Buchlesung zur „Übernahme-Formel“: Was Sie für eine gelingende Post Merger-Integration über Amerikaner wissen sollten

 

 

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Inhalt / Links zu dieser Episode:

Heute ist ein ganz besonderer Tag, den es zu feiern gilt! Denn: vor genau einem Jahr wurde Judith Geiß´ Buch „Die Übernahme-Formel“ veröffentlicht! Zu diesem Anlass erwartet Sie heute der Mitschnitt der ersten Online-Lesung zum Buch, die gleichzeitig, dank der engagierten Gäste, auch zum Übernahme-Talk wurde.

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Herzliche Grüße und bis bald,

Ihre Judith Geiß


Transkript der Podcast-Folge:

Übernahme als Chance. Der Podcast von und mit Judith Geiß. Sie und Ihr Unternehmen sind von einer Übernahme betroffen? Dann sind Sie hier genau richtig. Judith Geiß, die Expertin für US-amerikanische Übernahmen im deutschsprachigen Raum, teilt mit Ihnen wertvolle Tipps und Tricks und zeigt Ihnen, wie Sie diese Veränderung für sich und Ihr Unternehmen nutzen können. Ganz nach dem Motto: take the chance.

Judith Geiß: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Episode des Übernahme als Chance-Podcasts. Der ein oder andere von Ihnen wird sich wundern, denn normalerweise kommen die Folgen des Übernahme als Chance-Podcasts nicht am Wochenende. Diesmal eine Ausnahme, und zwar anlässlich eines ganz besonderen Tages. Und zwar wurde vor einem Jahr mein Buch „Die Übernahme-Formel“ veröffentlicht. Ein ganz besonderer Tag, den es natürlich zu feiern gilt. Und wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben im Podcast, mag ich es, Erfolge zu feiern.

Für mich persönlich war es natürlich ein riesen Meilenstein, “Die Übernahme-Formel” zu veröffentlichen und damit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörern, aber auch den Lesern der “Übernahme-Formel” die Möglichkeit zu geben, Unterstützung zu finden beim Lesen der “Übernahme-Formel”, die ganz konkret mit Tipps und Tricks und Praxisbeispielen dafür sorgt, dass Sie besser durch den Übernahme-Prozess kommen. Was meine ich mit besser? Ja, ich würde mal sagen vorbereiteter. Und da das Buch für sich selbst sprechen kann, teile ich heute eine ganz besondere Veranstaltung mit Ihnen.

Von der Buchlesung zum Übernahme-Talk

Zu Thanks Giving Im letzten Jahr habe ich das erste Mal eine Online-Lesung angeboten. Daraus wurde nicht nur eine Lesung, sondern auch ein Übernahme-Talk, denn ich hatte verschiedene Gäste mit dabei, die dann sich spontan auch zu Wort gemeldet haben. Und so ist ein Übernahme-Talk entstanden. Für den einen oder anderen, der nicht dabei war, sicherlich sehr interessant, aber auch für die, die dabei waren. Reinhören lohnt sich bestimmt. Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß bei einer ganz besonderen Episode und wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende.

Ach so, bevor ich es vergesse: Warum sollte man nur einmal feiern? Daher strahle ich die nächsten Wochen die vier Teile zur Übernahme-Formel noch mal aus. Letztes Jahr waren das besondere Folgen, die Stück für Stück auch einen Blick in das Buch geben. Sicherlich ist das eine oder andere Interessante für Sie dabei. Deshalb freuen Sie sich schon jetzt auf die nächsten Episoden zur “Übernahme-Formel”. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag.

Der einschneidende Moment: die Bekanntgabe der Firmenübernahme

Judith Geiß: [00:00:00] Starten wir direkt rein und zwar mit einem der Dinge, die man immer beachten sollte bei einer Übernahme. Und ich höre es immer wieder, aber die Aussage stimmt leider: Es kann jeden treffen. Und der eine oder andere jetzt in der Runde, der wird diesen Moment kennen, den ich jetzt erst mal zeige: Was wohl passiert, wenn genau der Moment ist, wo man es selbst erfährt.

Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf, holen die Zeitung und lesen auf der ersten Seite, Ihre Firma wurde von einem US-amerikanischen Konzern gekauft. Sie haben nichts geahnt und dachten, dass es Ihre Firma niemals treffen würde. Ihr erster Gedanke ist: Das kann nicht sein. Es fühlt sich unwirklich an. In Ihrem Kopf beginnt sich ein Karussell zu drehen. Dann fahren Sie ins Büro und hören, wie Ihr Handy brummt und summt. Sie ahnen schon, was jetzt vor Ort los ist. Es gleicht einem Hühnerhaufen. Alle rennen wie wild umher, denn alle haben wie Sie auf dieselbe Art und Weise davon erfahren, dass die Firma verkauft wurde. Alles ohne Vorwarnung. Und dann war die Presse schneller.

Typischerweise lautet nun die erste offizielle Kommunikation, dass sich nichts ändern wird. Dies ist leider meine Erfahrung aus der Praxis. Zunächst möchten Sie das natürlich glauben, aber ich sage Ihnen: Wieso sollte alles beim Alten bleiben? Was wäre dann der Grund, warum Ihre Firma gekauft wurde? Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine gebrauchte Immobilie, ein Haus oder eine Wohnung. Lassen Sie hier auch alles beim Alten? Ich glaube nicht.

Perspektivwechsel: Es gibt Strategien für die Post Merger-Integration

Judith Geiß: [00:01:42] Erst mit der Zeit werden die Auswirkungen deutlicher. Manchmal schleichend, manchmal gefühlt auf einen Schlag. Sie bekommen E-Mails von amerikanischen Kollegen und müssen auf einmal jemandem erklären, was Sie genau tun. Meist noch auf Englisch, was Sie noch mehr verunsichert. Letztendlich sind Sie enttäuscht, dass die Ankündigung, alles bleibe wie bisher, sich als falsch erweist. Denn es wird sich vieles ändern. Sie sollten also darauf gefasst sein, dass bei Ihnen irgendwann alles anders sein wird. Nicht besser, nicht schlechter, aber anders. Alte Hierarchien gelten nicht mehr. Der neue Vorgesetzte sitzt in den USA und kommt nur ab und zu bei Ihnen in Deutschland vorbei. Oder Sie selbst sitzen öfters im Flugzeug in die USA, statt in Deutschland das Geschäft voranzubringen.

Aber Stopp! Hier gibt es praxiserprobte Lösungen, um das alles leichter und besser bewältigen zu können und nicht im Chaos unterzugehen. Viele Betroffene holen sich meist erst Unterstützung, wenn es fast schon zu spät ist. Das können Sie nun anders machen. Mit dem Buch “Die Übernahme-Formel” erhalten Sie eine Vorstellung, was auf Sie zukommt und was Sie als nächstes tun müssen. Es schärft das Verständnis dafür, dass es nur gemeinsam als Team weitergeht. Durch diesen Prozess kommt keiner alleine durch. Aber er ist machbar, wenn man die richtigen Dinge zur richtigen Zeit tut.

Kommunikation als (fehlende) Schlüsselkompetenz

Gerade in der Vergangenheit war es immer wieder so wichtig, diese Erfahrung zu haben, dass einfach viel kommuniziert wird. Ich glaube, es gibt keinen Kunden, bei dem nicht kommuniziert wird, dass sich nichts ändert und das letztendlich dann für die Mitarbeiter gefühlt das Schlimmste ist. Manchmal glaubt man das gar nicht, aber ich höre so oft im Treppenhaus oder sonst wo, dass es genau darum geht und das meist noch Monate, manchmal sogar Jahre später, dass diese Enttäuschung ursprünglich einfach noch sehr tief verankert ist.

Armin Sarstedt: [00:03:36] Da muss man fairerweise dazusagen, dass sehr oft bei den übernommenen Unternehmen bis auf die höchste Führungsetage hin dieser Glaube besteht. Also es nicht nur anders klar ist. Aber man irgendeine Märchenstunde den Mitarbeitern erzählt, sondern bis in die höchste Führungsebene wird das oft geglaubt.

