.

[00:22:19] – Dr. Bernd Geropp
Ich bedanke mich bei dir. Es hat mir viel Spaß gemacht.

[00:22:22] – Judith Geiß
Bis demnächst.

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