Judith Geiß: [00:03:54] Ja, also da auch der Hinweis, Armin hat ja das Geleitwort dazu geschrieben, ist selbst sehr erfahren mit diesen Themen gewesen. Und in dem Austausch, bevor er jetzt hoffentlich dann auch mal sein Buch schreibt, hat er zumindest bei mir begonnen im Geleitwort.

Armin Sarstedt: [00:04:10] Ja, man muss klein anfangen, und zum Buch schreiben muss ich erst mal selbstständig sein. Das wird erst ab nächsten Mittwoch der Fall sein.

[00:04:16] Zumindest stehen im Hintergrund schon jede Menge Bücher.

Armin Sarstedt: [00:04:19] Das ist ein virtuelles IKEA Regal. Aber ich kann mich auch auf einen Mond setzen, wenn Sie mögen.

Eine Übernahme kommt über Nacht … und bleibt

Judith Geiß: [00:04:26] Da sind wir flexibel. Ich würde dann weitergehen im Buch, grad noch mal einen Ausschnitt auch für diese Themen, die jetzt daraus resultieren. Und passend zu dem heißt die Überschrift: „Warum es nicht hilft, den Kopf in den Sand zu stecken.“

Ja, erinnern Sie sich an mein Beispiel des Immobilienkaufs? Veränderung ist nach einer Übernahme unabdingbar. Doch ich sehe in meinen Projekten meist, dass erstmal der Kopf in den Sand gesteckt wird, nach dem Motto „Nur nicht auffallen“, dann wird es schon vorbeigehen, quasi wie eine Grippe, durch die man durch muss. Ich sage Ihnen etwas: Das geht nicht vorbei. Es kommt zwar über Nacht, aber es bleibt. In dieser Situation gibt es lediglich drei Alternativen: Take it, change it or leave it. Ich weiß, das sind harte Worte, und als ich sie ganz persönlich zum ersten Mal gehört habe, dachte ich mir: Wie kann man nur so etwas sagen? Mittlerweile weiß ich, dass diese Worte die Situation sehr gut zusammenfassen. Aber lassen Sie uns gemeinsam die drei Optionen durchgehen, die man in diesem Moment und eigentlich immer im Leben hat.

Strategie Nr. 1: Take it!

Take it! Nehmen Sie die Situation an, so wie sie ist, und stellen Sie sich der Herausforderung. Aber wenn Sie sie annehmen, dann stehen Sie auch zu 100 Prozent dazu. Da gibt es keine halben Sachen. Hin- und hergerissen zu sein, raubt Ihnen mehr Energie und Konzentration, als Sie es sich vielleicht vorstellen. Daher ist es besser, sich zu entscheiden. Sie müssen sich ja nicht gleich für die nächsten Jahre binden. Setzen Sie sich ein Datum, bis zu dem Sie sich jetzt entschließen können, dass Sie dabei bleiben und nicht mehr zweifeln. Bringen Sie sich ein und nehmen Sie so aus dieser Phase selbst viel mit für Ihren weiteren beruflichen Werdegang. Setzen Sie sich also selbst auch eigene Ziele für diese Zeit. Dies wird Ihren Fokus verändern und Sie entlasten.

Strategie Nr. 2: Change it!

Change it! Ändern Sie die Situation, soweit Sie es können. Der Nachsatz ist wichtig. Ändern Sie das, was Sie ändern können. Geben Sie dem Ganzen eine Chance und öffnen Sie sich für das, was kommt. Nur weil sich etwas verändert, muss es ja nicht schlecht sein. Überlegen Sie selbst, was Sie tatsächlich ändern können. Dazu gehört, wie Sie mit der Situation und den Reaktionen Ihrer Kollegen umgehen. Möglicherweise möchten Sie die Chance nutzen und in eine andere Abteilung wechseln oder andere Aufgaben übernehmen. Prüfen Sie, womit Sie genau unzufrieden sind, was Sie belastet oder stört, statt in ein generelles Jammern zu verfallen. Überlegen Sie, was Sie stattdessen begeistern könnte. Nur wenn Sie genau hinschauen, können Sie Ihre Chancen im Change entdecken.

Strategie Nr. 3: Leave it!

Leave it! Sie können sich mit den ganzen Veränderungen nicht arrangieren und Sie haben das Gefühl, es ist einfach nichts mehr, wie es war. Sie wollen dem Ganzen bewusst keine Chance geben. Das ist ok. Dann gilt es, jetzt Entscheidungen zu treffen, gerne mit dem Arbeitgeber zusammen, um für alle eine gute Lösung zu schaffen.

Judith Geiß: [00:07:44] Jeder von uns kennt den Kollegen, der irgendwie unglücklich mit seinem Job ist, aber nichts ändern will. Eine der häufigsten Begründungen lautet: Da würde ich zu viel Geld verlieren, wenn ich jetzt wechsle. Klar, auch das ist verständlich. Aber es gibt so viel mehr Möglichkeiten da draußen, die nur erkennt, wer sich ernsthaft damit beschäftigt.

Jeden Tag mit schlechter Laune zur Arbeit zu gehen und sich montags schon auf das Wochenende zu freuen, ist wohl nicht wirklich die beste Art, seine Lebenszeit zu verbringen. Oder sehen Sie das anders? Ich muss persönlich sagen, als ich damals dieses “Take it, change it or leave it” gehört habe von meiner damaligen Chefin, hat es nicht nur positive Emotionen in mir hervorgerufen, weil ich dann, wie soll ich sagen, ziemlich emotional darauf reagiert habe. Wie kann sie das nur sagen? Und das kann doch alles so nicht wahr sein. Aber letztendlich und mit viel Abstand, musste ich dann leider zugeben, sie hat Recht. Und auch wenn ich heute selbstständig bin, leitet mich das immer wieder, dass ich sage: Okay, mache ich das jetzt, mache ich es nicht mehr, mache ich es vielleicht auch anders und nehmen die Dinge für mich heraus. Und das versuche ich eigentlich dann auch nicht nur jetzt in Form des Buches, sondern auch in der Begleitung letztendlich dann auch zu vermitteln, weil es immer so ist, dass wenn alle unglücklich sind, macht es einfach keinen Spaß mehr. Und neben all dem, was eine Übernahme mit sich bringt, wie anfänglich auch gesagt, kann man das nur im Team wirklich erreichen und es kann keiner nur alleine.

 

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Und plötzlich ist Englisch Unternehmenssprache

Judith Geiß: [00:09:13] Und deshalb war es mir auch ein wichtiges Anliegen, dass das Teil im Buch ist, um das noch mal so deutlich zu sagen. Und alle drei Optionen sind in Ordnung. Das ist das Wichtigste dabei. Man muss nur selbst dahinter stehen. Was mir auch wichtig war in dem Buch, ist, dass es auch Praxisbeispiele bringt und auch Tipps. Deshalb würde ich als nächstes auch auf ein Praxisbeispiel eingehen. Ja, es ist deshalb Praxisbeispiel Nummer eins, weils eine meiner nachhaltigsten Erfahrungen war, die ich selbst mitgemacht habe, und weil es leider etwas ist, was viel zu oft vergessen wird. Stolperstein Englischkenntnisse.

Frau A., schon seit 30 Jahren im Unternehmen, hatte sich von der Pike auf hochgearbeitet. Als Leiterin Finanzen kannte sie nicht nur alle Zahlen, Daten und Fakten, sondern auch die Unternehmensgeschichte. Im Haus war sie als Expertin gefragt, und so gab es keinen Zweifel, dass sie auch für die neuen Kollegen in den USA eine wichtige Gesprächspartnerin sein sollte. Allerdings gab es ein Problem: Ihr Englischunterricht in der Schule lag Jahrzehnte zurück, und sie war schlicht nicht in der Lage, spontan ein Gespräch auf Englisch zu führen.

Bei der ersten Telefonkonferenz saß ein Auszubildender neben Frau A. um zu dolmetschen. Der junge Mann gab sein Bestes, doch seine erfahrene Kollegin fühlte sich wie im Nebel. Sie spürte, dass sie mit ihren Ausführungen bei den US-amerikanischen Kollegen nicht durchkam. Die Stimmung war angespannt. Einem deutschen Käufer hätte sie alles bis ins Detail erläutern können. Nun verstand sie nicht einmal die Fragen, und selbst die Übersetzungen halfen wenig, weil fachlich keine gegenseitige Verständigung zustande kam.

Judith Geiß: [00:11:07] Sie können sich vorstellen, was das mit dieser Frau gemacht hat. Sie hat das Unternehmen kurze Zeit später verlassen, und damit war ihr großer Erfahrungs- und Wissensschatz verloren. In einer ruhigen Minute frage ich mich immer wieder einmal: Musste das wirklich sein? Natürlich hätte sie nicht über Nacht fließend Englisch lernen können, aber es sollte doch möglich sein, einer so qualifizierten Mitarbeiterin eine angemessene Unterstützung zu bieten.

Sind Sie fit für ein Online-Meeting auf Englisch

Fühlen Sie sich in der Lage, mit Ihrem Englisch eine Telefonkonferenz von zwei Stunden konzentriert und aufmerksam durchzuhalten? Überraschend angesprochen zu werden und Rede und Antwort zu stehen? Ich kann nur sagen, ich musste das lernen und war dabei natürlich nicht perfekt. Mir haben damals schon wenige Stunden bei einer Englisch-Trainerin gereicht, um sicherer zu werden und damit auch weniger Angst davor zu haben, dass ich Fehler mache.

Auch das Thema ist eines, was mich sehr, sehr oft begleitet. Auch das ist wie mit den Excel-Kenntnissen oder mit sonstigen Kenntnissen, dass man sich vielleicht manchmal auch überschätzt, dass man denkt, man kann es. Es ist nicht immer der Fall, dass es Jahrzehnte her ist, sondern man ist es einfach nicht gewohnt. Und es ist wie auch mit anderen Fertigkeiten: Man lernt es nicht von heute auf morgen. Und ich bin immer verwundert, dass ich zu Kunden komme nach einer Übernahme, wo es keine Englisch-Kurse oder kein Angebot dafür bei den Kunden gibt. Und dann muss ich sagen, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen, wie sollen wir uns dann verstehen und die entsprechenden Brücken bauen?

Doris Reimann: [00:12:48] Ja, mich würde mal interessieren Judith, wie das generell so ist. Also diese Situation, die du da beschreibst, tritt ja wahrscheinlich häufiger auf. Warum wird da kein Übersetzer oder kein Dolmetscher mit dazu geholt? Also, das muss ja im Grunde auch den Amerikanern, die so ein Unternehmen kaufen, klar sein, dass nicht jeder Deutsche fließend Englisch sprechen kann.

Judith Geiß: [00:13:11] Also, ich setze gern an, was man selbst ändern kann. Und gerade wenn man in einem Unternehmen arbeitet, wo man weiß, man verkauft oder man ist im Verkaufsprozess und es gibt ja Leute, die es wissen, wäre das spätestens dann der Zeitpunkt, wo ich genau das anbiete. Das heißt, dass ich auch das Unternehmen darauf vorbereite. Ich weiß vielleicht auch im Endeffekt nicht, also einer meiner Kunden hat mich mal angerufen und gesagt: Judith, wir haben jetzt ein Problem. Wir wollten weiter mit dir arbeiten. Aber es ist Folgendes passiert: Nicht die Amerikaner haben den Zuschlag bekommen, sondern die Chinesen. So, und dann habe ich gesagt, gut. Und wo ist jetzt das Problem? Weil es ist Kultur, die sich miteinander verstehen muss. Keiner in Deutschland wird Chinesisch lernen, um sich auszutauschen, es ist weiterhin das Thema Englisch und so weiter.

Und da sage ich, wenn ich im Verkaufsprozess bin, ist es ja nicht, dass er über Nacht wirklich stattfindet. Und dann muss sich das deutsche Unternehmen meiner Meinung nach auch selbst vorbereiten. Das andere ist, man überschätzt die eigenen Kenntnisse, die man hat, und das andere ist, man will sich nicht die Blöße geben, es so offen zu sagen. Es soll schon Projekte gegeben haben, Armin, du kennst es mit Sicherheit auch, wo man gedacht hat, der andere spricht gutes Englisch, und wo das Projekt quasi in Richtung Wand fährt, bis man mal versteht, dass er schlicht und ergreifend den amerikanischen Kollegen gar nicht versteht, aber es gut zu verstecken weiß.

US-Amerikaner erwarten, dass Englisch gesprochen wird

Armin Sarstedt: [00:14:23] Oder sie glaubt zu verstehen, aber falsch versteht und es ihm gar nicht bewusst ist. Aber ich glaube, wenn ich dann noch was ergänzen darf zu der Frage von der Doris: Da kommt noch ein Punkt dazu, den darf man nicht unterschätzen. Judith hat gerade den Unterschied zwischen Amis und Chinesen angesprochen. Für die Chinesen, da würde ich sogar den Credit für geben, den Chinesen. Die wissen genau, dass man auf dem Rest der Welt kein Mandarin spricht. Und die geben sich auch alle Mühe, in der Welt auf Englisch zu kommunizieren. Das klingt dann zwar kurios, man hat Schwierigkeiten es zu verstehen und die haben Schwierigkeiten uns zu verstehen. Aber die Akzeptanz für die unterschiedlichen Sprachen ist bei Chinesen größer. Das gilt für viele, viele andere auch. Bei den Amerikanern – und es klingt jetzt brutal, was ich sage, aber ich meine es so, wie ich es sage – ist die Akzeptanz für andere Sprachen, andere Kulturen nicht da. Für die Amerikaner beginnt die Welt an der Westküste und endet an der Ostküste und beginnt an der mexikanischen Grenze und endet an der kanadischen Grenze. Wenn Sie von Ausland reden, dann denken Sie oft noch an UK. Halt so ein bisschen, da sind sie sprachlich noch hin verbunden. Und wenn sie im Rest der Welt unterwegs sind, z.B. wenn sie in Deutschland sind, da haben sie mich dann gefragt: Warum gibt es in dem Restaurant keine englische Speisekarte? Warum steht hier nichts auf Englisch? Warum kann der kein Englisch? Und dann habe ich zurückgefragt: Wenn ich in den USA, also ich war zwischen acht- und zehnmal pro Jahr in den USA gewesen, wenn ich dort in ein Restaurant gehe und frage nach eine deutsche Speisekarte: Glaubst du, dass ich eine kriege? Dann haben sie mich mit großen Stielaugen angeguckt, haben zwar in dem Moment technisch verstanden, was ich meine, aber das inhaltlich emotionale Verständnis für das, was ich sagen wollte, ist überhaupt nicht angekommen.

Armin Sarstedt: [00:16:04] Für die Amerikaner ist es selbstverständlich und das darf man nicht unterschätzen, es ist selbstverständlich, dass der Rest der Welt Englisch spricht und Englisch versteht, und zwar, wenn ich von Englisch rede, primär mal amerikanisches Englisch. Mit britischem Englisch kommt man schon durch, aber man hat, wenn man unser Schulenglisch gelernt hat, das ist ja eher britisch geprägtes Englisch, hat man ja oft auch Schwierigkeiten, die Amerikaner zu verstehen. Einmal vom Slang und zum anderen auch von den Wörtern her. Es sind andere Wörter an einigen Stellen und die Akzeptanz bei den Amerikanern ist da bei Null, schlicht bei Null. Es gibt wenige Ausnahmen. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber grundsätzlich ist da die Akzeptanz gleich null. Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Man kann darüber jetzt schimpfen, man kann darüber klagen. Ist alles okay. Man ändert es aber nicht.

Amerikanischen Gewohnheiten passen nicht immer in den deutschen Alltag 

Judith Geiß: [00:16:48] Ja, und manchmal ist es auch das Interessante im Miteinander, während du das gerade so gesagt hast, das sind manchmal die Banalitäten. Eine der Anekdoten aus dem Projekt, die ich immer wieder erzähle, weil ich es so unfassbar finde, ist: Bei einem meiner Kunden gab es quasi eine Betriebskantine. Das war die Tankstelle quasi vor der Tür. Und der amerikanische Kollege sagt, er holt sich da mal eben was und kommt dann gleich wieder. Ja, okay. Also, er wird sich ja wohl was kaufen können. Kein Problem. Ja, dann stand er in der Tankstelle, hat sich eine Brezel gekauft und eine Cola und wollte das vor vielen, vielen Jahren, bestimmt vor acht oder neun Jahren, mit der Kreditkarte zahlen. Was ist wohl passiert? Die haben die Kreditkarte nicht angenommen, weil mindestens x Euro. Und dann rief die Tankstelle bei der Assistentin an und hat gesagt: Könntet Ihr mal Euren Kollegen hier auslösen, wir können die Kreditkarte nicht annehmen.

Armin Sarstedt: [00:17:38] Dazu sollte man vielleicht auch verstehen: Ich war zehn Jahre lang in einem sehr großen amerikanischen Konzern, den jeder von euch kennt. Und wenn man dort in Kalifornien oder in Oregon oder in Arizona, wo man halt immer war, oder in New Mexico in die Werkskantine gegangen ist, dann hat man wie selbstverständlich 2 Dollar, 3 Dollar 4 Dollar mit der American Express, noch nicht mal Mastercard, mit der Amex-Karte bezahlt. Die ganze Kantine war darauf eingerichtet, es war alles sauber eingerichtet, und das war einfach selbstverständlich.

Auch das wieder, überhaupt kein Verständnis dafür da, dass das hier bei uns nicht geht. Aber ich muss gestehen, ich habe da manchmal auch kein Verständnis, wie man sich bei uns mit solchen Themen anstellt. Aber für den Amerikaner ist es einfach nicht verstehbar. Ich sage nicht, dass es nur blöd ist bei uns und der Ami Recht hat und wir zu blöd sind, da uns richtig zu bewegen. Das ist nicht das, was ich meine. So meine ich das nicht, aber in seine Schuhe reingestellt oder in seine Situation versetzt: Er kennt es gar nicht anders. Also, auch in der Betriebskantine – und wenn du sagst, die Tankstelle ist ja die Betriebskantine, dann ist es für den normal, dass der seine Amex da durchzieht.

Judith Geiß: [00:18:43] Könnte er heute auch dank Corona.

Armin Sarstedt: [00:18:46] Amex immer noch nicht, die Amex kann er im Zweifelsfall immer noch nicht.

Judith Geiß: [00:18:48] Das stimmt.

[00:18:50] Viel Spaß auf dem Weihnachtsmarkt.

Judith Geiß: [00:18:51] Genau.

Armin Sarstedt: [00:18:53] Das einfach dazu. Für den war das ganz normal. Das war auch für den Ami keine Provokation. Der deutsche Kollege oder auch die Tankstelle, das Tankstellen-Personal hat das vielleicht sogar als Provokation empfunden. Ich weiß es ja nicht, aber das ist für den Amerikaner einfach nur normal gewesen und er war vermutlich schockiert. Hat die Welt nicht mehr verstanden, als er da an der Tankstelle rollende Augen vor sich gesehen hat.

Fehler sind menschlich – auch in der Post Merger-Integration

Judith Geiß: [00:19:17] Ja, also es waren einige Kollegen da, wie gesagt Betriebskantine. Die saßen da an Bistro-Tischen, wie man das noch früher gehabt hatte, als das alles noch ging. Die haben einfach geschmunzelt, und ich muss sagen, was es bewirkt hat, ist: Er wurde in dem Moment menschlicher. Man hat ihn anders wahrgenommen. Auch er macht Fehler. Ich kann vielleicht auch Fehler machen. Das heißt, es hat viel Positives bewirkt.

In dem Fall war es jemand, der den Internal Audit geleitet hat, als Direktor weltweit. Das heißt, der hatte schon allein mit seiner Funktion eine gewisse Autorität und Respekt. Und so hat jeder dann mal kurzzeitig verstanden: Er ist auch nur ein Mensch. Und im Nachhinein, die erzählen sich das heute noch! Das weiß ich aus gut unterrichteten Quellen, einfach weil es so eine schöne Geschichte ist. Ohne sich jetzt auch lächerlich zu machen, sondern einfach noch mal: Ja, wir kriegen vielleicht oft genug gesagt, dass wir einen Fehler gemacht haben oder dass wir noch mal was anpassen müssen. Aber auch die Amerikaner lernen dazu. Natürlich ist es nicht nochmal passiert. Er war regelmäßig da, aber auch da am Rande die Anekdote: Warum war er regelmäßig da? Natürlich um uns zu helfen. Aber, es war so circa … der Kunde lag 30 Minuten von Heidelberg entfernt, und für den war das natürlich total reizvoll, weil er dann immer im Marriott war, mit Blick aufs Heidelberger Schloss. Von dem her auch da, eine andere Übernahme in Deutschland, die er auch begleitet hat, da war er nicht so oft – das lag nicht so schön. Auch das. Also typisch, was man so sagt: die Amerikaner, wenn sie Deutschland besuchen, irgendwie. Berlin, München, Heidelberg oder so ähnlich. Als gebürtige Heidelbergerin würde ich sagen, Heidelberg kommt natürlich zuerst, weil es die schönere Stadt ist. Aber ich glaube, darüber sollten wir nicht streiten. Wir würden auch Dresden ganz nett finden, Armin.

Armin Sarstedt: [00:20:55] Im Ernst? Wenn das so ist, dann sag das doch gleich, dass du Dresden nett findest.

Judith Geiß: [00:21:00] Das weißt du doch. Ich war normalerweise immer regelmäßig da.

Armin Sarstedt: [00:21:06] Also, wenn du Dresden nett findest, lässt sich alles einrichten. Noch eine Geschichte zu der Kreditkarte. Der nächste Schritt, wenn man ihn nie ausgelöst hätte, wäre gewesen, dass er Bargeld aus der Hosentasche geholt hätte.

Judith Geiß: [00:21:16] Hat er.

Armin Sarstedt: [00:21:19] Aber Dollars.

Judith Geiß: [00:21:20] Natürlich. Was sonst?

Armin Sarstedt: [00:21:26] Vielleicht dazu auch noch schnell ein Anekdötchen. Das passt wunderbar rein. Ich war neben den acht- bis zehnmal in den USA noch zwei-, dreimal im Jahr in Asien, davon einmal im Jahr, immer im November, mit meiner amerikanischen Chefin, die sehr global gedacht hat, die sehr global unterwegs war im Vergleich zu vielen anderen. Aber wenn wir dann da in Taiwan waren, in China, in Malaysia, Singapur, Korea, immer so eine ganze Woche auf Tour gewesen, da hat sie immer gesagt: Armin, du weißt, du musst mir Geld geben. Ich habe nur Dollars. Und die wusste, dass ich immer so einen Packen mit den ganzen asiatischen Währungen hatte, mit so einer McKinsey Klammer festgemacht, und hatte für die ganzen Länder das Geld dabei. Sie hatte immer nur Dollars gehabt. Obwohl sie jetzt wirklich eine weltoffene Frau war oder noch ist, die die unterschiedlichen Kulturen viel, viel mehr respektiert als viele andere Amerikaner, war sie trotzdem nur mit Dollar und Kreditkarte unterwegs. Es ist einfach so. Wie gesagt, man kann sich drüber lustig machen. Wir haben uns auch regelmäßig darüber lustig gemacht. Nachdem wir uns dann besser kannten, hat sie sich selbst mit drüber lustig gemacht, aber hat konsequent nur Dollars dabei gehabt.

Judith Geiß: [00:22:29] Das heißt auch dann, sie sei authentisch.

Armin Sarstedt: [00:22:31] So kann man das natürlich auch sagen. Man muss es einfach verstehen. Und man kann den Kopf schütteln, das ist auch völlig legitim, darüber den Kopf zu schütteln. Aber es hat keinen Sinn zu glauben, man könnte dagegen ankämpfen, dass ist das, was ich sagen will.

Doris Reimann: [00:22:45] Vielleicht ist es ja auch so, dass Dollar überall gern gesehen werden auf der Welt und dass das dazu führt, dass die einfach gar nicht umtauschen müssen.

Armin Sarstedt: [00:22:58] Da hast du völlig Recht, da ist was ganz Wahres dran.

Doris Reimann: [00:23:02] Ja genau. Eine andere Sache noch zu den Sprachen. Also ich meine, ich habe jetzt nicht diesen Konzern-Background, den du da beschreibst, Armin. Aber ich bin auch sehr viel international unterwegs und in internationalen Netzwerken, vor allem in amerikanischen. Und da habe ich immer den Eindruck, die freuen sich alle, dass man als Ausländer, als Deutscher, eben auch gut Amerikanisch oder Englisch spricht. Und da habe ich eigentlich nicht so dieses Gefühl, dass die das erwarten, sondern das ist eher, dass sie positiv überrascht sind, wenn man halt auch gut Englisch spricht oder wenn man überhaupt versucht, Englisch zu sprechen, also wie gut oder schlecht man es gerade kann. Also, das ist meine Erfahrung, die ich habe.

Armin Sarstedt: [00:23:45] Ja, das ist ja kein Widerspruch zu dem, was ich gesagt habe. Da gebe ich dir 100 Prozent Recht. Ich habe auch eine ganze Zeit lang in Frankreich gelebt. In Frankreich war das so, wenn man mit den Leuten, ich war aber auch dort für eine deutsche Firma in einer amerikanischen, in der Nähe von Paris. Wenn man dort mit den Leuten erst ein bisschen auf Französisch geredet hat, haben die Franzosen dann freiwillig auf Englisch umgeschaltet. Wenn man gleich auf Englisch angefangen hat, haben sie abgeblockt. Das ist der Unterschied zu den Amerikanern. Natürlich freuen die sich, aber die werden dann dir zuliebe nie auf Deutsch umschwenken, weil da haben sie gar keine Ahnung von. Und auch wenn sie nach Deutschland kommen, erwarten sie, auch wenn sie sich freuen, dass du mit ihnen Englisch redest oder dass der Tankwart in der Betriebskantine vielleicht Englisch kann. Sie werden trotzdem nie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, es gibt immer Ausnahmen, das ist nicht 100 Prozent richtig, aber es ist 95 Prozent richtig, sie werden nicht auf Deutsch umschwenken, weil sie können es gar nicht.

Judith Geiß: [00:24:32] Na ja, das ist eine Unterstellung. Da kann ich nur sagen: Vorsicht! Viele, die viele Jahre einen nicht verstehen, auf alle Fälle. Und es gab schon einige Situationen, wo man dachte und ich meine, das ist auch auf Deutsch unhöflich, über jemanden herzuziehen, der am Tisch sitzt, aber die dann erst zu spät verstanden haben, dass der andere es versteht.

Armin Sarstedt: [00:24:52] Ja, da gebe ich dir Recht, aber reden wird er trotzdem nicht, denn reden kann er immer noch nicht.

Per Hallway-Talk in die Audit-Falle

Judith Geiß: [00:24:56] Genau. Aber es ist wirklich, sich da nicht zu sicher zu fühlen. Und gerade wenn wir auch das Thema Audit haben. Die Betriebskantine ist die Quelle von vielen Auditoren, was in der Realität passiert und was man den Amis gerade so vormacht. Und wenn der falsche Amerikaner quasi in der Schlange steht, dann versteht er, was gesagt wird, und er findet dann noch umso besser die Dinge, auf die er achten muss.

Armin Sarstedt: [00:25:19] Ja, gar kein Widerspruch dazu.

Kay Lied: [00:25:21] Wir hatten einen Präsidenten. Wenn der wissen wollte, was tatsächlich gesprochen wird, ist er nicht in die Kantine gegangen, sondern auf die Toilette.

Judith Geiß: [00:25:28] Ja, auch ein interessanter Punkt.

Armin Sarstedt: [00:25:31] Egal ob Kantine oder Toilette oder sonst was, das ist das, was der Amerikaner Hallway-Talk nennt.

Ängste nach einer US-amerikanischen Übernahme

Judith Geiß: [00:25:36] Ja, total interessant. Also, danke auch für eure Beiträge dazu, weil ja, wenn man es immer nur selbst erzählt, ich will nicht sagen, dass man es dann nicht glaubt. Aber spontan, wie gesagt, ist das Englisch wirklich eines der Grundpfeiler, wo einfach auch keiner drüber nachdenkt. Aber es hat massive Auswirkungen. Und Auswirkungen hat natürlich auch nämlich der nächste Teil, den ich mitgebracht habe und zwar die größten Ängste bei einer Übernahme.

Die US-amerikanische Übernahme eines Unternehmens ruft unmittelbar Bilder in den Köpfen wach, denn das Thema ist in den Medien präsent und macht immer wieder Schlagzeilen. Wer eindrucksvoll erleben möchte, wie Menschen durch die Kommunikation von Unternehmens-Übernahmen und ihren Folgen geprägt werden, findet auch in Kinofilmen eine Fülle von Anschauungsmaterial. Was nicht unterschätzt werden sollte: Die übersteigert dargestellten Fiktionen zeigen in der Übernahme-Realität Wirkung. Die Atmosphäre in übernommenen Unternehmen ist auf vielfältige Weise von Ängsten geprägt. Sie lassen sich nicht leugnen, doch es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen und so handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben.

Tipp 1: Persönliche Gespräche einer E-Mail vorziehen 

Und wie das Ganze geht, dass man handlungsfähig bleibt, habe ich natürlich gleich als Tipp noch mit reingebracht ins Buch. Nämlich der erste Tipp lautet: mit Ihrer Kommunikation prägen Sie das neue Unternehmen. Wenn nicht Sie mit Ihrer Kommunikation dazu beitragen, die neue Identität Ihres Unternehmens als Tochtergesellschaft eines US-amerikanischen Konzerns zu entwerfen, dann werden es andere tun. Geben Sie nicht die Hoheit darüber, wie Entwicklung und das Verhalten bestimmter Personen zu deuten sind, an anderer ab, indem Sie schweigen. Ich weiß, es stehen viele Meetings an und eine E-Mail zwischendurch fällt leichter und ist schneller erledigt als ein persönlicher Austausch.Aber gerade wenn man schon viele Jahre zusammenarbeitet, sollte man regelmäßig Zeit einplanen, um zumindest kurz mit dem Team zu sprechen. Ihre Präsenz gibt Ihren Worten ein anderes Gewicht. Sie erleben die Reaktion auf das, was Sie mitteilen. Sie können Fragen beantworten und sich selbst erkundigen. Und Sie können sicherer sein, dass Ihre Informationen ankommen. Denn Weghören fällt immer noch schwerer, als bei einer E-Mail wegzuschauen und sie nicht zu lesen. Sie werden dadurch ein Gefühl dafür bekommen, wie es Ihren Mitarbeitern oder Teammitgliedern geht und was jeder aktiv selbst dazu beitragen kann, mögliche Probleme zu lösen oder für ein gutes Betriebsklima zu sorgen. Sollten Sie wie im Fall meines Kunden gerade selbst viel unterwegs sein, bitten Sie Ihren Stellvertreter oder den Teamleiter, dies zu übernehmen, und tauschen Sie sich täglich mit ihm aus.

Auch Sie als Mitarbeiter sind hier gefragt. Warten Sie nicht, bis Ihre Führungskraft auf Sie zukommt. Wenn Ihnen etwas auf dem Herzen liegt, melden Sie sich und bitten Sie um einen Termin, um Ihr Anliegen zu klären. Gehen Sie gut vorbereitet in das Gespräch, damit es konstruktiv verlaufen kann und die Zeit für beide Seiten gut genutzt ist. Also hier einfach als Ergänzung, deshalb auch der letzte Absatz, ich erlebe es oft, dass natürlich die Forderung der Mitarbeiter kommt. Und das war bei mir nicht anders oder bei meinen Kollegen damals, als wir übernommen wurden. Aber mit dem Blick von außen, und das bin ich ja mittlerweile Gott sei Dank, ist es schon so, dass man dann sagen muss, okay, aber es zwingt mich ja keiner, still zu sein.

Tipp 2: Sich nicht hinter den Amerikanern “verstecken”

Judith Geiß: [00:29:04] Oder es zwingt mich ja auch keiner, lieber im Flurfunk mitzumachen, anstatt mal wirklich zu fragen, wie es wirklich ist. Und gerade das Thema Kommunikation, das kommt auch im Verlauf des Buchs immer wieder und letztendlich auch mehr oder weniger ein Erfolgsgeheimnis, was eigentlich, denke ich, immer kein Geheimnis mehr sein sollte. Aber daran liegt ganz, ganz viel in dieser Zeit. Ich habe meistens Kunden mit neuen Mitarbeitern, mit denen ich dann auch zusammenarbeite. Und um das mal in Worte zu fassen: Wenn ich 10 Leute an einem Tisch habe, sind es mindestens acht, die das Thema Kommunikation / Nicht-Kommunikation – und wir alle wissen, wir können nicht nicht kommunizieren –, die das wirklich anbringen.

Und das andere ist, dass es sehr oft das deutsche Management nicht deutlich genug kommuniziert, dass dann auch vieles, was vielleicht das deutsche Management in diesem Rahmen dieser Übernahme durchsetzen will, immer auch ins Verhältnis gesetzt wird. Das wollen die Amerikaner so. Aber ich sage immer: Der Amerikaner sitzt nicht neben mir mit der Pistole am Kopf und sagt mir, wie ich kommunizieren soll. Das ist immer noch meine Verantwortung und meine Art, wie ich das machen will. Und das kommt oft vor, dass es dann heißt: Ja, mir gefällt nicht, dass die Amis uns übernommen haben oder was die jetzt schon wieder wollen. Manchmal sind es gar nicht die Amis, die das wollen, sondern auch das deutsche Management nutzt einfach die Chance. Und das ist manchmal oder relativ oft dann auch sehr, sehr schade, weil es dann benutzt wird. Und das finde ich nicht immer gut.

 

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Der Weg zur Übernahme-Formel

Judith Geiß: [00:30:32] Ich kann da natürlich auch verstehen, wenn der andere Schuld ist, dann ist der Fokus von mir weg. Aber letztendlich hilft es dem ganzen Prozess auch nicht. Ja und letztendlich das Buch heißt ja „Die Übernahme-Formel“ und deshalb geht es jetzt darum, die Übernahme-Formel als Wegweiser durch den ganzen Übernahme-Prozess zu sehen und wie es dazu gekommen ist letztendlich. Sicherlich fragen Sie sich nun, wie es zur Übernahme-Formel gekommen ist. Basierend auf meinen Projekten stellte ich fest, dass sich bestimmte Themen und Situationen nach einer Übernahme immer wieder ergeben und die Unternehmen mal mehr, mal weniger gut darauf vorbereitet sind. Für mich war es wichtig, ein Konzept zu entwickeln, das meine Kunden und mir Orientierung im Integrationsprozess gibt und uns somit den Weg weist. Dieses Konzept ist in mehr als zehn Jahren entstanden. Ich habe es immer wieder an der Praxis überprüft, angepasst und daraus schließlich die Übernahme-Formel definiert. Sie beruht auf den drei Handlungsfeldern Abstimmen, Anpassen und Abgleichen. Selbstverständlich ist auch diese Formel eine drastische Vereinfachung. Sie soll den Blick auf die relevantesten Punkte lenken und immer wieder die Aufmerksamkeit darauf konzentrieren. Ganz bewusst habe ich mich daher für eine möglichst einfache Formel entschieden, denn genau eine solche Einfachheit werden Sie benötigen, um sich in der Fülle an Anforderungen und Informationen noch zurecht zu finden. Ja, als wir damals übernommen wurden und ich wirklich nach Literatur gesucht habe, gab es schlicht und ergreifend nichts. Also die Steuerberater natürlich. Wie mache ich so einen Merge und so weiter.

Judith Geiß: [00:32:12] Diese Sachen gabs. Es gab natürlich von Rechtsanwälten irgendwelche, wie man dann die Verträge aufsetzt. Es gab ganz, ganz viel. Aber was es nicht gab, ist: Was mach ich denn jetzt als Mitarbeiter? Oder was mache ich als Geschäftsführer oder Führungskraft? Als wir damals übernommen wurden, ich muss jetzt noch mal überlegen, das war zwischen 2005 und 2007. Und dann dachte ich, als das Thema mit dem Buch aufkam, guckst du mal, ob’s was gibt. Und ich musste da wirklich feststellen, es gibt immer noch nix. Und da sind wir wieder bei dem Punkt vom Anfang: Wenn keiner wirklich was geschrieben hat, vielleicht sollte dann mal jemand was dazu schreiben. Hätte man mir das früher gesagt, dass ich ein Buch schreibe, hätte ich gesagt, ihr spinnt – um es ganz deutlich zu sagen. Und es war auch ein eigenes Projekt und hat sich auch selbst so ein bisschen entwickelt. Aber letztendlich war es mir einfach ein Anliegen quasi, wie man immer so sagt, mir meiner Version von damals eigentlich was an die Hand geben zu können. Und daraus ist letztendlich die Übernahme-Formel dann entstanden.

Der Integrationsprozess: 1. Abstimmung mit dem Mutterkonzern

Ja, warum beginnen wir mit Abstimmen? Weil wir letztendlich ja die Abstimmung mit dem Mutterkonzern brauchen als Basis für den gesamten Integrationsprozess. Denn ohne die neuen Ansprüche aus den USA wäre der gesamte Prozess schlicht nicht erforderlich. Oft höre ich von Mitarbeitern ein Stöhnen, wenn eine Entscheidung der Unternehmensleitung bekannt gegeben wird. Schon wieder so ein fauler Kompromiss. Ja, es braucht Kompromisse, und es braucht ein Aushandeln von Vereinbarungen. Mein Ansatzpunkt ist es, stets den größten gemeinsamen Nenner zu suchen.

Judith Geiß: [00:33:52] Dies ist nicht immer einfach, zumal in der US-amerikanischen Kultur eher schnelle Entscheidungen als lange Beratung favorisiert werden. Deshalb sollten Abstimmungsgespräche sehr gut vorbereitet sein und am besten gleich die entsprechenden Lösungsvorschläge präsentiert werden. Gleichzeitig sollte eine ausreichend große Offenheit für Anpassung vorhanden sein. Statt Einwände als Kritik aufzufassen und gegebenenfalls abzuwehren, sollte also die Gesprächsbereitschaft gegeben sein und auch signalisiert werden.

Der Integrationsprozess: 2. Anpassung als Kernstück

Auch hier ist schon direkt der nächste Schritt letztendlich dann auch erwähnt als Auszug: das Anpassen. Das Kernstück des Integrationsprozesses ist die Anpassung aneinander. Im günstigsten Fall ist es nämlich keine einseitige Anpassung des übernommenen Unternehmens, sondern ein sich aneinander Annähern. Diese Anpassung erfolgt auf zwei Ebenen. Auf der Sachebene, Anforderungen an das Tagesgeschäft, aber auch auf der menschlichen Ebene, Kultur und Umgang miteinander. Dabei zeigt die Forschung, dass die Umsetzung von neuen Arbeitsabläufen um so einfacher und schneller möglich ist, je besser menschlich die Zusammenarbeit geklärt ist.

Dabei ist es wichtig, die zum Teil negativ besetzten Bilder der jeweils anderen Seiten durch Erfahrung zu ersetzen. Dies kann weitreichende Auswirkungen haben. Positive Erfahrungen können dazu beitragen, dass kulturelle Unterschiede als weniger gravierend und tendenziell eher als Bereicherung wahrgenommen werden. Negative Erfahrungen können dazu führen, dass solche Unterschiede als problematisch gedeutet werden, was häufig zu Schwierigkeiten führt. Dem persönlichen Kontakt, der bereits in der Phase des Abstimmens auf- und ausgebaut wird, kommt daher besonders in der Zeit, wenn noch keine akuten Veränderungen anstehen, große Bedeutung zu. Wenn die Abstimmung gelingt und die Interessen und Möglichkeiten beider Seiten berücksichtigt werden, sollten die Schritte der Anpassung weitgehend klar sein.

Der Integrationsprozess: 3. Abgleichen und die ersten Erfolge feiern

Judith Geiß: [00:35:51] Der dritte Teil der Übernahme-Formel ist das Abgleichen. Bevor neue Prozesse verbindlich eingeführt und Routinen verankert werden, sollte stets ein Abgleich erfolgen. Sind alle Vorgaben umgesetzt? Welche Auswirkungen haben die Neuerungen, die vorher gegebenenfalls nicht absehbar waren? Welche Erfahrungen wurden gesammelt, die auf dem weiteren Weg berücksichtigt werden sollten? Gleichzeitig wird hierbei eine neue Standortbestimmung vorgenommen. Was ist inzwischen erreicht? Was steht noch auf der Agenda? Erst wenn darüber Klarheit gewonnen ist, werden die nächsten Schritte definiert, für die es dann wieder in die Abstimmung geht. Was erreicht wurde, sollte zudem angemessen gewürdigt werden.

Gerade bei dem angemessen Würdigen ist für mich immer wieder ein Punkt, wo wir viel von den Amerikanern lernen können, weil sie ihre Erfolge feiern und nicht zum nächsten Milestone weitergehen, sondern sich das auch mal gönnen, richtig zu feiern.

Ein kleiner Test: Kennen Sie die Feiertage der Amerikaner?

Gerade heute ist Thanksgiving. Es soll doch tatsächlich Menschen geben, die an Thanksgiving einen Amerikaner zu einem Termin einladen. Dies ist so, als würden wir am 24.12. eine Termineinladung bekommen, bei der wir doch tatsächlich dabei sein sollen. Also auch da dieses Einstimmen aufeinander. Wir sind eventuell, nenn ich es jetzt mal, “not amused”, wenn am 1. Mai plötzlich gearbeitet werden soll – aber interessieren uns selbst nicht für die Feiertage des anderen oder auch halten uns selbst teilweise nicht an die Zeitverschiebung, denn wir wollen abends um 10 keine Meetings halten. Aber dass der Amerikaner, je nachdem wo er sitzt, sehr früh morgens aufsteht, das vergessen wir sehr oft. Ich weiß, Armin, normalerweise kommt von dir jetzt mit den Meetings um 10 …

Armin Sarstedt: [00:37:33] 10 ist ja auch am helllichten Tag, wenn du mit der Westküste arbeitest.

Judith Geiß: [00:37:36] Ja, natürlich. Schade, du hast mir jetzt nicht so Paroli geboten, wie ich es gewohnt bin. Aber auch da geht es wieder ums Abstimmen. Also, was kann ich kurzfristig dauerhaft mit meinem Leben verbinden? Und das auf beiden Seiten. Und was soll da eigentlich unsere Routine werden, damit wir alle happy sind?

Armin Sarstedt: [00:37:55] Ja, vielleicht trotzdem noch ein Satz zu den Feiertagen. Also, ich glaube das Thema Thanksgiving, also genau heute, Thanksgiving, Weihnachten, Chinese New Year, das sind so in den jeweiligen Kulturen die größten Familien-Zusammenkünfte. Und das ist eine Sache, die ist noch einigermaßen bekannt. Aber du hast den ersten Mai erwähnt. Der erste Mai ist der Tag der Arbeit auf der ganzen Welt, außer in Amerika, also in den USA. USA ist Labor Day irgendwann im September und viele andere Feiertage, gerade der Monat Mai ist ein Gräuel für die Amerikaner, weil wir hier und ganz besonders in Bayern auch noch mehr weg als da sind in deren Wahrnehmung. Und da ist die Rücksicht minimal, denn sie wissen es überhaupt nicht, die wollen es auch gar nicht wissen. Und es ist tatsächlich so, wie du sagst, es gibt auch mal einen Deutschen, der zu Thanksgiving einlädt, aber das ist noch relativ selten. Aber zum amerikanischen Labor Day, zum Presidents Day und wie diese ganzen Feiertage alle heißen, die kennen wir ja oft auch gar nicht. Und wir erwarten von den Amerikanern, dass die unsere Feiertage im Kalender haben. Aber haben wir deren Feiertage im Kalender? Auch nicht so oft, um ehrlich zu sein.

Kay Lied: [00:39:07] Du hast noch nicht mal die Feiertage von den anderen Bundesländern im Kalender. Und das führt auch dazu, innerhalb von Deutschland, dass man manchmal denkt, das ist doch ein ganz normaler Werktag, und versucht entsprechend Termine zu machen. Das funktioniert dann auch nicht.

Armin Sarstedt: [00:39:20] Ja, wobei, nachdem ich in in München gearbeitet habe, haben ich natürlich beides zusammengenommen. Fast alle Feiertage, mit Ausnahme des Frauentags in Berlin, habe ich in meinem Kalender drin gehabt.

Judith Geiß: [00:39:29] Den gibt es ja auch noch nicht so lange.

Armin Sarstedt: [00:39:30] Mehr als die beiden Bundesländer zusammen gibt es ja fast gar nicht an Feiertagen. Aber ist schon absolut richtig, was du sagst.

Judith Geiß: [00:39:35] Und wie gesagt, da gibt es ja auch immer die Anekdoten, wenn jemand versucht, an Rosenmontag in Köln oder Düsseldorf jemanden zu erreichen oder davon ausgeht, dass die da einen Termin machen. Also, manchmal muss man gar nicht so weit gehen.

Judith Geiß: Ja, ich möchte jetzt auf die “Übernahme-Formel” nur noch insoweit eingehen, dass es neun Bausteine gibt, die sich immer wieder herauskristallisiert haben. Warum Bausteine und keine Schritte? Diese Themen gilt es einfach im Auge zu behalten. Und auch um jetzt quasi die Zeit nicht überzustrapazieren, würde ich jetzt eine kurze Zusammenfassung geben, wie die Übernahme garantiert scheitert. Perspektivwechsel. Wenn Sie in einer Situation nicht wissen, was Sie tun sollen, dann gibt es eine einfache Methode, um zu Antworten zu gelangen. Überlegen Sie, wie Sie die Situation mit großer Wahrscheinlichkeit verschlimmern könnten. So kommen Sie schnell zu neuen, hilfreichen Ideen. Meist genügt es, das Gegenteil von dem zu tun, mit dem eine Übernahme garantiert scheitern würde. Dieses Gedankenspiel können Sie wirkungsvoll einsetzen, wenn der Integrationsprozess irgendwo ins Stocken gerät oder Konflikte spürbar werden. Deshalb fasst das letzte Kapitel typische Fehleinschätzungen nach einer US-amerikanische Übernahme zusammen und stellt hilfreiche Alternativen zur Verfügung. Ja, damit bin ich mit dem Auszug aus dem Buch quasi von meiner Seite am Ende angelangt. Ich weiß und ich hoffe Kay, deine Fassung ist angekommen?

Kay Lied: [00:41:03] Nee, tatsächlich nicht.

Judith Geiß: [00:41:05] Noch nicht? Okay, die anderen beiden haben es sowieso und der letzte im Bunde wird auch noch eins erhalten. Es ist schon in Berlin. Herr Witte hat mich informiert, dass es angekommen ist von dem her. Ja, wenn wir uns dann wieder live sehen, bevor wir uns jetzt erst mal über Teams sehen, liegt natürlich auch für Sie ein Exemplar bereit.

Kay Lied: [00:41:26] Ich habe noch eine schöne kleine Anekdote einer Reise, beruflich bedingt nach USA, mit den Kollegen nur per E-Mail kommuniziert, alles vorbereitet, war alles abgestimmt, Flug und so weiter. Und ich komme am Flughafen an, und die Kollegen finden mich nicht. Und ich finde die Kollegen nicht. Und ganz einfach: Der Grund war, die haben eine Frau erwartet. Mein Vorname mit Ypsilon wurde als Frauen-Vorname identifiziert, und sie haben nicht damit gerechnet, dass dann ein Mann am Flughafen ankommt. Das geht ja gar nicht. Ja, und dann haben sie auch noch ein Doppelzimmer mit einer Kollegin gebucht, wo ich dann sozusagen auch übernachten sollte. Das hat sich dann aber relativ schnell geklärt. Ich kam dann mit einem Kollegen in ein Zimmer. Und das werde ich nie vergessen. Das war eine schöne Geschichte, und ich liebe USA. Also, von daher hoffe ich, dass wir vielleicht in der Zukunft noch ein bisschen mehr machen können, auch international Richtung USA-Deutschland, die Brücke.

Judith Geiß: [00:42:24] Ja, definitiv. Noch irgendwelche Fragen? Oder auch vielleicht noch eine Anekdote, die wir hier in der Runde teilen wollen?

Gast [00:42:33] Frau Geiß, ich fand es jetzt erstmal auch sehr spannend, und vor allen Dingen tatsächlich so war es, was Sie da jetzt zum Teil geschildert haben. Ich selbst habe als Student, das war 1988 bis 90, in einem amerikanischen Unternehmen gearbeitet und da kam auch dreimal im Jahr Sir John der dritte mit seiner Mannschaft vorbei, und es war immer wie ein Event. Er war dann zwei Tage später wieder weg, und hinterher wurde natürlich immer gekürzt, immer um 10 Prozent gekürzt durch alle Abteilungen. Insofern war da auch das Karma schon immer schlecht. Aber diese Sichtweise auf die Amerikaner, wir haben vorhin darüber gesprochen, da drüber die Sichtweise der Amerikaner auf andere Kulturen. Aber wir dürfen nicht unterschätzen, dass wir in Deutschland auf Amerika auch eine bestimmte klischeehafte Sicht haben und der Rest als übertrieben und sonstiges betrachtet wird und im einzelnen Fall nicht nachvollziehbar. Und alle, die nicht direkt berichten müssen, sind auch relativ froh darüber. Ja und wenig ist der Gedanke, dabei eben etwas beitragen zu können zum Erfolg, sondern tatsächlich hat man im Hinterkopf: Ach, es geht auch irgendwie wieder vorüber. Ja, und insofern fand ich es bemerkenswert. Sie sagten halt „Take it or leave it“. Das kennt man von den Stones als Lied, als Song, und jetzt halt ergänzt mit change it. Und change it ist wieder halt, ich kann was tun. Ich habe selber einen Beitrag, und das ist wieder sehr amerikanisch. Das habe ich jetzt heute hier so mitgenommen als Gedanken.

Klischees sind letztlich eine hinderliche Krücke

Judith Geiß: [00:44:03] Das freut mich ja gerade. Doch der Blick, den wir auf die Amerikaner haben, da ist mir spontan noch was eingefallen, dass ich natürlich in der Nähe von Heidelberg aufgewachsen bin. Für uns waren Amerikaner ganz normal. Wir haben sie abends in der Disco getroffen, wo auch immer, in der unteren Straße, die Kneipen-Straße schlechthin, zumindest damals in Heidelberg. Also, ich bin vorhin an drei Kasernen vorbeigefahren, als ich nach Hause gefahren bin. Wir denken, wir kennen sie, wenn wir sie privat kennen. Nur da gebe ich auch immer wieder zurück: Bin ich denn privat komplett so wie im Geschäftlichen? Kann ich das? Zum Teil kann ich das, weil ich authentisch sein will. Aber letztendlich ist es doch noch mal ein anderer Anspruch. Und das andere darf man nie vergessen. Auch die Amerikaner werden natürlich daran gemessen, wie gut es mit denen in Deutschland sozusagen funktioniert. Das heißt, auch die haben Druck, auch die haben Ängste, und da ist man manchmal nicht gut beraten, wenn genau das aufeinander trifft, sozusagen. Natürlich ärgern wir uns, wenn die Amerikaner schon wiederkommen. Das haben wir damals auch. Aber wenn ich mir überlege, wie viel Zeit die im Flieger sitzen um quasi zu uns zu kommen, ist es auch ein Einsatz, der da auf der anderen Seite auch getrieben wird, und das nicht immer nur zur Kontrolle, sondern es soll tatsächlich auch die geben, die wirklich zum Unterstützen kommen.

Judith Geiß: [00:45:21] Ich meine, ich habe vorhin die Witze gemacht über das Marriott in Heidelberg und so weiter. Aber der Kollege kam wirklich. Ja, der kam wirklich, wirklich, um wirklich zu helfen. Der war irgendwie gefühlt 24/7 für uns da, hat uns Tipps gegeben, hat uns vorher gesagt, was gegebenenfalls passieren kann, hat die richtigen Fragen zum richtigen Moment gestellt und damit die Unterlagen so gut gemacht, dass wir den Audit super geschafft haben. Was hat er dafür gemacht? Er war 24/7 gefühlt wach. Er ist hin- und hergereist. Auch mit Blick aufs Heidelberger Schloss hat er uns wirklich, ja auch mir persönlich, so viel beigebracht, weil er das einfach so vermitteln wollte.

Und ja, wenn jemand anders das macht, dann ist halt auch die Bereitschaft hoffentlich da, dass man das auch annehmen kann und nicht nur dieses Etikett hat – die anderen. Weil letztendlich, ich meine, da gibt es auch immer wieder dieses „One Team“, wir sind alle eins und so weiter. Das kann man ja teilweise nicht mehr hören. Aber letztendlich, der Amerikaner wird da auch nicht mehr lange sitzen, wenn wir ihm nicht helfen, dass er dort bleibt. Und das ist vielleicht noch was: Klar, in der Situation damals bei mir habe ich das auch nicht immer so gesehen. Bei uns damals war es eher so, bei uns kam erst mal ganz lange nichts und dann kam alles auf einmal.

Judith Geiß: [00:46:32] Und ich habe mich jetzt die letzte Zeit öfters mal an die Situation erinnert gefühlt, die ich auch immer wieder in Projekten habe und um die es bei uns auch ging: Ich will endlich mal, dass man mit mir statt über mich spricht. Und dieses „über mich“, so wie es bei meiner Übernahme damals für mich ausgegangen ist, ist so, dass ich in einem Besprechungsraum eines Hotels saß und einen Slide gesehen habe, wo vorgestellt wurde, welche Stellen abgebaut werden, und meine Funktion auftauchte, weil ich war ja kein Mensch, sondern ich war eine Funktion. Und da stand ein Junior Controller. Was derjenige, der das vorbereitet hat, nicht gewusst hat: diesen Junior Controller gab es in Deutschland einmal. Also, so kann man auch von der Kündigung erfahren. Ich möchte auch nicht sagen, also weil es so oft dann heißt: Ja, willst du mir jetzt sagen, die bauen nicht ab, die verändern das nicht oder sonst irgendwas. Diese Garantie, auch die Zusammenarbeit mit mir, kann das definitiv nicht verhindern. Aber die Frage ist halt, sehenden Auges dabei zu sein, zu sagen, okay, ich gestalte oder ich mache es nicht. Aber auch bei mir war es dann so: Der Tag war da, ich guck da drauf und denk so, was ist jetzt passiert? Ich hatte gehofft, dass meine Mitarbeiterin heute mit da ist. Die war damals mit dabei und die hat mich dann angeguckt: Heißt das, dass du entlassen wirst? Und ich sagte: Ja, scheint so.

Judith Geiß: [00:47:46] Ja, aber auch das soll schon in deutschen Unternehmen vorgekommen sein. Also, es kommt nicht nur bei Amerikanern vor. Und natürlich war ich damals auch nicht mega happy, aber ich würde heute nicht das machen, was ich tue und anderen helfen genau in der Situation, wenn das nicht passiert wäre. Also, auch da die Chance.

Und um die Chance abzurunden für diejenigen, die gern hören, Dank Doris gibt es seit letztem Jahr, 10. Oktober, den Übernahme als Chance-Podcast. Und sie hat am Tag darauf die Womanpreneur-Launch gelauncht sozusagen. Und das ist auch entstanden, weil wir uns gegenseitig halt motiviert haben. Und obwohl wir nach außen vielleicht erst mal kein Team sind, haben wir damit gezeigt, dass wir beide was leisten können. Gemeinsam durch die Motivation. Und das wünsche ich letztendlich auch jedem, der in so einer Übernahme ist, einfach so starke Partner zu haben wie ich jetzt auch mit Armin zum Beispiel, der ja das Buch quer hoch und runter gelesen hat, der das Geleitwort geschrieben hat und gesagt hat, da bin ich mit dabei, und letztendlich dafür gesorgt hat, dass es diesen ganz besonderen Abend gibt. Also von meiner Seite: Vielen, vielen Dank, dass wir zwar in einer kleineren Runde, aber in einer besonderen Runde auch in den Austausch gekommen sind. Also vielen, vielen Dank da von meiner Seite.

Judith Geiß: Meistern Sie jetzt mit der Übernahme-Formel Ihren Arbeitsalltag während der Integration in einen US-amerikanischen Mutterkonzern. Das Buch unterstützt Sie mit einem klaren System, vielen Praxisbeispielen und Tipps. Mehr dazu unter www.thebridge-online.com/Übernahme-Formel. Den Link dazu finden Sie natürlich auch in den Shownotes.

 

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